"Inflationsrate erstaunlich hoch!
IfW: Deutschland droht Defizit von 3,8 Prozent

Nach Einschätzung des Kieler Instituts für Wirtschaft (IfW) wird Deutschland im kommenden Jahr deutlich gegen das EU-Defizitkriterium verstoßen. Das IfW schätzt das Defizit auf 3,8 Prozent, hieß es in einem am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturbericht.

HB KIEL. Im Juni waren die Forscher für das kommende Jahr noch von einem Defizit von 3,2 Prozent ausgegangen. Die Bundesregierung hatte bereits eingeräumt, dass die EU-Obergrenze im kommenden Jahr nur schwer einzuhalten sei. In diesem Jahr erwartet das IfW ein Defizit von 3,6 nach zuletzt 3,5 Prozent, die Regierung geht sogar von 3,8 Prozent aus. Seine Wachstumsprognosen für Deutschland änderte das Institut dagegen nicht. Es erwartet im kommenden Jahr weiterhin einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,8 Prozent nach einer Stagnation in diesem Jahr.

Wachstum stagniert

Die deutsche Wirtschaft soll in diesem Jahr stagnieren, für 2004 erwartet das IfW aber ein auf 1,8 Prozent anziehendes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit bestätigte das IfW seine Einschätzungen vom Juni. Die deutsche Teuerung sieht das IfW auf Basis des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) bei 1,1 Prozent 2003 und 1,2 Prozent 2004. Die Arbeitslosenquote soll bei 9,4 Prozent im Jahr 2003 und 9,7 Prozent im kommenden Jahr liegen.

BIP muss spätestens 2004 unter 3 Prozent gedrückt werden

Die Experten aus Kiele wiesen darauf hin, dass Deutschland nach dem Wortlaut des EU-Stabilitäts- und Wachstumspaktes spätestens 2004 das Budgetdefzizit auf unter 3 BIP-Prozent begrenzen müsse, um Sanktionen zu entgehen. „Angesichts der bereits bekannten Haushaltsdaten für dieses Jahr und der Pläne der deutschen Regierung ist aber nicht zu erwarten, dass dies gelingt“, erklärte das IfW. Im Zuge der dritten Stufe der Steuerreform dürfte das strukturelle Budgetdefizit 2004 „vielmehr spürbar steigen“, warnten die Kieler Experten.

Inflationsrate "erstaunlich hoch"

Für den gesamten Euroraum geht das IfW davon aus, dass die Stagnation „allmählich überwunden“ wird, eine spürbare Erholung aber erst 2004 einsetzt. Die Konjunktur im Euroraum befinde sich weiterhin in einer Schwächephase. Das BIP-Wachstum sehen sie in der Eurozone dieses Jahr bei 0,5 Prozent und kommendes Jahr bei 1,9 Prozent, die Teuerung 2003 bei 2,0 Prozent und 2004 bei 1,7 Prozent und die Arbeitslosenquote in beiden Jahren bei 8,9 Prozent. Der Preisauftrieb auf der Verbraucherstufe habe sich zwar wieder abgeschwächt, vor dem Hintergrund der anhaltenden Konjunkturschwäche sei die Inflationsrate jedoch „erstaunlich hoch“.

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte die Leitzinsen nach Einschätzung des IfW „vorerst unverändert lassen und abwarten, ob sich die Konjunktur im Euroraum fängt“. Werde die Erholung, wie vom IfW erwartet, im vierten Quartal sichtbar, bestehe kein Grund, einen expansiven Kurs zu verstärken. Allerdings werde es noch geraume Zeit dauern, bis die Notenbank die Zügel wieder anziehe. Dies dürfte erst dann der Fall sein, wenn sich die Konjunktur gefestigt habe und die gesamtwirtschaftliche Kapazitätsauslastung wieder spürbar zunehme. „Wir rechnen nicht damit, dass die Leitzinsen schon im kommenden Jahr angehoben werden“, erklärten die Kieler Ökonomen.

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