Internationaler Währungsfonds
Finanzkrise: IWF rechnet mit höheren Belastungen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht im Zusammenhang mit der Kreditkrise mittlerweile von Belastungen in Höhe von 1,3 Billionen Dollar für das weltweite Finanzsystem aus. Diese Summe nannte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn bei einer Konferenz. Die vorherige IWF-Schätzung belief sich auf bis zu 1,1 Billionen Dollar.

HB PARIS. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat das US-Hilfspaket für die Finanzbranche begrüßt und vor einem langfristigen Abschwung der Weltwirtschaft gewarnt. „Es hat ein ernsthafter und anhaltender Abschwung des Weltwachstums begonnen“, sagte der frühere französische Finanzminister der Zeitung „Journal du Dimanche“. „Das wird für Europa schwierig und hier und dort noch schwieriger für bestimmte arme Länder. Aber die Realwirtschaft wird nicht absinken. Die Währungen werden nicht zusammenbrechen. Den Zentralbanken gelingt es, die Finanzkrise zu managen.“

Das Hilfspaket der US-Regierung könne den Weg für Absprachen auf internationalem Niveau ebnen, um die Turbulenzen an den Märkten zu überwinden, sagte Strauss-Kahn weiter. „Dieser Plan ist begrüßenswert, weil er global angelegt ist. Aber das kann nur der erste Schritt für ein internationales politisches Handeln sein.“ Priorität ist nach seinen Worten, dass die USA das Feuer zunächst löschen. Danach müsse das globale Finanzsystem reformiert werden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sei bereit, dabei eine Führungsrolle zu übernehmen.

Die USA ringen derzeit um ein Hilfspaket im Umfang von 700 Mrd. Dollar, womit den Banken zu ihrer Entlastung faule Hypothekenkredite abgekauft werden sollen. Bei den Gesprächen im Kongress zeichneten sich Angaben beider Seiten zufolge zuletzt Fortschritte ab. Die Verhandlungen sollen demnach vor der Börseneröffnung am Montag in Asien abgeschlossen werden.

Der IWF bot sich als Normengeber und Kontrolleur der krisenhaften Weltfinanzmärkte an. "Wir sind in der Lage, den Kompromiss und das Allgemeininteresse zu definieren und zu garantieren", sagte Strauss-Kahn. Die Demokratie erfordere zwar, dass jedes Land sein eigenes Gesetz beschließe. "Aber die allgemeinen Regeln müssen universell gelten, denn das Finanzsystem ist globalisiert."

Die Regierungen hätten die Krisenwarnungen des IWF ignoriert. Nach langer Weigerung würden sich jetzt auch die USA und China der Bewertung der Finanzstabilität durch den IWF unterwerfen, sagte Strauss-Kahn. "Das ist ein Zeichen." Der Währungsfonds sei 1944 "als eine Art weltweiter Öffentlicher Dienst geschaffen" worden, um die Anarchie auf dem Währungsmarkt zu beenden. "Heute müssen wir uns zusätzlich der Finanzmarktanarchie stellen: der Undurchsichtigkeit, Gier und Verantwortungslosigkeit eines Systems, das seinen Bezug zur realen Wirtschaft verloren hat".

Die Realwirtschaft wird laut Strauss-Kahn wegen des Bankenkrachs nicht zusammenbrechen. "Die Zentralbanken schaffen es, die Finanzkrise zu meistern." Der 700-Milliarden-Dollar-Plan der USA sei richtig, könne aber nur "der erste Akt" sein. Anschließend müsse das System reguliert werden, um eine Wiederholung solcher Krisen zu vermeiden. Dabei sei die Entlohnung der Finanzmarktakteure keine Randfrage. "Wer die Gewinne der Financiers kontrolliert, der kontrolliert auch das Finanzsystem." Das sei kein moralisches Problem, sondern ein ideologisches, sagte der frühere französische Wirtschafts- und Finanzminister.

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