Inflationsrate: Euro-Zone erreicht wieder Preisstabilität

Inflationsrate
Euro-Zone erreicht wieder Preisstabilität

Erstmals seit über einem Jahr herrscht in der Euro-Zone wieder Preisstabilität. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung der Europäischen Zentralbank in der kommenden Woche.

HB BRÜSSEL. Die Jahresteuerungsrate in der Euro-Zone schwächte sich im Dezember unerwartet deutlich auf 1,6 Prozent ab, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag in einer Schätzung mitteilte. Das ist der niedrigste Wert seit Oktober 2006. Die Teuerungsrate blieb damit zum ersten Mal seit August 2007 unter der Marke von zwei Prozent, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) stabile Preise gewährleistet sieht. Im November hatte sie mit 2,1 Prozent darüber gelegen.

Analysten führten den Rückgang der Teuerung vor allem auf gesunkene Energiepreise zurück. Ein Fass Öl kostet derzeit nur noch 49 Dollar – das sind rund 100 Dollar weniger als im Juli. Der Ölpreisrekord hatte die Inflationsrate damals auf den Höchststand von vier Prozent getrieben. Detaillierte Angaben zur Preisentwicklung legt Eurostat am 15. Januar vor.

Experten erwarten für die kommenden Monate einen weiteren Rückgang der Inflation. Dabei könnten die Teuerungsraten bis Mitte des Jahres sogar unter Null fallen – was die Deflationsdebatte anheizen dürfte, sagte Commerzbank-Analyst Christoph Weil. Doch von einer breit angelegten Abwärtsspirale bei den Preisen sei die Euro-Zone noch weit entfernt. „Ein nachhaltiger Rückgang des Preisniveaus setzt einen Rückgang der Löhne voraus“, sagte Weil. „Hierzu müsste die Arbeitslosigkeit massiv steigen. Ein solcher Wirtschaftseinbruch wird aber selbst von den größten Konjunkturpessimisten nicht prognostiziert.“

Zumal auch die EZB alles dafür tun dürfte, eine derartige gefährliche Entwicklung zu vermeiden. Am Montag kündigte etwa EZB-Ratsmitglied Vitor Constancio weitere Zinssenkungen an, wenn die Teuerungsrate zu weit falle. Auch EZB-Vizepräsident Lucas Papademos betonte, dass eine Deflation verhindert werden müsse.

Am 15. Januar entscheiden die Währungshüter das nächste Mal über den Leitzins. An den Märkten wurde bereits eine Senkung um einen halben Punkt auf zwei Prozent eingepreist, einige Investoren wetten aber auch auf einen noch größeren Schritt. Seit Oktober hat die EZB ihren Leitzins bereits in drei Schritten um 1,75 Prozentpunkte herabgesetzt.

Damit reagiert sie auch auf die rapide Abkühlung der Konjunktur im Währungsraum. So brachen etwa die Geschäfte der Dienstleister im Dezember so stark ein wie nie zuvor, der Einkaufsmanagerindex für den Sektor ging deutlich zurück. Das bestätigt das Bild einer tiefen Rezession in der Euro-Zone. Capital Economics-Analyst Ben May geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal erneut gefallen ist, diesmal aber deutlich stärker als noch im Sommer. Für 2009 sei sogar mit einem Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts um zwei Prozent zu rechnen.

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