Institute korrigieren Prognosen nach oben – DIW sieht Aufschwung, HWWA bleibt skeptisch
Exporte beflügeln Wirtschaftswachstum

Die Konjunktur in Deutschland gewinnt nach Auffassung mehrerer Wirtschaftsforschungsinstitute und des Internationalen Währungsfonds (IWF) an Schwung. Allerdings waren sich die Institute über das Ausmaß der Wirtschaftserholung uneins.

beu/dri HAMBURG/BERLIN. „Die Flaute ist vorbei. Der Aufschwung kommt“, sagte Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Er korrigierte die Prognose seines Instituts für 2004 deutlich nach oben: von 1,4 Prozent auf 1,8 Prozent. 2005 erwartet das DIW dann 2,1 Prozent Wachstum.

Damit erntete er Widerspruch seines Kollegen Thomas Straubhaar vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA). „Wir geben eine realistischere Prognose als unsere Kollegen ab, deren Optimismus wir nicht ganz teilen können“, sagte er. Straubhaar begründete seine gleich gebliebene Wachstumsprognose für dieses Jahr (siehe Grafik) vor allem mit einem hohen Ölpreis. Hinzu komme die andauernde Kaufzurückhaltung der Deutschen. Ohne ein Anziehen der Binnenkonjunktur werde auch die Arbeitslosigkeit nicht zurückgehen, sagte er.

Zwischen Zimmermann und Straubhaar ordnete sich gestern das Essener RWI-Institut ein. „Wir sind optimistischer als noch im April, als wir von einem Wachstum von 1,5 Prozent für 2004 ausgingen“, sagte RWI-Konjunkturexperte Roland Döhrn. Als Grund nannte er wie Zimmermann den „exorbitant gut laufenden Export“, der alle Erwartungen übertroffen habe. Genau Zahlen will das Institut in Kürze herausgeben. Es rechnet 2005 wie das HWWA mit leicht niedrigeren Zuwächsen als in diesem Jahr. Grund sei eine etwas schwächer erwartete Entwicklung der Weltwirtschaft.

Der IWF hatte bereits am Montag seine Deutschland-Prognose um 0,2 Prozentpunkte auf 1,8 Prozent in diesem Jahr erhöht. Er erwartet 2005 etwa zwei Prozent Wachstum. Einig sind sich die drei Institute und der IWF darüber, dass der Export alle Erwartungen übertrifft: Laut DIW wächst er in diesem Jahr um 8,7 Prozent, laut HWWA um 8,3 Prozent.

Die Meinungen der Institute gehen allerdings auseinander, sobald es an die Bewertung des Exportbooms geht. „Die exorbitante Verbesserung des Exportwachstums gegenüber allen Prognosen ist der Regen, der die verödete deutsche Wirtschaft wieder zum Blühen bringt“, sagte DIW-Konjunkturexperte Gustav Horn. Straubhaar vom HWWA beschrieb demgegenüber Deutschland als Patienten, der am „Tropf der Weltkonjunktur“ hänge und damit sehr anfällig für externe Schocks sei, etwa den Anstieg des Ölpreises.

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