Industrie schwächelt
Dem Aufschwung geht die Puste aus

Die Industrie in der Euro-Zone hat deutlich an Fahrt verloren. Die Firmen steigerten ihre Geschäfte so wenig wie seit acht Monaten nicht mehr, wie die Markit-Forscher am Freitag zu ihrer Umfrage unter etwa 3000 Unternehmen mitteilten. Deutsche Unternehmen verbuchten das niedrigste Auftragsplus seit 14 Monaten.
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HB BERLIN. In Spanien und Irland berichteten die Unternehmen sogar wieder von Geschäftseinbußen und Griechenlands Industrie verharrt tief in der Rezession. Besorgniserregend sei nicht die Tatsache, dass es nun zu einer Abkühlung komme, sondern ihr Tempo, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. "Der Industrie als Hauptwachstumsmotor des Aufschwungs droht die Puste auszugehen." Der Markit-Einkaufsmanagerindex sank um 1,4 Zähler auf 53,7 Punkte und damit nicht ganz so stark wie in einer ersten Schätzung angenommen. Damit notierte das Barometer aber weiterhin den zwölften Monat in Folge über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Lediglich in Frankreich und Österreich habe das Wachstum an Fahrt gewonnen, teilten die Forscher mit.

Auch die deutsche Industrie schlug im September ein deutlich langsameres Wachstumstempo an. Die Produktion wurde nicht mehr so stark ausgeweitet wie im Vormonat, teilten die Markit-Forscher zu ihrer Umfrage unter etwa 500 deutschen Unternehmen mit. Mit Blick auf die unsicheren Konjunkturaussichten hielten sich viele Kunden etwas stärker zurück, was sich auch in der nachlassenden Exportnachfrage niederschlug: Die Firmen verbuchten das niedrigste Auftragsplus seit 14 Monaten. Der Markit-Einkaufsmanagerindex fiel um 3,1 auf 55,1 Zähler und damit nicht ganz so stark wie in einer ersten Schätzung angegeben. Dennoch zeigt das Barometer die niedrigste Wachstumsrate seit Januar an. Da sich Rohstoffe weltweit verteuerten, waren die Industriefirmen auch im September mit einem starken Kostenanstieg konfrontiert. Sie hoben die Verkaufspreise zwar stärker an als im August. Dennoch gelang es den Unternehmen angesichts des scharfen Wettbewerbsdrucks nicht, die Mehrkosten durch höhere Verkaufspreise wettzumachen.

Angesichts der anziehenden Nachfrage stockten die Firmen ihre Belegschaften jedoch weiter auf, das Stellenplus war nach Angaben von Markit das zweitgrößte in Deutschland seit Mai 2008. Dazu trug bei, dass viele Firmen nach wie vor mit einer guten Auftragsentwicklung und einem hohen Auslastungsgrad ihrer Maschinen und Anlagen rechnen. „Dafür spricht auch, dass die Auftragsbestände zum zwölften Mal hintereinander zunahmen“, kommentierte Markit die Umfragedaten für Deutschland. Auch in Österreich und den Niederlanden schufen die Firmen trotz der Abkühlung so viele neue Arbeitsplätze wie noch nie seit Ende der Rezession. In Frankreich, Spanien und Griechenland stabilisierte sich die Lage. In Irland und Italien fielen dagegen mehr Stellen weg als noch im August.

Die Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone war im Frühjahr um ein Prozent gewachsen, angeführt von einem kräftigen Plus in Deutschland. Für das zweite Quartal erwarten Experten jedoch, dass das Plus geringer ausfällt. Von einer erneuten Rezession sei das Währungsgebiet weit entfernt, sagte Williamson. "Allerdings könnten sich die alten und neuen Sorgenkinder der Peripherie als Wachstumsbremse erweisen und dem weiteren Abbau der Arbeitslosigkeit im Wege stehen."

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  • zuerst jahrelang "immobiliengesicherter-Konsum-auf-Pump"
    in USA, Spanien, U.K., irland und diversen anderen Volkswirtschaften -> jahrelanges Wachstum der Weltwirtschaft.

    dann: Subprimekrise -> Finanzkrise -> Wirtschaftskrise.

    Flux werden auf der ganzen Welt staatl. Konjunkturpakete aus dem boden gestampft, und die Nachfragelücke durch den Wegfall des
    "immobiliengesicherten-Konsum-auf-Pump"
    durch
    "staatl. Konjunkturpakete-auf-Pump" kompensiert.

    Durch die starke Positionierung der deutschen Wirtschaft im investitionsgüterbereich profitiert die deutsche Wirtschaft überproportional - und: wächst.

    Allerdings: ist die basis dieses Wachstums doch wohl kaum von nachhaltiger Natur;
    -> sowie die Konjunkturpakete den Sparpaketen weichen,
    entschwindet auch das "Wachstum" in Deutschland.

    Die Konjunkturpakete haben schon bei Roosevelts "New Deal" nicht all zu lange angehalten - erst durch die Rüstungsindustrie und dem anschließenden Wiederaufbau kam man aus der letzten Weltwirtschaftskrise wieder raus...

    - schaun' mer mal ...

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