Insolvenzen
Zahl der Firmenpleiten 2006 erneut rückläufig

Der Konjunkturaufschwung hat die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland deutlich sinken lassen. In diesem Jahr sei mit 31 300 Insolvenzen zu rechnen, 15,1 Prozent weniger als 2005, teilte der Verband der Vereine Creditreform am Donnerstag in Frankfurt mit.

HB FRANKFURT. Es ist der dritte Rückgang in Folge nach dem Rekord von knapp 40 000 Pleiten im Jahr 2003. In der ersten Jahreshälfte 2007 soll sich der Trend fortsetzen. „Für das zweite Halbjahr ist wegen der steigenden Zinsen aber wieder mit einem Anstieg der Insolvenzen zu rechnen“, sagte Vorstand Helmut Rödl. Die Pleiten kosteten in diesem Jahr 473 000 Arbeitsplätze, sagte Rödl.

Dazu trugen die Aufsehen erregenden Fälle bei: die Pleiten von Firmen wie den Geldtransporteuren Heros und Arnolds, dem Handyhersteller BenQ Mobile, der Modefirma Hucke, dem Industriebodenhersteller Rinol oder dem Stofftierhersteller Nici. Den weggefallenen Jobs stehen nur 225 600 Arbeitsplätze gegenüber, die durch Gründungen geschaffen wurden. Insgesamt sank die Zahl der Gewerbeanmeldungen um ein halbes Prozent. Das hänge auch mit der rückläufigen Förderung - etwa in Form der Ich-AG-Zuschüsse - zusammen, sagte Rödl.

Im Baugewerbe ist Creditreform zufolge der größte Rückgang der Insolvenzen zu verzeichnen. Mit rund 6 000 zahlungsunfähigen oder überschuldeten Unternehmen traf es 22 Prozent weniger Firmen als im Vorjahr. „Die Bauwirtschaft bleibt aber sehr risikobehaftet“, sagte Rödl. In der Branche kommen noch immer 196 Pleiten auf 10 000 Unternehmen, in den Bereichen Handel, Dienstleistungen und Verarbeitendes Gewerbe sind es nur rund die Hälfte. „In Ostdeutschland liegt die Risikoquote bei 141 Pleiten pro 10 000 Firmen, im Westen bei 98“, sagte Rödl. Der volkswirtschaftliche Schaden durch Firmeninsolvenzen habe 31,1 Milliarden Euro betragen nach 37,5 Milliarden im Vorjahr.

Anders als die Zahl der Firmenpleiten wird die Zahl der Verbraucherinsolvenzen 2006 laut Creditreform deutlich steigen. 89 700 Menschen strebten eine Schuldbefreiung im Gegenzug für eine sechsjährige „Wohlverhaltensperiode“ an. Das sind ein Drittel mehr als im Vorjahr. Dadurch wird sich der Prognose zufolge die Gesamtzahl der Insolvenzen um 12,1 Prozent auf den Rekordwert von 153 100 erhöhen.

Die von Banken in den Markt gedrückten Konsumentenkredite könnten zu weiter steigenden Verbraucherinsolvenzen führen, sagte Rödl. Solche Produkte bieten neben den Platzhirschen Santander Consumer und Citibank nun auch die Dresdner Bank und die Deutsche Bank an. Wesentliche Ursachen für finanziellen Ruin seien aber Arbeitslosigkeit und Scheidungen. „Es gibt keine Erziehung mehr zu sachgemäßer Haushaltsführung“, sagte Rödl. Das sei ein weiterer Grund. Insgesamt, so schätzt der Verband, ist rund jeder zehnte erwachsene Bundesbürger überschuldet.

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