Interview mit Bernd Raffelhüschen

„Konjunkturprogramme sind der Dummheit Anfang“

Die USA fordern von Deutschland ein Konjunkturprogramm, um die Wirtschaft in der Eurozone zu stützen. Im Handelsblatt-Interview tritt der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen dieser Forderung entgegen.
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DüsseldorfHandelsblatt: Herr Professor Raffelhüschen, Deutschland steht unter internationalem Druck, ein Konjunkturprogramm aufzulegen. Was halten Sie davon?
Bernd Raffelhüschen: Warum um alles in der Welt sollen wir jetzt ein Konjunkturprogramm auflegen, da Deutschland sich im Boom befindet und der Staat die höchsten Steuereinnahmen aller Zeiten hat? Die Idee der Schuldenbremse ist ja, in guten Zeiten Geld für schlechte Zeiten zurückzulegen, und genau das sollten wir jetzt tun. Mitten in den Boom hinein ein Konjunkturprogramm zu platzieren, wäre reine Verschwendung.

Aber sollten wir nicht für den Fall vorbereitet sein, dass wir in eine Rezession abzurutschen drohen? Das letzte Konjunkturprogramm hat doch ganz gut funktioniert.

Konjunkturprogramme sind nicht der Weisheit letzter Schluss, sondern der Dummheit Anfang. Sie bewirken sowieso nie das, was man sich vorstellt. Mit dem letzten Konjunkturprogramm haben wir Schulen saniert, für die uns bald die Schüler ausgehen und die Menschen zum Kauf von Autos verlockt, die sie dafür dieses Jahr nicht kaufen.

Was soll denn aus dem Wachstum in der Euro-Zone werden, falls Deutschland als Konjunkturlokomotive ausfällt?
Die Vorstellung, dass Deutschland die Konjunkturlokomotive für Europa sein könnte, ist falsch. Sollen denn die Länder der Euro-Zone, die jetzt in der Rezession stecken, noch mehr Schulden machen, um deutsche Waren kaufen zu können? Und was sollen die Deutschen in Griechenland oder Portugal kaufen? Das Problem dieser Länder ist doch, dass sie kaum interessante Produkte im Angebot haben. Am ehesten könnten wir da helfen, indem wir noch mehr dorthin in den Urlaub führen. Die Probleme dieser Länder liegen in den langfristigen Strukturen. Griechenland hat keine Produktion und keine funktionierende Verwaltung. Das ist aber seit langem klar. Die Krise ist nur so eskaliert, weil wir in Europa zu viel öffentlich über die Probleme geredet haben, statt sie quasi hinter dem Vorhang zu lösen.

Deutschland sollte also an der Schuldenbremse festhalten?
Die Schuldenbremse war absolut richtig.

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14 Kommentare zu "Interview mit Bernd Raffelhüschen: „Konjunkturprogramme sind der Dummheit Anfang“"

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  • Frage an den Herrn Professor Raffelhüschen; wann ist denn bald, sprich wann gehen uns denn die Schüler aus? Bald... finde ich doch sehr vage und Sie als Experte wissen das doch bestimmt genauer. Und da wäre noch eine Frage; in was könnten wir denn besser investieren als in Bildung und Schulen unserer Kinder...
    Ich hoffe sehr auf baldige Antwort.

  • Meinen Dank an das Handelsblatt und an Raffelhüschen. Es ist gut, daß solch richtige Meinung hier veröffentlicht wird.

  • Erhält Honorar-Professor Bernd Raffelhüschen beim Handelsblatt denn immernoch ein öffentliches Podium? Kein Mensch nimmt den noch ernst.

  • Handelsblatt der verlängerte Propaganda Arm der INSM. Einfach unerträglich. Dieser Herr Professor ist eine Zumutung inhaltlich wie ethisch. Denn er hat keine Ethik. Aber dass sich das Handelsblatt vor den Karren spannen lässt ist einfach nur peinlich.

  • Tja, wenn eine Rezession da ist und vom Staat wegen der Schuldenbremse auch kein Konjunkturimpuls mehr kommen kann - was dann...?

  • Das erste Konjunkturprogramm das weg muß, sind die Milliarden, die die Deutsche Bank über den Umweg HRE vom Steuerzahler bekommen haben.
    Jeder wird sich erinnern, H.Ackermann feierte deshalb in einem kleinem Kreis im Kanzleramt seinen Geburtstag, kurz darauf gabs für die Faulen Kredite die man an die HRE ausgelagert hat 8 Mrd gutes Geld der Steuerzahler.

    Aber das meint dieser Raffel... lobbyist der Neoliberalen sicherlich nicht. Wird Zeit das der neoliberale Spuk ein Ende hat. Raffel... sollte Rößler auf seinem Weg zur Nulllinie folgen.

  • @aurorix: Konjunkturprogramme sind kurzfristige Strohfeuer. Folge ist erhöhte Staatsschulden, die leider oft durch Inflation wenigstens zum Teil verringert werden sollen. Und unter der Inflation leiden die unteren und mittleren Einkommen mehr als die oberern. Also das ganze ist nur an der Oberfläche "sozial"...

  • mann,mann,mann...

    unser chefredakteur hat sich mit seinen neoliberalen spiegel verlautbarungen doch erst in seinen sessel geschrieben.da kannst du nur zwischen den zeilen lesen, wenn sich die mietmäuler gegenseitig in stellung bringen.

    immerhin spricht er jetzt schon mit toten...

  • Konjunkturprogramme sind derselbe Quatsch wie der neuerliche Rettungsschirm für Griechenland. Zur freien Marktwirtschaft gehören Konjunkturschwankungen wie Insolvenzen. Der Staat sollte sich da eigentlich immer raushalten. Längerfristig geht es dann der Wirtschaft, dem Staat und den Bürgern besser!

  • Zwischen Lohnerhöhungsinitiative und neuen Staatsschulden besteht allerdings ein wichtiger Unterschied - zweiteres können wir uns nämlich nicht leisten, ersteres in gewissem Umfang schon.

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