Inflationsgefahr
Konsumforscher warnt vor niedrigem EZB-Zins

Niedrige Zinsen sollen das Wachstum ankurbeln. Tatsächlich sitzt bei den deutschen Verbrauchern das Geld derzeit locker. Doch die Geldpolitik der EZB kann gravierende Folgen für die Altersvorsorge, warnen Konsumexperten.
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NürnbergDie Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist aus Sicht von Konsumforschern für Deutschland nicht ohne Gefahr. „Vor dem Hintergrund der noch relativ robusten Konjunktur, die wir haben, ist das Zinsniveau aus meiner Einschätzung zu niedrig. Es liegt für viele Anlagen noch unter der Inflationsrate“, sagte Rolf Bürkl vom Marktforschungsunternehmen GfK in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Nürnberg. „Das ist auf Dauer keine gute Entwicklung, weil die Sparguthaben einer ständigen Entwertung unterliegen.“

„Kurzfristig, wenn man von der Entwertung der Sparguthaben absieht, gibt es positive Effekte, weil die Investitionen stimuliert werden“, schilderte der Konsumspezialist die Folgen der jüngsten Leitzinssenkung auf das Rekordtief von 0,5 Prozent.

Zudem befeuerten die niedrigen Zinsen die Kauflaune, wodurch der private Konsum zu einer stabilen Säule des deutschen Wirtschaftswachstums werde. „Mittel- und langfristig ist das aber eher negativ zu sehen, gerade mit Blick auf die private Altersvorsorge“, warnte Bürkl. „Da wird Kapital entwertet, das später in den Rentnerhaushalten fehlen wird.“

Aktuell profitiert der Konsum in Deutschland vom herrschenden Zinsniveau, weil die Sparer ihr Geld lieber ausgeben, als es zu schlechten Konditionen bei der Bank anzulegen. So investieren viele in werthaltige Anschaffungen wie Immobilien, was laut Bürkl wiederum das Geschäft von Handwerkern und beispielsweise Küchenherstellern ankurbelt - und damit das Wirtschaftswachstum stützt.

„Aber das wird sicherlich nicht endlos weitergehen, dass der Konsum davon profitieren kann“, betonte Bürkl. Derzeit jedoch gebe es nur wenige sichere Alternativen. „Dafür müsste man ein höheres Risiko eingehen, doch davor scheuen viele Haushalte zurück.“ Obwohl etwa der Dax gerade eine rasante Rally hingelegt habe, zögerten viele Menschen, mit ihrem Ersparten an der Börse zu spekulieren.

„Da sind sehr viele Privatanleger durch das Platzen der Dotcom-Blase doch stark verunsichert. Und bei anderen Anlagen im Ausland - ich erinnere an Lehman Brothers - haben einige schmerzliche Erfahrungen gemacht und viel Geld verloren.“ Entsprechend bleibe vielen Sparern derzeit nichts weiter übrig, als die niedrigen Zinsen zu schlucken. Einen Trost hat Bürkl für sie: „Es ist nicht zu erwarten, dass das Zinsniveau auch für Anlagen noch weiter nach unten geht, weil die Zinsen schon extrem niedrig sind.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Inflationsgefahr: Konsumforscher warnt vor niedrigem EZB-Zins"

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  • Ich glaube Sie verwechseln Vermögen aufbauen mit Schulden aufbauen...

  • Noch so einer der gerne positive Realzinsen hätte.

    Die hatten wir lange Jahre und zwar oberhalb des Wirtschaftswachstums was dazu geführt hat das daß das Geldvermögen und somit die Schulden schneller wuchsen als die Wirtschaft.

    Und nun - oh welch Wunder - erleben wir Instabilität im Finanzsystem ausgelöst durch ein Missverhältniss von Verschuldung zur Wirtschaftsleistung.

    Die hohe Verschuldung soll abgebaut werden, da sind sich alle einig. Aber das geht nur mit negativen Realzinsen, eine Alternative gibt es nicht.



  • Wenn mehr auf Konsum gesetzt wird, statt auf Vermögensbildung, bleibt auch nichts anderes als die Zinsen niedrig zu lassen, weil es weltweit so ist. Sobald diese woanders rauf gehen, und es einigermaßen sicher erscheint, lenkt sich das wieder um, und wieder nix mit Investitionen.
    In anderen Ländern ist die Inflation um einiges höher, da sind auch die Zinsen höher. Also im Westen nichts Neues.
    Derjenige der sich langfristig etwas mit den niedrigen Zinsen aufbauen will, der muß auch sicher sein, das diese nicht einen Sprung nach oben machen, sonst ist er gleich pleite. Es muß also, oder gerade deswegen, auch Vermögen aufgebaut werden. Aber das wird gerade in der Masse nicht gefördert. Im Gegenteil, eine Wohnung oder Haus zu bauen oder zu kaufen ist mit den ganzen Auflagen, Steuern etc, so teuer wie nie. Da nützt es auch nicht 200 Millarden mit der Gießkanne als Familienförderung rauszuhauen, das geht zwangsläufig auch alles nur in den Konsum, womit sich die Schere zwischen Vermögen und Nicht-Vermögend immer weiter auftut.
    Man sollte also eher ein Institut für Vermögensaufbau installieren, anstatt für Konsumförderung.
    Zinsen zahlt man für echte Werte und nicht für durchlaufende Posten.

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