Inlandsnachfrage lahmt weiter
Exporte stützen weiter die Industrie

Die deutsche Industrie hat im Mai erneut überraschend viele Aufträge bekommen. Allerdings profitierte die Branche dabei ausschließlich vom kräftigen Aufschwung im Ausland.

HB BERLIN. Von April auf Mai sei der Auftragseingang saisonbereinigt um 1,6 Prozent gestiegen, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch mit. Die Bestellungen aus dem Ausland legten dabei um 4,1 Prozent zu; aus dem Inland erhielt die Industrie dagegen 0,6 Prozent weniger Aufträge. „Das Bild bestätigt sich: Der Konjunkturaufschwung kommt nur aus dem Ausland, die Inlandsnachfrage lahmt weiter“, sagte Gerd Haßel von der ING BHF-Bank. Für das zweite Quartal zeichne sich aber ein robustes Wirtschaftswachstum ab, das etwa auf dem Niveau vom Jahresanfang von rund 0,4 Prozent im Quartalsvergleich liegen dürfte.

Von Reuters befrage Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Auftragsplus von 0,2 Prozent gerechnet, nachdem die Orders im April um 1,9 Prozent zugelegt hatten. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Aufträge im Mai um rund elf Prozent. Allerdings habe die Industrie überdurchschnittlich viele Großaufträge bekommen, erklärte das Ministerium.

Die Auftragsdaten bestätigten für Volkswirte einmal mehr das gespaltene Bild der deutschen Konjunktur. „Die Hauptstory ist aber eindeutig: Die Auslandsnachfrage trägt noch weiter“, sagte Andreas Scheuerle von der DekaBank. Die Inlandsnachfrage - besonders nach Investitionsgütern - bleibe dagegen enttäuschend. Wegen des boomenden Exports hoben zuletzt Wirtschaftsforscher ihre Wachstumsprognosen für Deutschland etwas an. Die meisten Experten erwarten wie die Regierung einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 1,5 bis 2,0 Prozent. Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hält ein Wachstum von bis zu zwei Prozent für möglich. Für einen echten Rückgang der Arbeitslosigkeit reiche dies aber nicht.

Einige Volkswirte befürchten, dass die Weltwirtschaft an Schwung verliert, bevor die deutschen Unternehmen und Verbraucher beginnen, mit steigenden Ausgaben das Wachstum zu stützen. „Die Tage dürften gezählt sein, in denen der Export so richtig brummt“, sagte Scheuerle. Einige Ökonomen hatten zuletzt sinkende Frühindikatoren wie das schwächere Ifo-Geschäftsklima als Zeichen einer konjunkturellen Abschwächung gewertet. Dagegen gehen die Volkswirte der Commerzbank weiter von einer etwas beschleunigten Erholung im zweiten Halbjahr aus. Weniger stimmungsabhängige Indikatoren wie der Reuters-Einkaufsmanagerindex sprächen für anhaltendes Wachstum.

Bislang fehlen nach Ansicht von Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein aber Belege für mehr Konsum und Investitionen. „Üblicherweise führen die Exporte die Erholung an und die Binnenwirtschaft zieht nach, aber die Zeitverzögerung ist dieses Mal etwas lang.“ Einen Hoffnungsschimmer lieferte nach Ansicht von Fabienne Riefer von der Postbank zumindest der Anstieg der Aufträge für die Konsumgüterhersteller aus dem Inland. „Das zeigt, das der Konsum anspringen könnte.“

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