IW-Studie
„Verbraucher überschätzen Belastung durch Mehrwertsteuer“

Die Mehrwertsteuererhöhung belastet viele Konsumenten weniger als sie glauben. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) können viele Haushalte sogar profitieren.

HB BERLIN. „Die Wirkung der Steuererhöhung auf den Konsum wird überschätzt“, sagte Ralph Brügelmann vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Seine Berechnungen für das Handelsblatt haben ergeben, dass Arbeitnehmerhaushalte mit mittlerem Einkommen zum Jahreswechsel teilweise sogar etwas stärker von den sinkenden Sozialbeiträgen profitieren als sie durch die höhere Mehrwertsteuer an Kaufkraft verlieren.

Weitaus stärker belastend als die höhere Mehrwertsteuer wirkt sich nach den IW-Rechnungen der Abbau von Steuersubventionen, etwa der Pendlerpauschale, auf all jene aus, die sie bisher nutzen konnten Das IW berechnete die Auswirkungen der Änderungen bei Steuern und Abgaben auf das verfügbare Einkommen. Einbezogen wurden Daten des Statistischen Bundesamtes über das Ausgabeverhalten verschiedener Einkommensklassen.

Eine Geringverdiener-Familie mit zwei Kindern müsste danach wegen der um drei Prozentpunkte steigenden Mehrwertsteuer mit monatlichen Mehrausgaben von 19,78 Euro rechnen. Knapp die Hälfte dieser Mehrbelastung wird für sie dennoch nicht spürbar, weil die Sozialbeiträge sinken; für Arbeitnehmer und Arbeitgeber um je 0,6 Prozentpunkte vom Bruttolohn. Das ergibt sich daraus, dass der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung um 2,3 Prozentpunkte sinkt, während der Beitrag zur Rentenversicherung um 0,4 und der zur Krankenversicherung um durchschnittlich 0,7 Punkte steigen.

Mit wachsendem Gehalt verstärkt sich dieser Effekt: Ein verheirateter Arbeitnehmer mit einem Kind und einem Monatseinkommen von 4100 Euro hat trotz Mehrwertsteuererhöhung vier Euro pro Jahr mehr zur Verfügung. Die Mehrwertsteuererhöhung spüren damit Arbeitnehmerhaushalte mit geringen Einkommen stärker als solche mit mittleren Einkommen.

Viel stärker als die Steuererhöhung wirkt sich jedoch für die bisher Begünstigten die Kürzung von Steuersubventionen aus. Das IW berechnete den Fall eines Ehepaares mit zwei Kindern und einem Jahres-Bruttoeinkommen von 64.800 Euro: In dem Beispiel ist eines der Kinder ein 26-jähriger Student, für den es künftig kein Kindergeld mehr gibt. Die Familie verfügt über ein häusliches Arbeitszimmer, das nun nicht mehr abgesetzt werden kann. Der Arbeitsweg bleibt mit 18 Kilometern unter den 21 Kilometern, ab denen noch Pendlerpauschale gezahlt wird. Auch der halbierte Sparerfreibetrag trifft diese Familie. Sie wird im kommenden Jahr 2456 Euro mehr ausgeben müssen als in diesem.

„Das dürfte allerdings ein Extremfall sein“, so Brügelmann – und mit der Steuererhöhung hat dies so gut wie nichts zu tun. Denn auch für dieses Beispiel gilt: Die Mehrausgaben wegen der höheren Mehrwertsteuer und die Ersparnis bei den Sozialbeiträgen gleichen sich aus. Für eine Familie mit gleichem Einkommen, aber etwas jüngeren Kindern, kurzen Arbeitswegen, geringeren Zinseinkünften und ohne Arbeitszimmer wird sich an der Kaufkraft 2007 nichts ändern.

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