Inflation
Teuerung in der Euro-Zone auf Rekordtief

Die Verbraucher in der Euro-Zone können sich über die niedrigste Teuerung seit 13 Jahren freuen. Zum Vorjahr stiegen die Lebenshaltungskosten im März nur um 0,6 Prozent.

HB BRÜSSEL. Noch im Januar war die Teuerung doppelt so hoch. Selbst Experten zeigten sich von dem niedrigen Preisdruck überrascht, da sie nur mit einem Rückgang auf 0,8 Prozent gerechnet hatten.

Detaillierte Angaben zur Entwicklung der Verbraucherpreise legte Eurostat nicht vor. Fachleute führten den Rückgang der Teuerung aber vor allem auf sinkende Energiepreise zurück. Auch spielte eine Rolle, dass das Osterfest 2008 auf den März fiel, dieses Jahr hingegen erst im April begangen wird. Da sich in der Oster-Saison regelmäßig Preise für Ferienhäuser oder Pauschalreisen verteuern, fiel dieser Effekt im März dieses Jahres aus. Der Inflationsdruck hat in der schweren Wirtschaftskrise seit Mitte vorigen Jahres stark nachgelassen. Im Juli 2008 hatte die Teuerung im Zuge des Ölpreishöhenflugs ein Rekordhoch von 4,0 Prozent erreicht. Damit lag das Niveau rund doppelt so hoch wie die von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebte Marke für stabile Preise von knapp unter zwei Prozent.

Nun besteht die Gefahr, dass das Pendel bei den Preisen in die andere Richtung ausschlägt. In Spanien sind die Lebenshaltungskosten im März bereits niedriger ausgefallen als im Vorjahr. Wirtschaftsminister Pedro Solbes warnte sogleich davor, das Gespenst einer Deflation an die Wand zu malen. Die Gefahr eines Preisverfalls auf breiter Front sehe er für Spanien nicht. Mehrere ranghohe EZB-Notenbanker haben deutlich gemacht, dass sie für die Euro-Zone nicht mit einem solchen Szenario rechnen, bei heraufziehender Gefahr jedoch rechtzeitig handeln werden.

Ökonom Martin van Vliet von ING rät der EZB zur Wachsamkeit: "Die absehbar weiter fallende Teuerung könnte auch die Inflationserwartungen der Verbraucher und Marktteilnehmer in den nächsten Monaten sinken lassen." Wenn Verbraucher auf immer niedrigere Preise spekulieren, kann eine Abwärtsspirale in Gang kommen, die letztlich in eine Lähmung der Wirtschaft mündet.

Experten gehen davon aus, dass die Hüter des Euro angesichts des fallenden Preisdrucks ihren Spielraum bei den Zinsen nutzen werden, um die lahmende Wirtschaft anzukurbeln. Sie rechnen damit, dass der Schlüsselzins am Donnerstag um 0,5 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent gekappt wird.

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