Inlandsnachfrage steigt
Industrie erhält unerwartet mehr Aufträge

Wegen einer steigenden Nachfrage aus dem Inland hat die deutsche Industrie im Oktober überraschend mehr Aufträge erhalten als im September. Volkswirte werteten dies zwar als positives Signal, wollten aber noch nicht eine Wende in der Binnenwirtschaft ausrufen.

HB BERLIN. Der Auftragseingang stieg saisonbereinigt um 1,1 % zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium (BMWA) am Montag in Berlin mitteilte. Aus dem Ausland erhielten die Firmen dabei 1,2 % weniger Bestellungen, während die Aufträge aus Deutschland um 3,3 % zulegten. „Der Umfang der Großaufträge war dabei überdurchschnittlich groß“, erklärte das BMWA. Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein gab sich deshalb zurückhaltend: „Ich kann daraus nicht ableiten, dass die inländische Konjunktur schon grünes Licht hat.“

Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt Im Oktober mit einem unveränderten Auftragsvolumen gerechnet, nachdem die Aufträge im September um 0,8 % gestiegen waren. Der auf Basis der Daten aus Nordrhein-Westfalen berechnete HVB/Reuters-Indikator hatte dagegen bereits einen Anstieg um 0,8 % signalisiert.

Experten sorgen sich angesichts der jüngsten Rekordkurse des Euro zunehmend um die bisher vor allem vom Export getragene deutsche Wirtschaftserholung. „Im Ausland ist künftig mit weiteren Belastungen durch den festen Euro-Wechselkurs zu rechnen“, sagte Guntermann. Andreas Rees von der Hypovereinsbank verwies auf den Rückgang der Auslandsaufträge in den vergangenen Monaten: „Da ist die jüngste Euro-Stärke nur das i-Tüpfelchen auf einer bereits bestehenden Entwicklung.“

Auch Rees wertete den starken Anstieg der Inlandsnachfrage nicht als Trendwende, weil er darin vor allem eine technische Gegenbewegung zu dem Rückgang in den vergangenen Monaten sieht: „Für die grundsätzliche Konjunkturentwicklung gibt es eindeutig mehr Risiken als Chancen.“ Neben dem starken Euro sei auch die wirtschaftliche Abschwächung in den Nachbarländern in der Euro-Zone Besorgnis erregend, besonders bei Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich. Daher sei auch ein Rückgang der Wirtschaftsleistung nicht unwahrscheinlich: „Im ersten Halbjahr 2005 ist ein Quartal mit negativem BIP-Wachstum zum Greifen nah.“ Phyllis Papadavid von Lehmann Brothers schöpfte zwar Mut aus der Inlandsnachfrage, warnte aber zugleich angesichts des kräftigen Rückgangs der Einkaufsmanagerindizes: „Was zudem Sorgen bereitet, ist der zu Grunde liegende Trend in der Stimmung der Wirtschaft.“

Der Auftragseingang für die Industrie ist ein wichtiger Frühindikator für die Konjunkturentwicklung, der aber beispielsweise wegen Großaufträgen von Monat zu Monat stark schwanken kann. Im weniger volatilen Zweimonatsvergleich stieg das Ordervolumen um 0,5 %. Die Hersteller von Investitionsgütern verbuchten bei den Aufträgen im Oktober ein Plus von 1,6 %, Konsumgüterhersteller registrierten einen Zuwachs von 2,4 % und die Hersteller von Vorleistungsgütern einen minimalen Anstieg um 0,2 %.

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