Konjunktur
Inflation in Deutschland hat sich erhöht

HB WIESBADEN. Der Preisauftrieb in Deutschland hat sich im Juni wegen höheren Energiekosten verstärkt. Die Jahresinflationsrate habe sich auf 1,9 Prozent von 1,7 Prozent im Vormonat erhöht, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag auf Basis der Daten aus sechs Bundesländern mit. Zum Vormonat kletterten die Verbraucherpreise um 0,2 Prozent. Damit wurden die Prognosen der Volkswirte jeweils genau getroffen.

Besonders kräftig legten die Preise für Heizöl in einzelnen Ländern zu. Sie stiegen binnen Monatsfrist zwischen 7,2 Prozent und 17,2 Prozent zu.

Der für europäische Vergleichszwecke berechnete harmonisierte Verbraucherpreisindex (Hvpi) stieg den Angaben zufolge um 1,8 (Vormonat: 1,6) Prozent zum Vorjahr und um 0,2 Prozent zum Vormonat. Damit blieb die Jahresinflationsrate unter der Marke von zwei Prozent, bis zu der nach Definition der Europäischen Zentralbank Preisstabilität herrscht.

Die endgültigen Ergebnisse für Juni werden voraussichtlich Mitte Juli veröffentlicht.

Von Reuters befragte Volkswirte hatten für ganz Deutschland im Schnitt mit einem monatlichen Preisanstieg um 0,1 Prozent und einer Jahresrate von 1,8 Prozent gerechnet und sagten zu den Daten in ersten Reaktionen:

Nick Matthews, Nick Capital: „Das entspricht unseren Erwartungen. Der Hauptgrund für den starken Preisanstieg ist natürlich der starke Preisauftrieb bei den Energiekosten, vor allem bei Heizöl und Benzin.“

Stephan Rieke, BHF-Bank: „Die Energiepreisentwicklung verwundert nicht, die starke Steigerung bei Benzin und Heizöl hat allein zwei Zehntel zum Preisauftrieb beigetragen. Die anderen Bereiche sind mehr oder minder neutral, aber wir haben auch eine Entlastung wahrgenommen, wie bei Bekleidung und Pauschalreisen. Das ist eher saisonunüblich, aber bei der Bekleidung angesichts der kühlen Witterung nachvollziehbar. Je kühler die Witterung, desto schlechter läuft die Sommerbekleidung. Das sind die vorgezogenen Sommerschlussverkäufe.“

Bernd Weidensteinger, DZ Bank: „Die Monatsrate von 0,2 Prozent entspricht unserer Prognose. Der mehr oder weniger einzige Preistreiber ist der internationale Ölmarkt. Was die Preise in Deutschland angeht, müssen wir uns trotzdem keine Sorgen machen. Rechnet man die Ölpreise raus, gibt es keinerlei inflationäre Tendenzen. Das sieht man an den Raten: Wenn bei einem Ölpreis von 60 Dollar je Barrel gerade einmal eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent herauskommt, gibt es keine Überwälzungseffekte.

Mit anderen Worten heißt dass, das der Ölpreis vor allem eine Gefahr für die private Kaufkraft und damit für die Konjunktur und weniger für das Preisklima ist. Für die EZB hat sich beim Preisklima aber nichts geändert, die Raten liegen in Europa mehr oder weniger im Rahmen der EZB-Zielmarke. Wenn man vor dem Hintergrund von der EZB aber Zinssenkungen fordert, um die Konjunktur anzukurbeln, so ist das doch recht verwegen. Dass ein Zinssenkung von 25 Basispunkten das Wachstum ankurbelt, ist doch recht unwahrscheinlich. Aber der Druck auf die EZB wächst. An den Märkten hat das Klima aber wieder eher in Richtung sinkender Leitzinsen gedreht.“

Matthias Rubisch, Commerzbank: „Es gibt keine Überraschung. Der Monats-Anstieg um 0,2 Prozent kommt allein von der Energieseite, wo wir Rekordpreise verzeichnen. Und in den nächsten Monaten wird es nicht besser werden. Bei den anderen Gütern ist der Preisanstieg allerdings moderat. Es besteht die Gefahr, dass sich der hohe Ölpreis verstetigt, für den gesamten Warenkorb sehen wir das aber nicht.“

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