Institute senken Wachstumsprognosen wegen Finanzkrise
„Die Party ist vorbei“

Finanzkrise, Euro-Aufwertung, steigende Rohstoffpreise: Deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen mit einer Konjunkturdelle in Deutschland. Infolge wurden jetzt Wachstumsprognosen nach unten korrigiert. Aus Amerika ziehen „ohne Zweifel dunkle Wolken heran“, konstatiert Ifo-Chef Sinn. „Die Party ist vorbei.“

HB DÜSSELDORF. Die Finanzkrise in den USA wird nach Einschätzung deutscher Wirtschaftsforschungsinstitute die gesamte Weltwirtschaft nach unten ziehen. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rechnet infolge der Turbulenzen mit einer Konjunkturdelle auch in Deutschland. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr nur noch um 1,5 Prozent wachsen nach 2,5 Prozent 2007, hieß es. Im Dezember waren die Forscher noch von 1,7 Prozent ausgegangen.

Seither habe sich das weltwirtschaftliche Umfeld deutlicher als erwartet eingetrübt. Die Immobilienkrise in den USA, der starke Euro und der anhaltende Preisanstieg für Rohstoffe seien eine Belastung für die Wirtschaft. 2009 werde das Wachstum mit 1,8 Prozent aber wieder etwas stärker ausfallen.

Dem gewerkschaftsnahen IMK-Institut zufolge wird sich das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr fast halbieren. „Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten und die starke Aufwertung des Euro fordern allmählich ihren Tribut“, sagte IMK-Direktor Gustav Horn. Das Bruttoinlandsprodukt werde deshalb nur noch um 1,3 Prozent wachsen nach 2,5 Prozent 2007.

„Die Kurse in Amerika sind sehr stark überhöht“

Auch das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) geht von stärkeren Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft aus. "Es gilt noch immer der Satz: Wenn die Amerikaner husten, kriegt die Welt einen Schnupfen - und dazu gehören auch wir in Deutschland", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn im Deutschlandfunk. In der in der Phoenix-Sendung „Unter den Linden“ hatte er bereits am Montagabend erklärt, aus Amerika zögen „ohne Zweifel dunkle Wolken heran.“ Der aktuelle Kurseinbruch am Aktienmarkt sei „genau das, was zu erwarten ist. Die Kurse sind insbesondere in Amerika sehr stark überhöht, wenn man sie mit dem langfristigen Mittel vergleicht. Das ist wieder auf Normalniveau zurückzuführen.“

„Was auch immer geschieht, die Party ist vorbei“, schrieb Sinn weiter in einem am Dienstag veröffentlichten Beitrag zur Wirtschaftslage. Nachdem sich die USA immer mehr auf eine Rezession zubewegten, sei der Boom der Weltwirtschaft zu Ende. Mit einem Wachstum von rund fünf Prozent sei der jetzige Boom ungewöhnlich lang und gefestigt. „Eine Periode mit einer solch kräftigen Dynamik hat es etwa seit 1970 nicht mehr gegeben.“

Die stärkere Position Asiens kann die Auswirkungen der Krise in den USA aus Sicht von Sinn nicht ausgleichen. Es sei eine Illusion zu glauben, dass eine Rezession in den USA keine Auswirkungen auf die Weltwirtschaft habe, da China nun an die Stelle der USA getreten sei. „Irgendwann wird es schon so sein, dass die Welt sich keinen Schnupfen mehr holt, wenn die USA niesen, aber so weit ist es noch lange nicht.“ Während die USA 28 Prozent zum Sozialprodukt der Welt beitragen, erzeuge China nur rund 5 Prozent. Ganz Asien steuere gerade einmal 24 Prozent bei, weniger als die USA allein.

Die Folgen der Finanzkrise in den USA für die Banken sind aus Sicht von Sinn noch nicht im vollen Umfang ersichtlich. In diesem Frühjahr werde ein Teil der notwendigen Wertberichtigungen in den Büchern erscheinen. „Die ganze Wahrheit wird sich jedoch erst im Frühjahr 2009 zeigen, wenn die Jahresabschlüsse für das Jahr 2008 veröffentlicht werden.“

Auch das Bundeswirtschaftsministeriums meldete sich am Dienstag sich zu Wort. Die Abkühlung der Weltwirtschaft hat h nach Ansicht des Ministeriums die Risiken für die deutsche Konjunktur vergrößert. Die Turbulenzen an den amerikanischen und internationalen Finanzmärkten, die Wechselkursentwicklungen und steigende Rohstoffpreise hätten die Risiken „spürbar erhöht“.

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