Inflation leicht rückläufig
Deutsche Verbraucherpreise ziehen im Juli leicht an

Die Lebenshaltungskosten in Deutschland sind im Juli vor allem wegen saisonal üblicher Preiserhöhungen bei Pauschalreisen und Ferienwohnungen leicht gestiegen.

Reuters BERLIN. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes vom Freitag mussten die Verbraucher 0,2 Prozent mehr für ihre Lebenshaltung ausgeben als im Juni. Die Jahresteuerungsrate betrug damit 0,9 Prozent. Volkswirte sprachen von einem für den Sommer typischen Anstieg. Die Ernteausfälle in Europa wegen der anhaltenden Dürre könnten die Nahrungsmittelpreise in den nächsten Monaten jedoch anziehen lassen. Finanzexperten erwarten, dass sich für die Europäische Zentralbank (EZB) nach den vorläufigen Inflationsdaten aus Deutschland und Italien derzeit kein Handlungsbedarf für weitere Zinsschritte ergibt. Zu einer Zinssenkung werde es wohl nicht vor Herbst kommen.

Pauschalreisen und Ferien-Unterkünfte im Juli teuerer

Das Bundesamt berechnete die vorläufige Teuerung im Juli auf der Basis von Daten aus sechs Bundesländern. Am stärksten stiegen die Verbraucherpreise in Bayern mit 0,4 Prozent zum Juni und mit 1,3 Prozent zum Vorjahresmonat. In Sachsen stiegen die Lebenshaltungskosten im Vergleich am geringsten - zum Vormonat um 0,2 Prozent und zum Juli 2002 um 0,5 Prozent. Vor allem teurere Dienstleistungen im Tourismus sorgten für den saisonal üblichen Anstieg der Lebenshaltungskosten. „Das dominiert die Preisentwicklung im Juli“, sagte Volker Nitsch von der Bankgesellschaft Berlin. In mehreren Bundesländern verteuerten sich Pauschalreisen um gut acht Prozent. In Hessen und Brandenburg kletterten die Mietpreise für Ferienwohnungen um rund 30 Prozent.

Experten: Dürre könnte Nahrungsmittel demnächst verteuern

Saisonabhängige Nahrungsmittel wie Frischobst und Gemüse verbilligten sich in den meisten Bundesländern, in Bayern zum Beispiel um 3,8 Prozent. Auswirkungen der anhaltenden Dürre mit entsprechenden Ernteausfällen vor allem in Südeuropa waren nach Einschätzung von Nitsch für Deutschland noch nicht zu erkennen. „Das könnte aber in den August-Zahlen drin sein.“ In Italien hatte die Trockenheit Experten zufolge bereits im Juli die Nahrungsmittel-Preise anziehen lassen. Nach Vorlage der Preisdaten aus zwölf italienischen Großstädten erwarten Volkswirte dort einen landesweiten Anstieg zum Vormonat um 0,2 Prozent.

Viele Finanzexperten rechnen wie Neville Hill von CSFB für den laufenden Monat mit einer Jahresteuerung von rund 2,0 Prozent in der Euro-Zone. „Die deutschen Daten machen Mut für die Kerninflation und sind ein gutes Zeichen für ein Sinken der Inflation zum Ende des Jahres.“ Nitsch erwartet für Juli eine Jahresteuerungsrate in der Euro-Zone von 1,9 Prozent. „Das dürfte genau dem Rahmen der EZB entsprechen.“ Von der Inflationsseite dürfe dies keinen Handlungsbedarf der EZB für weitere Zinsschritte auslösen. Es sei aber nicht auszuschließen, dass die Zentralbank ihre historisch niedrigen Leitzinsen von 2,00 Prozent im Herbst aus Sorge um die konjunkturelle Entwicklung noch einmal um 25 Basispunkte senke. Die Notenbank sieht bei einer Inflationsrate von knapp 2,0 Prozent mittelfristig Preisstabilität gewährleistet.

Der für die EZB-Geldpolitik maßgebliche harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) stieg den Angaben zufolge in Deutschland um 0,2 Prozent zum Juni und lag damit 0,7 Prozent über dem Vorjahresstand.

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