Interview
„Wir dürfen uns nicht vor Antworten drücken“

Er gilt als differenziert, sucht stets empirisch valide Erkenntnisse und hütet sich vor zu schnellen Aussagen: Christoph Schmidt, neuer Experte im Kreis der Wirtschaftweisen. Im Interview spricht er über das schwierige Verhältnis von Ökonomen und Politikern.

Herr Schmidt, Sie haben keine einfache Aufgabe übernommen: Nicht nur die Wirtschaft, auch die Politikberatung steckt in einer schweren Krise. Wie wollen Sie da rauskommen?

Der Sachverständigenrat hat einen gesetzlichen Auftrag: Er soll insbesondere die Entwicklung von Wirtschaftswachstum und Beschäftigung im Blick haben und wirtschaftspolitische Leitlinien entwickeln. Wie wichtig das ist, zeigt die aktuelle Krise.

Vor der auch der Rat nicht ansatzweise gewarnt hat. Und auch im Krisenmanagement der Regierung findet er kaum Gehör.

Einspruch! Der Sachverständigenrat hat sich in seinem letzten Gutachten klar für ein Konjunkturprogramm ausgesprochen und Leitlinien für ein solches Programm aufgestellt. Sicher kann man an den Maßnahmen der Regierung im Detail rummäkeln, doch die Richtung stimmt.

Geht es etwas konkreter?

Die Regierung hat den Rettungsschirm für den Finanzsektor bemerkenswert schnell aufgespannt. Außerdem hat sie einen konjunkturellen Impuls gesetzt und dabei gleichzeitig einen Schlussstrich gezogen. Es gibt natürlich „Abers“: Die Steuersenkung müsste höher ausfallen und die Abwrackprämie hätte ich nie mit eingebaut ...

... ausgerechnet die Maßnahme, die rasche Wirkung zeigt. Die Zulassungszahlen sind im Februar durch die Decke geschossen.

Der Bürger bekommt Geld in die Hand gedrückt, um etwas zu tun, was er ohne dieses Geld nie oder erst in zwei, drei Jahren getan hätte. So wird die Nachfrage, die niedriger als die Produktion ist, künstlich angeheizt. Das heißt, dass die Autos, die in zwei drei Jahren gekauft worden wären, dann nicht an den Mann gebracht werden können – und die bestehenden Überkapazitäten bestehen bleiben. Auf Dauer ist es noch schlechter, bestehende Überkapazitäten durch strukturerhaltende Maßnahmen zu bewahren, statt Anpassungen zuzulassen. Ob ein Unternehmen überlebensfähig ist, können letztlich weder Volkswirte noch Politiker entscheiden. Das kann nur der Markt alleine.

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