Index steigt zum achten Mal
Stimmung in Euroland hellt sich erneut auf

Der Fortsetzung des Aufschwungs in der Euro-Zone im dritten Quartal steht nach überraschend guter Laune der Unternehmen nichts im Wege. Der zusammenfassende Index für die Wirtschaftsstimmung erhöhte sich zum achten Mal in Folge und erreichte nun den höchsten Stand seit gut fünf Jahren.

ari DÜSSELDORF. Der Index – er bündelt das Vertrauen von Industrie, Dienstleistern, Bau, Einzelhandel und Verbrauchern – stieg im Juli um 0,6 auf 107,7 Punkte, wie die EU-Kommission heute mitteilte.

Volkswirte hatten einen kleinen Rückgang erwartet, insbesondere weil sich das Geschäftsklima in einigen Ländern, so auch in Deutschland, verschlechtert hatte. Getragen wurde die Stimmungsverbesserung im Juli durch einen Vertrauenszuwachs in der Industrie und der Bauwirtschaft, deren Einzelwert um drei auf plus einen Punkt stieg. Das Vertrauen der Dienstleister verharrte mit 19 Punkten ebenso auf Vormonatsniveau wie das der Konsumenten bei minus neun Punkten. Gleichzeitig zeigte sich der Einzelhandel nicht nur in Deutschland, sondern beispielsweise auch in Frankreich und Italien weniger optimistisch als im Vormonat.

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Insgesamt haben sich für Volkswirte damit die Aussichten auf eine weiterhin lebhafte Konjunktur gefestigt, auch wenn beispielsweise die Ökonomen der Commerzbank keine Verstärkung der Wachstumsdynamik im zweiten Halbjahr erwarten. Nachdem zudem das europäische Statistikamt Eurostat heute die Inflationsrate im Juli unverändert auf 2,5 Prozent schätzte, halten es viele Volkswirte für sehr wahrscheinlich, dass die Europäische Zentralbank (EZB) noch in dieser Woche die Leitzinsen erneut anheben wird. Entsprechende Andeutungen hatte sie in den vergangenen Wochen gemacht. Die Inflationsrate liegt weiterhin deutlich über der Zielmarke der EZB von nahe, aber unter zwei Prozent.

Der Indikator für das Industrievertrauen in der Euro-Zone stieg im Juli nochmals um einen auf vier Punkte. Er liegt damit nur noch zwei Punkte unter seinem im Mai 2000 erreichten Rekordhoch. Die Unternehmen schätzten ihre Produktionsaussichten und die Nachfrage günstiger ein. Die lebhafte Industriekonjunktur hat zu Beginn des dritten Quartals auch für eine deutlich höhere Kapazitätsauslastung gesorgt. In Deutschland stieg der nur alle drei Monate abgefragte Nutzungsgrad dabei stärker als im Durchschnitt der Euro-Zone. Die Anlagen der deutschen Investitionsgüterhersteller sind nach Zahlen des Ifo-Instituts inzwischen sogar zu 90 Prozent ausgelastet.

Im Kontrast zur Hochstimmung in der Industrie steht das Vertrauen der Einzelhändler, auch wenn es immer noch besser ist als im langjährigen Durchschnitt. Der entsprechende Indikator fiel im Juli um drei Zähler auf minus einen Punkt zurück. Das Verbrauchervertrauen stagnierte gleichzeitig bei minus neun Punkten. Die Händler – nicht nur in Deutschland – waren mit ihren Geschäftsaussichten ebenso unzufriedener wie mit der aktuellen Lage.

Besonders deutlich verschlechterte sich das Vertrauen der deutschen Einzelhändler – schließlich müssen sie Anfang 2007 wegen der Mehrwertsteueranhebung befürchten, in ein Umsatzloch zu fallen. Bis zur Jahreswende hofft der deutsche Handel allerdings auf vorgezogene Käufe der Kunden. Die Verbraucher – auch die Deutschen – zeigten allerdings nach der EU-Umfrage konkret wie vor einem Jahr wenig Bereitschaft, sich in den nächsten zwölf Monaten ein neues Auto zu kaufen, ein Haus zu bauen, oder ihr Heim zu verschönern.

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