Inflationsraten
Inflation wird wieder Thema

Die jüngsten Daten aus den USA und Deutschland zeigen: Die Inflationsraten steigen. Vermögensverwalter streiten über die möglichen Gefahren zunehmender Geldentwertung: Während viele Vermögensverwalter die Meldungen als Vorboten noch höherer Raten sehen, fürchten nur wenige Asset-Manager ernsthafte Gefahren, wie Nachfragen des Handelsblatts ergaben.

FRANKFURT. „Bei der Inflation ist alles noch im grünen Bereich“, sagt beispielsweise Oliver Kratz von der Anlagegesellschaft Pimco. Unter Wissenschaftlern gelten wachsende Geldentwertungsraten als ausgemacht. „Es gibt eine gute Chance, dass die Inflationsraten weiter nach oben laufen“, sagte der amerikanische Wirtschafts-Nobelpreisträger Edmund Phelps im Gespräch mit dem Handelsblatt. Ganz ähnlich sagt Kapitalmarktexperte Avinash Persaud, Professor an der London Business School: „Ja, die Gefahr ist real.“

Momentan erwarten Fachleute zwar keine drastische Verschärfung der Lage. Vertreter von Anlagegesellschaften sehen auch keinen Grund, ihre Produktangebote darauf hin zu überprüfen. Sie empfehlen den Anlegern jedoch wachsende Vorsicht – und gewisse Absicherungen. „Wichtig sind Risikopuffer durch Depotanteile von Gold, inflationsgebundene Anleihen und für US-Anleger auch Auslandsinvestments“, sagt John Derrick, Researchleiter bei der Anlagegesellschaft US Global Investors in San Antonio, USA.

Mit Blick auf die traditionellen Anlageformen ist Phelps skeptisch: „Es gibt kaum gute Optionen. Die Renditen der Anleihen werden durch die Inflation aufgezehrt, aber ein Wechsel von Bonds in Aktien ist auch wenig attraktiv.“ Er könnte sich allerdings ähnlich wie Derrick vorstellen, dass bei steigender Inflation Substanzanlagen stärker in den Vordergrund rücken. „Vielleicht feiern Immobilien dann ein Comeback; auch wenn man sich das in der jetzigen Krise nur schwer vorstellen kann“, sagt er.

Experten finden viele Gründe, die für eine steigende Inflation sprechen. Dazu gehören vor allem die extrem lockere Geldpolitik der Zentralbanken, die schnell wachsenden Geldmengen, eine stark wachsende Verschuldung sowie die steigenden Rohstoffpreise. „Hier spielt auch der schwache Dollar eine Rolle; er ist in einer kritischen Lage“, sagt Persaud. Seine Prognose: „Wahrscheinlich wird er bis auf 1,70 Dollar je Euro fallen.“ In diesem Zuge importieren die USA über den Dollarverfall Inflation. Auch die US-Hypothekenkrise kann die Inflation zusätzlich antreiben, weil sie über die Liquiditätszuschüsse der Notenbanken und die Zinssenkungen insbesondere der US-Zentralbank Fed die Attraktivität des Dollars weiter senkt.

Fachleute erklären, dass in den vergangenen Jahrzehnten – genauer: seit den 80er-Jahren – die Inflation und damit auch die Inflationserwartungen sukzessive gesunken sind. „Die technologischen Fortschritte und die Globalisierung mit dem Zustrom an preiswerten Arbeitskräften haben die Inflation lange Zeit gering gehalten“, sagt Pascal Blanqué, Chefanlagestratege von Crédit Agricole Asset Management in Paris. Zusätzlich waren in den 80er- und 90er-Jahren die Rohstoffpreise stark gesunken. Das drückte die Inflationsraten.

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