Inflation
G20 geben „Helikopter-Geld für alle“

Die Beschlüsse des Londoner G20-Gipfels zur Verdreifachung der finanziellen Ressourcen des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf 750 Milliarden Dollar haben europäische Notenbanker und Experten schockiert: Durch die Maßnahme erhöhe sich die globale Geldmenge. Dies führe zu Inflation, sobald die Krise zu Ende sei, fürchten Wissenschaftler.

BERLIN/FRANKFURT. Die Beschlüsse des Londoner G20-Gipfels zur Verdreifachung der finanziellen Ressourcen des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben europäische Notenbanker und Experten schockiert. Die beschlossene multilaterale Unterstützung des Welthandels stößt zwar auf breite Zustimmung. Die Aufstockung der so genannten Sonderziehungsrechte (SZR), einem Mittel zur Schaffung zusätzlicher globaler Liquidität, kommt aber unter heftigen Beschuss. "Das ist reine Geldschöpfung. Das ist Helikopter-Geld für den Globus", sagte Jürgen Stark, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), dem Handelsblatt. Der Begriff "Helikopter-Geld" geht auf den renommierten Monetaristen Milton Friedman zurück. Er steht für die Vermehrung der Geldmenge am Bankensystem vorbei.

Die in London beschlossene Aufrüstung des IWF um mehr als 750 Mrd. Dollar ist das Kernstück einer breit angelegten G20-Strategie zur Bekämpfung der Weltwirtschaftskrise. Um 500 Mrd. Dollar sollen bestimmte Kreditlinien der Geberländer (NKV) aufgestockt werden. Zusätzliche 250 Mrd. Dollar entstehen durch eine neue Zuteilung von SZR.

SZR sind eine künstliche Währungseinheit, die nicht an den Devisenmärkten gehandelt wird. Mitgliedsländer können solche SZR bei Notenbanken gegen Hartwährungen eintauschen. Die SZR wurden 1969 vom IWF eingeführt, um die Schaffung zusätzlicher Liquidität zu ermöglichen. Der tagesaktuelle Wert eines SZR wird vom IWF auf der Basis eines Währungskorbs fortlaufend ermittelt. Am Freitag belief sich ein SZR auf 0,894939 Euro. SZR sind kostenlos und nicht an Bedingungen geknüpft. Sie werden an allen IWF-Mitgliedsländer entsprechend ihren Kapitalquoten verteilt. "Es hat keine Prüfung darüber gegeben, ob es einen globalen Bedarf an zusätzlicher Liquidität überhaupt gibt", kritisierte Stark. "Früher hat man sich viel Zeit genommen, so etwas zu prüfen."

Auch die mit dem IWF befassten Vertreter von Finanzministerien sehen die gefährlichen Implikationen der G20-Beschlüsse. Um Forderungen der Amerikaner und der Briten nach neuen Konjunkturprogrammen nicht nachgeben zu müssen, sei Deutschland gezwungen gewesen, der Verlagerung der angestrebten globalen Nachfragestimulierung auf die multilaterale Schiene zuzustimmen, verlautet aus Berliner Regierungskreisen. Man habe bewusst in Kauf genommen, dass die Zuteilung zusätzlicher SZR mehr globale Liquidität bedeuten würde.

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