Investitionen stützen das Wachstum
Aufschwung trägt ins nächste Jahr

Die Anzeichen mehren sich, dass sich der Aufschwung in Deutschland im kommenden Jahr fortsetzen wird. Immer mehr Ökonomen gehen davon aus, dass die Konjunktur der Mehrwertsteuererhöhung trotzen wird. Pessimistischer äußern sich allerdings Analysten und institutionelle Anleger.

DÜSSELDORF. Die Regierung ist optimistisch: „Die Wirtschaft ist gesund“, sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. „Es wird wieder gebaut und investiert.“ Der Wirtschaftsminister zeigte sich überzeugt, dass dieses Wachstum auch zu weiterem Beschäftigungsaufbau führen werde.

Als Reaktion auf den starken Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Frühjahr hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Konjunkturprognosen für Deutschland deutlich angehoben. Nach Informationen des Handelsblatts geht der Fonds nun davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr um „fast eineinhalb Prozent“ wachsen wird. Bisher war er nur von einem Prozent ausgegangen. Für das laufende Jahr hat der IWF seine Prognose sogar von 1,3 auf „etwa zwei Prozent“ angehoben.

Die Organisation wird Mitte September ihren „World Economic Outlook“ offiziell vorlegen. Der in der Vergangenheit sehr exportlastige Aufschwung in Deutschland habe vor allem durch eine Stärkung der Binnennachfrage „an Breite gewonnen“, steht in dem Ausblick des IWF, der dem Handelsblatt in Auszügen vorliegt. Dabei schlage insbesondere das kräftige Plus bei den Investitionen zu Buche.

In der Tat lieferte der Außenhandel nur noch einen geringen Wachstumsbeitrag im zweiten Quartal. Die Impulse kamen von April bis Juni „hauptsächlich aus dem Inland“, schreiben die Bundesstatistiker. Vor allem die Investitionen in Bauten sowie in Ausrüstungen legten deutlich zu.

„Der Aufschwung ist in der Binnenkonjunktur angekommen“, schlussfolgert Michael Heise, Chefvolkswirt der Dresdner Bank/Allianz. Die Zahlen seien ein Nachweis dafür, wie robust sich die deutsche Konjunktur entwickle. Auch wenn Heise die für kommendes Jahr geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer für „überflüssig“ hält – aus der Bahn werfen werde sie die deutsche Wirtschaft nicht.

Von einem „starken Investitionszyklus“ spricht auch Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank. Um den Wirtschaftsaufschwung zu stärken, müsse sich der private Konsum aber deutlich steigern. Im zweiten Vierteljahr hatte sich der private Verbrauch schlechter entwickelt als noch zu Jahresbeginn. Diese Meldung relativierten die Bundesstatistiker allerdings selbst mit dem Hinweis, die Daten für den privaten Konsum würden für das Frühjahr vermutlich nach oben revidiert. Ausschlaggebend dafür ist die Entwicklung des Einzelhandels im Mai, die offenbar besser ausgefallen ist als für die BIP-Berechnung angenommen.

Besser als erwartet entwickelte sich auch das Ifo-Geschäftsklima. Der Index sank zwar von 105,6 auf 105,0 Punkte – liegt aber nach wie vor auf einem hohen Niveau. Ausschlaggebend für die leichte Abkühlung war eine etwas weniger optimistische Bewertung der Geschäftsaussichten für die nächsten sechs Monate. Unverändert positiv bewerten die befragten Unternehmen dagegen ihre aktuelle Geschäftslage.

„Ich sehe auf gar keinen Fall, dass der Index in den kommenden Monaten scharf abbricht“, kommentierte Ifo-Ökonom Gernot Nerb. Es sei eine „Plateaubildung“ auf einem immer noch hohen Niveau eingetreten. Das Münchener Institut rechnet für das kommende Jahr mit einem BIP-Anstieg von 1,7 Prozent – zählt damit allerdings zu den größten Optimisten.

Pessimistischer hatten sich zuletzt Analysten und institutionelle Anleger geäußert. Der am Dienstag veröffentlichte ZEW-Indikator war im August um mehr als 20 Punkte auf minus 5,6 Zähler im Vormonatsvergleich gesunken. Das sei zwar mit Blick auf die heutigen guten Zahlen erstaunlich, aber kein Widerspruch, sagte Chefvolkswirt Heise. Die Finanzmarktexperten würden schließlich gefragt, welche gesamtwirtschaftliche Situation sie in Zukunft erwarten. Und dass die Mehrheit davon ausgehe, dass die derzeit sehr gute konjunkturelle Entwicklung nicht noch gesteigert werden könne, sei bei aller Zuversicht für 2007 nachvollziehbar.

Die gute wirtschaftliche Entwicklung und die damit steigenden Steuereinnahmen haben das Staatsdefizit in Deutschland in der ersten Jahreshälfte auf 2,5 Prozent des BIP sinken lassen. Sowohl IWF als auch Ifo erwarten deswegen, dass Deutschland schon in diesem Jahr die Dreiprozentmarke des europäischen Stabilitätspakts einhalten wird.

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