Industrieproduktion
Barometer: Wirtschaft schrumpft weniger stark

Talfahrt abgebremst: Der Einbruch der Auftragseingänge in der Industrie der Eurozone hat sich im Februar überraschend deutlich abgeschwächt. Auch die Ergebnisse des aktuellen Einkaufsmanagerindexes fallen besser aus als erwartet. Experten warnen jedoch vor zuviel Optimismus.

HB BERLIN. Im Monatsvergleich seien die Aufträge im Februar um 0,6 Prozent gesunken, teilte die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag in Luxemburg mit. Der Rückgang war damit deutlich geringer als von Volkswirten mit minus 2,5 Prozent befürchtet. Zudem wurde der Vormonatswert von bisher minus 3,4 Prozent auf minus 2,0 Prozent nach oben revidiert.

Auf Jahressicht bleibt das Bild unterdessen düster: Die Auftragseingänge brachen um 34,5 Prozent ein. Ökonomen hatten allerdings einen noch etwas schärferen Rückgang um 34,9 Prozent erwartet. Im Vormonat waren die Auftragseingänge bereits um 34,3 Prozent eingebrochen.

Nach den Ergebnissen des aktuellen Einkaufsmanagerindizes gingen in der Euro-Zone die Geschäfte der Dienstleister zwar im April weiter zurück. Allerdings war der Rückgang so gering wie seit sechs Monaten nicht mehr. Auf Sicht von zwölf Monaten gehen die Firmen zudem von einem Anziehen des Geschäfts aus. Auch bei der Industrie signalisierte das Barometer das geringste Schrumpfen seit Oktober 2008. Dennoch sind beide Indexwerte noch weit von der Wachstumsschwelle von 50 Punkten entfernt.

Der Markit-Index für die Dienstleister stieg auf 43,1 Punkte von 40,9 Zählern im März. Analysten hatten dagegen nur einen Anstieg auf 41,0 Punkte erwartet. Die Firmen sammelten zwar erneut weniger Aufträge ein, das Minus war aber geringer als im März. Der Arbeitsplatzabbau beschleunigte sich allerdings etwas. Binnen zwölf Monaten erwarten die Unternehmen eine Geschäftsbelebung: Der Indexwert für die Erwartungen stieg auf 53,6 Zähler von 48,6 Punkten im Vormonat und damit erstmals seit August 2008 wieder über die Wachstumsschwelle.

Die Industrie steckt dagegen noch tiefer in der Rezession. Das Barometer stieg hier auf 36,7 Punkte von 33,9 Zählern im Vormonat und ist damit noch weit von der Wachstumsschwelle entfernt. Von Reuters befragte Experten hatten allerdings lediglich einen Anstieg auf 34,5 Punkte erwartet. Die Firmen drosselten ihre Produktion etwas weniger als im März und auch der Nachfragerückgang schwächte sich ab. Das entsprechende Barometer für den Auftragseingang stieg auf 37,4 Punkte von 30,9 Zählern im März und erreichte damit den höchsten Stand seit September 2008.

Der Composite-Index, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, stieg auf 40,5 Punkte von 38,3 Zählern im März und damit auf den höchsten Stand seit sechs Monaten. Die Euro-Zone steckt derzeit in einer tiefen Rezession. Der Internationale Währungsfonds sagte am Mittwoch ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 4,2 Prozent voraus. Auch im kommenden Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt weiter zurückgehen.

Das deutsche Barometer für den Servicesektor stieg auf 43,5 Zähler von 42,3 Punkten im Vormonat, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Markit-Einkaufsmanagerindex hervorgeht. Experten hatten nur eine Zunahme auf 42,5 Punkte erwartet. Mit dem Anstieg hat sich das Barometer wieder etwas der Wachstumsschwelle von 50 Punkten genähert. Im Verarbeitenden Gewerbe liegt diese Marke dagegen noch in weiter Ferne: Der entsprechende Markit/BME-Einkaufsmanagerindex für die Industrie stieg im April auf 35,0 Zähler von 32,4 Punkten im März. Auch hier hatten Fachleute mit einem schwächeren Zuwachs gerechnet. „Die April-Zahlen bestärken die Hoffnung, dass die Rezession im zweiten Quartal ihren Höhepunkt überschritten haben wird“, sagte Markit-Volkswirt Tim Moore.

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