IW-Studie
Gesundheit birgt größte Wachstumschancen

Besten Zukunftsaussichten bescheinigt eine neue Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft der Medizintechnik. Dies unter anderem deshalb, weil sie bislang von einschränkenden staatlichen Regulierungen verschont geblieben sei. Ganz anders sieht es in der Pharmabranche aus.

BERLIN. Trotz immer neuer Eingriffe durch die staatliche Gesundheitspolitik belegt die pharmazeutische Industrie in einem neuen Ranking der wichtigsten Zukunftsbranchen den zweiten Platz, hinter den unternehmensnahen Dienstleistungen. Das Ranking wurde vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) erstellt. Auf dem dritten Rang von 34 untersuchten Branchen sieht das IW die Medizin-, Mess-, Steuer- und Regeltechnik. Während die Unternehmensdienste von ihrer Funktion als „Drehscheibe der Wirtschaft“ profitierten, gründe die Zukunftsfähigkeit der Pharmabranche aber auch die der Medizintechnik darauf, am „Gesundheitsboom“ zu partizipieren, begründete IW-Chef Michael Hüther das Ergebnis.

Dieser Boom werde vor allem durch zwei Faktoren angetrieben: die wegen der Alterung der Industriegesellschaften stark steigende Nachfrage nach Gesundheitsleistungen und die deutlich überdurchschnittlich hohe Innovationskraft beider Branchen. Beides macht Hüther dafür verantwortlich, dass die Pharmahersteller von 2000 bis 2005 gegen den allgemeinen Trend die Zahl ihrer Beschäftigten um 14,4 Prozent erhöhen konnten. Bei der Medizin-Technik sei die Beschäftigung zwar leicht rückläufig gewesen. Doch sei die Bruttowertschöpfung gestiegen.

Zudem bescheinigen die 70 Experten, die das IW ergänzend zu einer Analyse verschiedener Parameter wie Beschäftigung, Wertschöpfung, Investitionen, Forschungsintensität und Produktivitätsentwicklung befragte, der Medizin-, Messe-, Steuer-, und Regeltechnik die besten Zukunftsaussichten. Dies unter anderem deshalb, weil sie bislang von einschränkenden staatlichen Regulierungen verschont geblieben sei.

Ganz anders die Pharmabranche: Sie sehen die Experten in ihrem Ranking nur auf Platz sieben, vor allem wegen der staatlichen Eingriffe in die Preisbildung und der strengen Regulierung des Arzneimittelhandel z.B. durch starre Preisspannen für die verschiedenen Handelsstufen. Dass es die Branche im Gesamtranking trotzdem auf den zweiten Platz schafft, führt Hüther darauf zurück, dass es ihr bislang immer gelungen sei, sich an den jeweils aktuellen Regulierungsmix anzupassen. Die Politik solle das negative Expertenvotum trotzdem als Warnung verstehen, sagte Hüther.

Die Hauptgeschäftsführerin des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), Cornelia Yzer, die das Ranking in Auftrag gegeben hat, verwies zudem auf eine Studie mehrerer Ökonomen unter Führung des Chefs des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts, Thomas Straubhaar, derzufolge die Gesundheitswirtschaft in einem wettbewerblichen System bis 2020 rund 5,5 Millionen Menschen Arbeit geben könnte, bei einem Jahresumsatz von vier Mrd. Euro. 50 Mrd. Euro davon oder 650 000 Jobs würden verschenkt, wenn die derzeitige Regulierungspolitik fortgesetzt werde, sagte Yzer.

Dass die unternehmensnahen Dienstleistungen der Pharmabranche den Rang abgelaufen haben, hat nach der Analyse des IW auch damit zu tun, dass das deutsche Wirtschaftswachstum weiterhin maßgeblich von der Industrie angetrieben wird. Mit ihr ist die sehr heterogene Branche, die von der Informationswirtschaft, über das boomende Leasinggeschäft bis zur Unternehmensberatung und Immobilienwirtschaft reicht, eng verflochten. Sie hat damit vom Strukturwandel der vergangenen Jahre stark profitiert und ihn auch mit angetrieben. Von allen 34 untersuchten Branchen hatte sie mit einem Plus von 15,1 Prozent zwischen 2000 und 2005 den höchsten Beschäftigungszuwachs.

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