Inflationsrisiko
Bundesbank plädiert für höhere Leitzinsen

Die Bundesbank stellt sich gegen die allgemeine Erwartungshaltung: Trotz gegenteiliger Zeichen aus den USA, spricht sich das Finanzinstitut für eine Leitzinserhöhung aus. Die Bundesbank sieht die Finanzkrise dabei eher entspannt, setzt auf den gesunden Markt und weist gleichzeitig auf die Inflationsgefahr hin.

FRANKFURT. Die Deutsche Bundesbank stellt sich mit ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht gegen die Einschätzung des Finanzmarktes und betont die Notwendigkeit höherer Leitzinsen. Der Bericht wurde am Freitag fertiggestellt, dem Tag, an dem die US-Notenbank in einer außerplanmäßigen Sitzung den Diskontsatz senkte und vor Gefahren für die Konjunktur aus der Finanzkrise warnte.

Demgegenüber haben am Freitag die Deutsche Bank und die Dresdner Bank, sowie am Montag die Commerzbank ihre Leitzinsprognosen revidiert. Die Institute rechnen nun nicht mehr mit einer weiteren Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB).

„Es überrascht mich, dass die Bundesbank in einem solchen Umfeld eine Zinserhöhung für notwendig hält“, kommentierte Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank den Bericht.

Die Bundesbank schreibt: „Die starke, von der lebhaften Kreditnachfrage getriebene monetäre Expansion lässt befürchten, dass der Anstieg der Verbraucherpreise im Euro-Gebiet in den nächsten Jahren im Mittel deutlich über der Zweiprozentmarke liegen wird.“ Die Bundesbank weist zudem darauf hin, dass der EZB-Rat angekündigt habe, die weitere Entwicklung „mit großer Wachsamkeit“ zu beobachten. „Große Wachsamkeit“ ist in der verklausulierten Sprache der EZB ein Signalwort für die Absicht, bei nächster Gelegenheit den Leitzins zu erhöhen.

Bundesbankpräsident Axel Weber ist Mitglied im EZB-Rat, der über die Leitzinsen für den Euroraum entscheidet der derzeit bei vier Prozent liegt. Die Finanzmärkte hatten eine Zinserhöhung am 6. September bereits fast komplett in den Kursen vorweggenommen, ihre Meinung im Laufe der letzten zehn Tage jedoch gedreht. Inzwischen wird die Möglichkeit einer weiteren Zinserhöhung noch in diesem Jahr auf unter 25 Prozent taxiert, hat die Investmentbank Barclays Capital errechnet. Thomas Mayer von der Deutschen Bank sagt sogar voraus, dass die EZB sogar den Leitzins senken werde, wenn die US-Notenbank wie weithin erwartet, in diese Richtung vorangehen sollte.

In ihrem Bericht räumt die Bundesbank zwar ein, dass von den Finanzmarktturbulenzen gewisse Risiken ausgingen, gibt sich aber demonstrativ gelassen und optimistisch für die Konjunktur. „Die jüngsten Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten bieten aus heutiger Sicht keinen Anlass, die Einschätzung günstiger Fundamentaldaten für die deutsche Wirtschaft grundlegend zu korrigieren“, schreiben die Volkswirte der Notenbank. Die Aussichten für ein anhaltend starkes Exportwachstum seien angesichts gestiegener Auftragseingänge aus dem Ausland, der hohen Wettbewerbsfähigkeit und des attraktiven Gütersortiments deutscher Unternehmen gut.

Selbst das mit 0,3 Prozent zum Vorquartal für viele Volkswirte enttäuschende Wachstum der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal kommentiert die Bundesbank positiv. „Die deutsche Wirtschaft konnte im zweiten Quartal ihre konjunkturelle Aufwärtsbewegung fortsetzten“, heißt es in dem Bericht. Dass unter den erschwerten Bedingungen der Mehrwertsteuererhöhung und anderer Belastungen der Wachstumsprozess nicht zum Stillstand gekommen sei, könne als Hinweis auf die gestärkte Kraft des derzeitigen Aufschwungs gedeutet werden.

Für den deutschen Aktienmarkt rechnet die Bundesbank unter Berufung auf die guten Unternehmensgewinne nicht mit markanten Kursverlusten. „Die Unternehmensgewinne weisen insgesamt weiterhin ein robustes Wachstum auf und dürften tendenziell stabilisierend auf die Aktienmärkte wirken“, schreibt die Bank.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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