Inflationsdruck und Wachstum gedämpft
EZB bleibt vorsichtig

Nach den Worten von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet ist in der ersten Hälfte dieses Jahres das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone schwach geblieben. IWF-Chef Rodrigo Rato sieht derzeit aber kein Grund für eine EZB-Zinssenkung.

HB STRASSBURG. „Die jüngsten Indikatoren für die Wirtschaftsaktivität blieben unter dem Strich abwärts gerichtet und signalisieren, dass die zu Grunde liegende Wachstumsdynamik in der ersten Hälfte 2005 schwach geblieben ist“, erklärte Trichet am Montag in einer schriftlichen Stellungnahme vor dem Europaparlament zur Vorstellung des EZB-Jahresberichts 2004. Es bestünden aber weiterhin gute Bedingungen für eine Konjunkturerholung. Während die Konjunktur auf mittelfristig begrenzten Preisdruck hindeute, erforderten das hohe Geldmengenwachstum und der Ölpreis die Wachsamkeit der EZB.

Die EZB wird angesichts unsicherer Konjunkturaussichten und gedämpfter Inflation den Leitzins noch länger nicht ändern. Für die Zinsentscheidung am Donnerstag sagten bei der jüngsten Reuters-Umfrage fast alle der 65 befragten Experten einen unveränderten Schlüsselzins von zwei Prozent voraus. Drei von vier Volkswirten rechnen aber nach wie vor mit einer Zinserhöhung, wenn auch erst im kommenden Jahr, und damit deutlich später als noch vor Kurzem erwartet.

EZB-Ratsmitglieder verdeutlichten zuletzt, dass sie vorerst die Absicht einer Zinserhöhung aufgegeben haben, aber keineswegs schon eine Zinssenkung vorbereiten. Trichets nicht mündlich vor dem Parlament vorgetragene Darstellung entsprach der Erklärung nach dem Zinsbeschluss vom 7. Juni.

Das vor allem vom hohen Ölpreis verursachte Nachlassen des Wachstums im zweiten Halbjahr 2004 habe in diesem Jahr angehalten, hieß es im Redetext, den Trichet im Parlament nicht vortrug. Doch die Exportwirtschaft werde vom anhaltend kräftigen Wachstum der Weltwirtschaft profitieren. Auch kräftige Gewinne und günstige Finanzierungsbedingungen sollten für mehr Investitionen sorgen. Der Konsum werde wegen der niedrigen Inflationsrate entsprechend den verfügbaren Einkommen wachsen. Das Bild einer schrittweisen Erholung habe sich auch in den im Juni veröffentlichten Projektionen des EZB-Stabs zum Wachstum widergespiegelt, die im Mittelwert von 1,4 % Wachstum 2005 und 2,0 % 2006 ausgingen. Die Unsicherheit über die Entwicklung der Inlandsnachfrage sei seither aber gewachsen. „Besonders der erneute Ölpreisanstieg stellt ein Abwärtsrisiko für die Wachstumsprojektionen dar“, warnte Trichet.

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