Institute sehen noch keine klare Entlastung – Binnennachfrage gleicht nachlassenden Exportboom nur teilweise aus
Arbeitsmarkt bleibt das Sorgenkind

Eine spürbare Belebung auf dem Arbeitsmarkt lässt trotz der Konjunkturerholung im laufenden Jahr weiter auf sich warten. Das prognostizieren die sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten, das heute in Berlin offiziell vorgestellt wird.

dc BERLIN. Im Durchschnitt des Jahres 2005 wird die Zahl der Arbeitslosen um lediglich 34 000 auf gut 4,33 Millionen sinken, heißt es in dem Gutachten, das dem Handelsblatt vorliegt. Demgegenüber erkennen die Forscher erstmals seit Jahren wieder einen deutlichen Anstieg der Erwerbstätigenzahl. Allerdings werde die Prognose zur Beschäftigung ebenso wie zur Arbeitslosenzahl durch die noch ungewissen Auswirkungen der Arbeitsmarktreform „Hartz IV“ erschwert.

Ungeachtet der hohen Ölpreise wird sich die Konjunkturerholung laut Prognose aber fortsetzen: Die „zähe Stagnation“ seit dem konjunkturellen Einbruch im Jahr 2000 sei überwunden, heißt es in dem Gutachten. Für das kommende Jahr gehen die Institute von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,5 Prozent aus. Dies deckt sich mit der gestern veröffentlichten Prognose des Deutschen Industrie- und Handelskammertags.

Zwar liegt die Wachstumsrate damit nominal unter der Prognose von 1,8 Prozent für das laufende Jahr. Bei genauerer Betrachtung kehrt sich das Bild aber um, da 2004 ungewöhnlich viele Feiertage auf Wochenenden fallen. Bereinigt um diesen Effekt, würde das BIP 2004 nur um rund 1,2 Prozent zulegen. Unterschiedliche Einschätzungen vertreten die Institute indes für den Konjunkturverlauf in der zweiten Hälfte 2005. Die Mehrheit rechnet für diese Zeit mit einer wieder nachlassenden Expansion, dagegen bleibt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) optimistischer. Basis der Prognose sind Lohnzuwächse von klar unter zwei Prozent und ein Rückgang des Ölpreises auf 37 Dollar je Barrel bis Ende 2005. Freilich berge der Ölpreis ein „wesentliches Risiko“, räumen die Institute ein.

Konsens besteht darüber, dass die Konjunktur weiter stark vom Export abhängen wird – wobei der vor allem von den USA und China angetriebene Aufschwung der Weltwirtschaft allerdings schwächer wird. Umstritten ist, welchen Beitrag im Gegenzug die erwartete Belebung der Binnennachfrage leisten kann. Nach der Mehrheitsmeinung zieht sie zwar zögerlich an, wird die Abschwächung der Auslandsnachfrage aber nicht über den gesamten Prognosezeitraum hinweg ausgleichen.

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