Interview mit Adolf Ahnefeld, Chefvolkswirt Bosch
„Wir haben exzellente Chancen“

Im Gegensatz zu vielen Volkswirten ist Adolf Ahnefeld, Chefvolkswirt der Robert Bosch GmbH, nicht überrascht von dem guten Geschäftsklima-Index, der im Februar erneut gestiegen ist. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erläutert Ahnefeld die guten Chancen deutscher Unternehmen und sein Erstaunen über den vielerorts herrschenden Pessimismus.

Handelsblatt: Der erneute Anstieg des Ifo-Indexes hat die Zunft der Volkswirte überrascht. Sie auch?

Adolf Ahnefeld: Keineswegs. Ich war vielmehr in den Monaten zuvor über die pessimistische Meinung vieler Unternehmen erstaunt, die dafür gesorgt haben, dass der Index mehrmals sank. Wir haben seit langer Zeit gut gefüllte Auftragsbücher, so dass wir sehr gut beschäftigt und hochzufrieden sind.

Daran ändert auch die Situation der US-Wirtschaft nichts?

Dass der amerikanischen Wirtschaft eine Rezession droht, spüren natürlich auch deutsche Unternehmen wie wir. Aber wir sind global aufgestellt – und die globalen Unterschiede sind groß: Die Konjunktur in den USA ist zwar schwach, aber in Europa entwickelt sie sich befriedigend, in Asien sogar sehr stark.

Wenn die US-Haushalte weniger Konsumgüter nachfragen, dürfte das aber auch die Chinesen treffen – und damit in letzter Konsequenz auch deutsche Industriegüterhersteller wie Bosch.

Es stimmt, dass der Export der Asiaten leidet. Aber entscheidend ist, dass die Eigendynamik in China und Indien zunimmt. Ebenso in Russland und Osteuropa. Dort gibt es viele Projekte, die für den Aufbau ihrer Infrastruktur deutsche Maschinenbauer dringend brauchen.

Haben Sie ein konkretes Beispiel?

In China werden eine Vielzahl von Infrastrukturprojekten vorangetrieben, die das Ziel haben, die Nachfrage nach Industriegütern und auch Autos anzukurbeln. Dass diese Strategie wirkt, spüren wir vor Ort in allen Bereichen, etwa der KFZ-Technik. Es sind zwar nach wie vor Entwicklungsländer mit all ihren Planungsunsicherheiten. Aber dass die Geschäfte dort trotzdem sehr lebhaft sind, lässt sich nicht wegdiskutieren. Wir haben 2007 in China ein Umsatzplus von 40 Prozent erreicht, in Indien waren es 25 Prozent.

Halten Sie Prognosen, die der deutschen Wirtschaft 2008 ein deutlich schwächeres Auslandsgeschäft vorhersagen als 2007, demnach für zu pessimistisch?

Das Exportwachstum wird aufgrund der US-Situation schwächer ausfallen – schwach wird es deswegen aber nicht. Die Dynamik 2006 und 2007 war so stark, dass sie sich nicht ein drittes Jahr wiederholen lässt. Wir dürfen unsere Wachstumsansprüche dennoch nicht so bescheiden formulieren. Deutsche Firmen haben exzellente Chancen auf den Weltmärkten und werden diese nutzen, sofern wir die Bedingungen hierzulande nicht selbst wieder verschlechtern.

Mit wir meinen Sie wen?

Gewerkschaften, Politik und Unternehmen. Die Tarifvertragsparteien müssen Maß halten. Die Politik darf nicht Reformen zurückschrauben. Und der Bankensektor muss aus seinen Fehlern lernen. Es wurden Geschäfte erfunden, die sie selbst nicht verstanden haben. Das rächt sich.

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