Interview mit Marc Faber
„In Asien mehr Rendite"

Asienkenner Marc Faber über die Verlagerung der weltwirtschaftlichen Gewichte nach Fernost, die weitere Entwicklung Chinas und die Chancen für Geldanleger. Er meint: "Die Nachfrage nach Öl wird sich sicherlich verdoppeln."

Frage: Herr Faber, wie lange kann der China-Boom noch anhalten?

Faber: Wie stark China ist, kann man am besten herausfinden, wenn man es mit den entwickelten Ländern vergleicht. Während wir in Europa in den vergangenen 20 Jahren real keine wesentlichen Verbesserungen des Pro-Kopf-Einkommens mehr hatten, hat es sich in China in den vergangenen 25 Jahren alle zehn Jahre verdoppelt. Dies führte dazu, dass es dort heute fast allen Leuten besser geht, auch wenn die Schere zwischen Arm und Reich erheblich auseinanderging.

Wie lange kann das noch so weitergehen? Das renommierte Stratford-Institut hat vor einer großen politischen und wirtschaftlichen Krise Chinas gewarnt: Es wachse zu schnell. Das könne nicht gut gehen.

Ich stimme dem nicht zu. Durch technologische Innovationen wie das Internet ist heute eine schnellere Industrialisierung einer rückständigen Wirtschaft möglich. Das war beim Aufstieg Amerikas im 19. Jahrhundert anders. Amerika hatte Anfang des 19. Jahrhunderts vier Millionen Einwohner und keinerlei Industrie. Es brauchte bis zum Ende des Jahrhunderts, bis es England überholt hatte. In China wird der Aufholprozess sehr viel schneller gehen. Möglicherweise braucht es nur gut die Hälfte der Zeit bis es an die Weltspitze kommt. Vor zwölf Jahren gab es zum Beispiel den Shanghaier Stadtteil Pudong noch gar nicht, heute steht dort eine moderne Stadt mit einer wesentlich besseren Infrastruktur als Manhattan.

Das alles schützt nicht vor einem Einbruch.

Nein, aber das hohe Wachstum Chinas muss einem nicht suspekt vorkommen. Es ist unter diesen Umständen normal. Das bedeutet nicht, dass es keine Rückschläge geben kann. Die werden jedoch einzelne Branchen betreffen, nicht das ganze Land, das ja noch immer ein relativ niedriges Pro-Kopf-Einkommen und damit viel Wachstumsspielraum hat. Es kann sein, dass etwa die Kühlschrankindustrie in Schwierigkeiten gerät oder die Autoindustrie oder einzelne Regionen und Städte. Aber dass das ganze Land in die Knie geht, halte ich für unwahrscheinlich. China hat einen großen Markt, die Kosten sind niedrig, und die Menschen sind ehrgeizig und arbeiten hart. Das Land wird noch viel reicher werden.

Was ist, wenn die Nachfrage aus den USA einbricht?

Sicherlich wird es dann auch einen Einbruch in China geben. Aber als der Nikkei zwischen 1989 und 2001 um 70 Prozent einbrach und die japanische Nachfrage auf dem Weltmarkt wegfiel, sind andere Börsen dennoch sehr gut weiter gestiegen.

Im Falle Chinas würden bei einem Einbruch der US-Nachfrage Hunderttausende Fabriken leer stehen und viele Millionen Menschen keine Arbeit mehr haben.

Das ist die große Frage. Erstens nimmt die Abhängigkeit Chinas von den USA derzeit eher ab als zu. Der asiatische Markt gewinnt an Einfluss, aber auch neue Märkte wie Südamerika und Afrika kommen hinzu. Zweitens muss man sehen, dass eine Rezession in Amerika, ein Schrumpfen des Konsums, die amerikanischen Unternehmen zwingt, noch mehr dort zu produzieren, wo es am billigsten ist. China wird nicht von den USA finanziert, sondern es ist genau umgekehrt. China finanziert die USA. Man könnte sagen, China finanziert den USA den Irakkrieg. Und wohin verlagern die dann wohl?

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