Irland
Nicht die ganze Wahrheit

Nach einem langen Boom gab es einen harten Fall: Die Krise hat Irland tief getroffen und die Schwierigkeiten in dem Land sind noch nicht vorbei - auch wenn ein wachsendes Bruttoinlandsprodukt einen anderen Eindruck erwecken mag. Den wahren Zustand zeigt das Bruttonationaleinkommen.
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DÜSSELDORF. Trotz der Rückkehr zum Wachstum im dritten Quartal mögen Ökonomen noch nicht von einem Ende der Wirtschaftskrise in Irland sprechen. Auch wenn eine Belebung der Exportmärkte helfe, sei die Binnenwirtschaft einfach noch zu schwach, warnen sie. Das irische Statistikamt gab am Donnerstag bekannt, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum zweiten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen sei. Im zweiten Quartal war es noch um 0,6 Prozent geschrumpft. Im Jahresvergleich reduzierte sich der Rückgang von 7,9 auf 7,4 Prozent.

Das entspricht ziemlich genau der Prognose der Regierung, die für das Gesamtjahr ein Minus von 7,5 Prozent vorhergesagt hat. Für 2010 erwartet sie allerdings einen weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,3 Prozent.

Irland ist nach einem langen Boom seit Mitte der 90er-Jahre hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Der Boom fußte auf der Ansiedlung von Fabriken und Dienstleistungszentren vor allem US-amerikanischer Konzerne, die Irland als Sprungbrett in die EU nutzten. Er brachte Wohlstand und Vollbeschäftigung und ließ die Einkommen weit über den EU-Durchschnitt steigen. Doch er blies auch eine gewaltige Immobilienblase auf. Die ist nun geplatzt und hat die irischen Banken in den Abgrund gerissen. Die Arbeitslosenquote liegt mit 12,7 Prozent wieder auf dem Stand der frühen 90er-Jahre.

Die wahre Lage der irischen Wirtschaft zeigt sich nach Einschätzung von Ökonomen eher im Bruttonationaleinkommen. Es klammert die Gewinne der Ableger ausländischer Firmen aus, die Irlands Wirtschaft dominieren. Das Bruttonationaleinkommen schrumpfte im dritten Quartal um 1,4 Prozent und noch dazu revidierte das Statistikamt den Rückgang im zweiten Quartal von 0,5 auf 1,7 Prozent.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

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