Interview
„Europa braucht jetzt eine Wachstumsstrategie“

US-Ökonom Barry Eichengreen sieht Europas Kampf gegen die Krise gescheitert. Der Ex-IWF-Berater kritisiert das Handeln des Währungsfonds in der Schuldenkrise - und fordert Deutschland auf, die Nachfrage zu steigern.
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Handelsblatt: Herr Eichengreen, der IWF hat neue Mittel für den Kampf gegen die Schuldenkrise bekommen. Trauen Sie ihm zu, sie im Sinne aller Mitglieder einzusetzen?

Barry Eichengreen: Ich mache mir Sorgen über die Rolle des IWF in Europa. Zu Beginn der Krise hat er alles abgesegnet, was die Europäische Kommission, die Zentralbank und die Regierungen wollten. Er hat damals eine Umstrukturierung der Schulden in Griechenland zu leichthin abgetan und damit seinen Ruf beschädigt. Erst in letzter Zeit hat der Fonds mehr Unabhängigkeit von der europäischen Meinung bewiesen.

Wollte die US-Regierung deshalb keine neuen Mittel für den IWF bereitstellen?

Nein. Der Grund dafür ist die tiefe Spaltung in der amerikanischen Politik. Alle Zahlungen an internationale Organisationen, alles was als Hilfe ans Ausland gilt, ist derzeit gegen die Republikanische Partei nicht durchsetzbar. Das ist ein schrecklicher Zustand, weil die USA somit nicht Teil der Lösung der Schuldenkrise sein können. 

Die Europäer scheinen die Krise ja auch allein ganz gut in den Griff zu bekommen.

Das sehe ich anders.

Warum?

Die südeuropäischen Länder rutschen immer tiefer in die Rezession. Ohne Wachstum wird Europa die Probleme nicht lösen können, denn je tiefer die Rezession wird, desto weniger wird die Konsolidierung der Haushalte vorankommen. In Spanien sinken die Immobilienpreise weiter, und das wird neue Löcher in die Bankbilanzen reißen. Damit werden die Banken neues Kapital benötigen, und das kann der Staat nicht mehr bereitstellen. Es ist ein Teufelskreis. Auch in Italien wird die Rezession tiefer, und die politische Unterstützung für Strukturreformen sinkt.

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„Frau Merkel hat sich als pragmatisch erwiesen“

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  • @Pinin

    Wo waren Sie? Derartige Artikel, unwissenschaftliche,fördern die Aggressiuon
    Entweder ist das HB auch schon alternativlos oder technisch und inhaltlich im Nachhinein oder es fehlt beim Verleger die Finanzielle Einsicht und Vernunft.

  • Leute wie dieser Eichengreen wollen doch gar nicht kapieren - für sie zählt nur die Geldmaschinerie in Gang zu halten.

    Gedanken über Strukturprobleme machen sich solche Lobby-Professoren prinzipiell nicht.

  • Gähn!

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