Irland & Co: EZB sichert Problem-Banken neue Hilfen zu

Irland & Co
EZB sichert Problem-Banken neue Hilfen zu

Irische Banken sollen von der Europäischen Zentralbank einen finanziellen Rettungsring bekommen, auch wenn die EZB andernorts die Hilfsleinen für Geldinstitute längst gekappt hat.
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BerlinTrotz der erfolgreichen Entwöhnung der europäischen Banken von den Geldspritzen der EZB bleiben die Institute in Irland nun doch länger am Tropf. Um die Problem-Banken in schwierigen Zeiten über Wasser zu halten, werfen die Hüter des Euro den Geldinstituten wahrscheinlich bald eine spezielle Rettungsleine zu. Sie sollen sich längerfristig mit Zentralbankgeld versorgen können, auch wenn die EZB die Zinsen erhöht und ihre Krisenmaßnahmen ansonsten weiter zurückfährt. Hinter der Vorzugsbehandlung für die Allied Irish Banks und ihre Leidensgenossen von der Grünen Insel steckt Kalkül: Denn mit den Ergebnissen der am Donnerstag anstehenden Stresstests für die Geldhäuser droht sich der Druck auf den irischen Bankensektor zu verstärken.

Falls Finanzinstitute zum Abbau ihres Liquiditätsbedarfs Vermögenswerte aus ihren Büchern in Zeiten fallender Marktpreise abstoßen müssten, käme es zu Milliarden-Verlusten. Das möchte die EZB kurz vor der für nächste Woche erwarteten Zinserhöhung unbedingt vermeiden.

Die EZB kann mit der für Irland maßgeschneiderten Liquiditätslinie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. „Sie stabilisiert die Institute und trägt zugleich zu einer positiven Feedback-Spirale bei, so dass sich die irischen Banken hoffentlich bald auch wieder am Geldmarkt refinanzieren können“, meint Markus Beck von der LBBW. Bislang hängen die irischen Banken komplett am Tropf der EZB, da andere Geschäftsbanken ihnen wegen der in den Bilanzen schlummernden Risiken nicht mehr über den Weg trauen. Ein Viertel der von der Europäischen Zentralbank ausgereichten Kredite floss zuletzt an Geldinstitute in dem relativ kleinen EU-Staat.

Die EZB, die mit Riesenschritten auf ihre erste Zinserhöhung seit fast drei Jahren zusteuert, signalisiert den Schuldenländern in der Euro-Zone mit der Irland-Hilfe zugleich, dass sie deren Probleme weiter im Blick hält und sie nicht im Stich lässt. „Von den Zinsen hängt nicht das Wohl und Wehe der irischen Banken ab. Elementar wichtig für sie ist aber, dass sie längerfristig mit dem EZB-Geld planen können“, meint Beck. Denn im Zuge ihres schrittweisen Ausstiegs aus den krisenbedingten Notmaßnahmen hat die EZB die für ein Jahr laufende Liquiditätslinie - den sogenannten Jahrestender - längst gekappt.

Nun dürfte die von EZB-Chef Jean-Claude Trichet aus dem Menü gestrichene Hilfslinie „à la carte“ wieder auftauchen. Die zunächst nur den irischen Banken aufgetischte Liquiditätshilfe soll später auch Instituten in anderen Ländern mundgerecht serviert werden. Damit zeigt sich die EZB flexibel und pragmatisch zugleich: Sie ist im Einzelfall bereit, geldpolitisch überschaubare Umwege zu gehen, ohne die generelle Marschrichtung zu ändern: Den Kurs hat EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark bereits mit dem Schlüsselbegriff „geldpolitische Normalisierung“ klar umrissen. Im Klartext: Der rekordniedrige Leitzins von 1,0 Prozent ist bald Vergangenheit.

Die Frankfurter Währungshüter wollen mit der Hilfe für die irischen Institute auch die Zentralbank in Dublin entlasten, die bisher ein spezielles Programm für Kapitalhilfen (Emergency Liquidity Assistance - ELA) zur Verfügung stellte. Dieses rund 70 Milliarden Euro schwere Notprogramm ist eigentlich nur dazu da, Geschäftsbanken vor akuten Zahlungsproblemen zu bewahren.

Zugleich ist es äußerst intransparent - über Laufzeiten und die Höhe der geforderten Zinsen herrscht weithin Unklarheit. Wenn die EZB nun in die Bresche springt, kann sie für klare Verhältnisse sorgen. Zugleich dürfte sie die Ergebnisse der Stresstests als eine Art Gütesiegel dafür nutzen, dass sie nur auf Herz und Nieren geprüfte Geldinstitute unterstützt und nicht gutes Geld schlechtem hinterherwirft.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die sog. Euro-Rettung ist doch ohnehin nichts weiter als eine Bankenrettung.
    Esd wird Zeit, dass mal Strafanzeige gestellt wird sowohl gegen Merkel als auch gegen die EZB die den Banken laufend Geld gibt. Geld, was uns Bürgern gehört

  • Zur Erinnerung die Zinsen für die erste Rettungsaktion wurden von der irischen Regierung im Oktober 2010 ausgehandelt und vom irischen Parlament akzeptiert. Es besteht also überhaupt kein Handlungsbedarf auf Seiten der EU/ECB/IMF die Zinsen für den Kredit herabzusetzen.

    Warum bleiben eigentlich die gleichen kurrupten Banker in Irland in ihren überbezahlten Positionen bei AIB, Bank of Ireland, Anglo Irish Bank etc? Sie sind es doch die für diese Krise verantwortlich sind!

    Der europäische Steuerzahler subventioniert und belohnt somit kriminelles Verhalten in Irland in dem es die überdurchschnittlich hohe Zahl von überbezahlten Angestellten in irischen Banken und im öffentlichen Dienst weiterhin beschäftigt.

    http://www.independent.ie/business/irish/the-same-old-guard-still-run-the-banks-2596247.html

  • Warum wird denn immer von Krise geredet. Es ist ein Fehler im System! Wir Bürger haben uns ja nun schon daran gewöhnt das Aussagen/Zusagen sowieso nicht gehalten werden und alle für Dumm verkauft werden. Die sollen mal richtig auf den Putz hauen in Brüssel damit der Spuk schneller vorbei ist. Gebt doch allen Banken das Geld direkt und nicht als Hilfsmaßnahmen über die Länder, dann müssen die sich nicht solle unsinnigen Kontrsukte ausdenken um den Bürgern Märchen zu erzählen. "Dummheit schütz vor EU nicht." Brüssel ist Versaille ohne Krieg!

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