"Inflation im Einklang mit Preisstabilität 2004": Konjunktur erholt sich trotz Euro-Anstíegs

"Inflation im Einklang mit Preisstabilität 2004"
Konjunktur erholt sich trotz Euro-Anstíegs

Die Wirtschaft in der Euro-Zone befindet sich trotz des jüngsten Euro-Anstiegs auf dem Weg der Erholung. Diese Meinung vertritt der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Otmar Issing. Der EZB sei der Wechselkurs nicht gleichgültig, sondern die Notenbank sei besorgt über übertriebene Kursausschläge, sagte Issing am Dienstag bei einer Anhörung des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Europäischen Parlaments in Brüssel.

HB BRÜSSEL. Issing bekräftigte zugleich die günstigen Bedingungen für eine Konjunkturerholung. Der Kursanstieg des Euro, der nach Befürchtung vieler Politiker und Wirtschaftsforscher der Konjunktur schaden könnte, verdeutlicht Issing zufolge nur den dringenden Bedarf an Wirtschaftsreformen. Skeptisch äußerte er sich zu Absichten, den Stabilitätspakt zu ändern.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und weitere Ratsmitglieder bekundeten zuletzt mehrfach ihre Besorgnis über den starken Euro-Kursanstieg, der der Exportwirtschaft schaden und damit die Erholung der gesamten Konjunktur dämpfen könnte. Trichets Warnungen vor zu starken Kursausschlägen hatten den Höhenflug des Euro gebremst. Nach einem Rekordhoch von knapp 1,29 Dollar vor gut einer Woche verbilligte sich die Gemeinschaftswährung auf rund 1,25 Dollar.

Auf- und Abwärtsrisiken für die Wirtschaft seien kurzfristig ausgeglichen, bekräftigte Issing. Die Exporte würden vom Wechselkurs einerseits gedämpft, andererseits profitierten die Ausfuhren von der stärkeren Dynamik der Weltwirtschaft. Zudem dämpfe der Euro-Anstieg über die Importpreise das Preisniveau. Die Inflationsrate werde in den kommenden Monaten um zwei Prozent pendeln und danach in Einklang mit der Preisstabilität stehen. Diese sieht die EZB bei Teuerungsraten knapp unter zwei Prozent gewahrt.

Euro-Zone muss flexibler werden"

Die Leitzinsen in der Euro-Zone seien historisch niedrig und die Wirtschaft reichlich mit Geld versorgt, sagte Issing. So lange der Aufschwung nur schrittweise vorankomme, gehe von der überschüssigen Liquidität nach wie vor keine Inflationsgefahr aus. Die EZB hat die Zinsen seit Juni bei 2,00 Prozent gelassen. Angesichts der Konjunkturerholung rechnete bisher die Mehrheit der Analysten mit einer Zinserhöhung noch in diesem oder erst im nächsten Jahr. Doch der starke Kursanstieg des Euro lässt einige Experten mit einer weiteren Zinssenkung rechnen, da der höhere Wechselkurs die Teuerung von zuletzt 2,1 Prozent stärker dämpfen und die lang erhoffte Wirtschaftserholung bremsen könnte.

Der EZB-Chefvolkswirt nutzte den Dialog mit den Parlamentariern, um die Regierungen erneut zu grundlegenden Reformen aufzufordern. Die aktuelle Diskussion über die Aufwertung des Euro weise auf die strukturellen Probleme der Euro-Zone hin. „Solche Sorgen illustrieren den Mangel an Flexibilität in der Euro-Zone und die Anfälligkeit für externe Schocks“, sagte Issing. Die Arbeitslosigkeit sei zu hoch, die Produktivität zu niedrig und die alternde Bevölkerung werde auf den Rentensystemen lasten. Reformen dürften jedoch nicht mit steigender Staatsverschuldung einhergehen.

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