Inflationsrisiken nach oben gerichtet
Issing sieht Erholung in der Euro-Zone noch dieses Jahr

Die Wirtschaft in der Euro-Zone wird sich noch dieses Jahr erholen. Darauf deuten nach Meinung von EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing jüngste Signale hin. Der italienischen Finanzzeitung „Il Sole 24 Ore“ sagte Issing am Dienstag: „Eine Kombination positiver Signale ist ein ermutigender Aspekt."

HB MAILAND. „Das bestätigt ein Szenario, das wir im Juni vorgestellt haben: das einer Erholung im Verlauf dieses Jahres.“ Die Situation habe sich in den vergangenen beiden Monaten verbessert. Mit Blick auf den Rekord-Preis für Öl sagte der EZB-Chefvolkswirt: „Während die Risiken für das Wachstum wegen der Entwicklung des Ölpreises nach unten gerichtet sind, sind die Inflationsrisiken nach oben gerichtet.“

Den historisch niedrigen Leitzins von zwei Prozent bezeichnete Issing als angemessen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte erst vor wenigen Tagen bekräftigt, der EZB-Rat bereitet derzeit keine Änderung des seit Juni 2003 geltenden Leitzinses vor. Die meisten Beobachter rechnen mit einer Zinserhöhung als nächstem Schritt, allerdings erst 2006. Über eine Zinssenkung wird nicht länger spekuliert, da sich die Konjunkturdaten nach der Frühjahrsflaute wieder gebessert haben.

Der starke Ölpreisanstieg wirke sich unmittelbar stärker auf das Preisniveau als auf das Wachstum aus, sagte Issing und widersprach damit der Einschätzung mancher Volkswirte. „Ölpreise haben einen unmittelbaren und starken Einfluss auf die Inflation, während es sich nicht so stark und verzögert auf das Wachstum auswirkt.“ Die Teuerungsrate von zuletzt 2,2 Prozent werde deshalb in diesem Jahr etwas über zwei Prozent verharren.

Der gestiegene Ölpreis werde auch bei den nächsten Prognosen der EZB-Volkswirte im September berücksichtigt. Bisher ging die EZB von einem deutlichen Inflationsrückgang unter zwei Prozent im kommenden Jahr aus. Issing wies zugleich darauf hin, dass die Konjunkturaussichten gerade wegen des hohen Ölpreises mit Risiken verbunden seien. Besorgnis erregend sei, dass die die Preise für Öl-Futures auf hohem Niveau verharrten und nicht - wie sonst nach einem starken Preisanstieg üblich - nach unten wiesen.

Die EZB strebt mittelfristige Preisstabilität an, die sie bei Inflationsraten knapp unter zwei Prozent als erreicht betrachtet. Äußere Einflüsse wie höhere Ölpreise sind für die Zentralbank so lange kein Anlass zu handeln, wie sie nicht zu höheren Löhnen und Preisen auf breiter Front führen. Issing bekräftigte, die EZB habe bisher keinen binnenwirtschaftlichen Preisdruck ausmachen können. Grund sei vor allem der Trend zu geringen Lohnerhöhungen, der sich nach Erwartung der Zentralbank nicht so bald umkehren werde. Der Preis für ein Barrel Brent-Öl erreichte erst am Montag einen neuen Höchststand über 62 Dollar, seit Jahresbeginn verteuerte sich der Rohstoff damit um 55 Prozent.

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