Interview mit IWF-Vize
„Reformen tragen jetzt Früchte“

Der Vize-Chef des Internationalen Währungsfonds, John Lipsky, lobt im Interview mit dem Handelsblatt den deutschen Aufschwung und sieht sogar Potenzial für höhere Wachstumsraten. Auch die Weltwirtschaft werde sich robust entwickeln, erwartet er. Die jüngsten Turbulenzen auf den Finanzmärkten sieht Lipsky gelassen und führt dafür gute Gründe ins Feld.

Handelsblatt: Herr Lipsky, die Finanzmärkte sind seit dem Kurseinbruch vor zwei Wochen nervös geworden. Wie beurteilen Sie die Lage?

Lipsky: Die jüngsten Turbulenzen sind moderat. Ich will nicht sagen, dass es keine Risiken gibt. Ganz im Gegenteil. Aber die Korrektur an den Finanzmärkten findet doch in einem weiterhin positiven wirtschaftlichen Umfeld statt.

Sie bleiben also ein Optimist?

Wenn unsere Prognose für die Weltwirtschaft korrekt ist, befinden wir uns im fünften Jahr einer starken Wachstumsphase. Das hat es seit 30 Jahren nicht mehr gegeben. Alle großen Volkswirtschaften schöpfen ihre Wachstumsmöglichkeiten im Moment voll aus oder sind nahe daran. Und gleichzeitig scheint das Inflationsrisiko zu sinken.

Warum kam es dann zu einer Korrektur an den Finanzmärkten?

Wir hatten in den vergangenen Monaten sehr gute Konjunktursignale für die Weltwirtschaft und die Stabilität der Finanzmärkte. Insbesondere wenn man das mit der Lage im vergangenen September vergleicht. Damals waren die Risiken viel deutlicher zu spüren. Der US-Immobilienmarkt signalisierte einen Einbruch. Das Wirtschaftswachstum in den USA war spürbar zurückgegangen. Der Ölpreis lag bei etwa 70 Dollar. Die Sorge war groß, dass die Weltwirtschaft in einen Abschwung rutschen und gleichzeitig der Inflationsdruck zunehmen könnte.

Und das ist heute nicht mehr so?

Nein, seitdem hat sich die Lage spürbar verbessert. Die Energiepreise sind zurückgegangen. Die Abschwächung auf dem US-Immobilienmarkt scheint nicht auf die allgemeine Wirtschaft überzugreifen, insbesondere nicht auf den privaten Verbrauch. Japan meldet ein besseres Wirtschaftswachstum im vierten Quartal nach den enttäuschenden Zahlen der Vormonate. Die Zuversicht ist gewachsen, dass der Aufschwung in Europa weitergeht, vor allem dank der guten Entwicklung in Deutschland.

Dennoch schätzen die Investoren die Risiken jetzt höher ein als noch vor ein paar Wochen. Warum?

Die gute wirtschaftliche Entwicklung hat zu der Erwartung geführt, dass die ökonomischen Risiken geringer geworden sind. Das gilt sowohl für die Inflationsgefahr als auch für das Risiko eines Wachstumseinbruchs. Seit der Kurskorrektur gibt es eine große Unsicherheit darüber, die wirtschaftlichen Risiken richtig zu bewerten.

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