Inflationsgefahr
Fed rückt Dollar-Schwäche in den Fokus

Der Chef des US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, hat sich am Montag optimistisch geäußert, was die Wirtschaftslage der USA betrifft. Bernanke sieht den Aufschwung, allerdings auch verschiedenen Bedrohungen. Neben Arbeitslosigkeit und Kreditklemme sorgt sich das Institut nun verstärkt um ein Kernproblem: den schwächelnden Dollar.
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HB WASHINGTON. Der schwache Dollar ruft die US-Notenbank Fed auf den Plan. Die Zentralbank beobachte die Abwertung des Greenbacks genau, sagte Fed-Chef Ben Bernanke am Montag laut Redetext vor dem Wirtschaftsclub von New York. In einem seiner seltenen Kommentare zum Dollar-Kurs zog er zudem eine Verbindung zwischen der derzeitigen Dollar-Schwäche und den Inflationsgefahren. Er betonte, die Fed werde ihre Politik weiterhin darauf ausrichten, Gefahren für ihr doppeltes Mandat - die Förderung von Beschäftigung und Preisstabilität - abzuwehren. Es gebe jedoch noch andere Faktoren, die dabei helfen würden, die Inflation in den USA in Schranken zu halten. Eine sehr schwache Wirtschaft und stabile Erwartungen für die längerfristige Inflation dürften nach Einschätzung Bernankes den Druck auf die Preise unter Kontrolle zu halten. Er bekräftigte zudem, die Fed werde ihre Zinsen wohl längere Zeit auf einem außergewöhnlich niedrigem Niveau belassen.

Der Leitzins werde angesichts der angespannten Konjunktur noch „für einen längeren Zeitraum“ in seiner historisch niedrigen Spanne zwischen Null und 0,25 Prozent verharren, sagte Bernanke. Allerdings könnten „bedeutsame Veränderungen“ in der Wirtschaft die Aussichten für die Zinsentwicklung auch ändern.

Die US-Wirtschaft hat nach Ansicht Bernankes die Trendwende geschafft, wird aber weiter unter einem schwachen Arbeitsmarkt und Kreditknappheit leiden. „Der jüngste Aufschwung spiegelt mehr als nur vorübergehende Faktoren wider“, erklärte der Fed-Chef. Eine Fortsetzung des Aufschwungs sei wahrscheinlich. Anhaltende Engpässe bei der Kreditvergabe und ein schwacher Jobmarkt „lassen das Wachstum allerdings nicht so robust ausfallen, wie wir es uns erhoffen“. Alles in allem erwarte er 2010 ein „moderates“ Plus.

Obwohl sich weite Teile des Finanzsystems dank der staatlichen Hilfen inzwischen erholt hätten, stünden vor allem Haushalte und kleine Firmen noch immer vor Problemen, an Kredite zu kommen. Die Zahl der betroffenen Unternehmen sei fast auf einem Rekordstand. Die Zurückhaltung der Banken bei der Darlehensvergabe könnte durchaus dazu führen, die Konjunkturerholung zu dämpfen, warnte der Fed-Chef. Er erwarte allerdings mit der Zeit eine „schrittweise“ Verbesserung.

Der Arbeitsmarkt ist laut Bernanke derweil „der zweite Bereich, der große Sorge bereitet“. Derzeit lasse sich allenfalls positiv vermerken, dass sich die Verschlechterung der Lage verlangsamt habe. Im vergangenen Monat war die US-Arbeitslosenquote auf 10,2 Prozent gestiegen, der höchste Stand seit 1983. Seit Beginn der schwersten Rezession seit Jahrzehnten im Dezember 2007 verlor die größte Volkswirtschaft der Welt rund acht Mio. Arbeitsplätze. Die Arbeitslosenquote werde sich angesichts des erwarteten, moderaten Wachstums nur langsam verringern, sagte der Fed-Chef.

Die US-Wirtschaft war im dritten Quartal zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr gewachsen. Das überraschend kräftige Plus von aufs Jahr hochgerechnet 3,5 Prozent signalisiert das Ende der Rezession. Ökonomen gehen davon aus, dass die schwerste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten im Juni oder Juli zu Ende ging.

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