IWF-Bericht

„Europa droht eine Abwärtsspirale“

In seinem Global Financial Stability Report entwirft der Internationale Währungsfonds (IWF) ein Horrorszenario für Europas Banken. Die EU müsse schleunigst einen Fahrplan für eine Bankenunion vorlegen, so die Botschaft.
Update: 10.10.2012 - 05:11 Uhr 34 Kommentare
Ein Bericht des Internationale Währungsfonds warnt Europa vor einer neuen Kreditklemme. Quelle: dpa

Ein Bericht des Internationale Währungsfonds warnt Europa vor einer neuen Kreditklemme.

(Foto: dpa)

TokioDer Internationale Währungsfonds (IWF) fordert Europas Politiker in seinem Global Financial Stability Report auf, weitere Reformen umzusetzen. „Die Zentralbanken haben gehandelt, nun sind die Regierungen an der Reihe zu handeln“, sagte IWF-Dirktor José Vinals am Mittwochmorgen bei der Vorstellung des Berichts in Tokio.

Für den Fall, dass Europa versagt, malt der Bericht ein Horrorszenario aus: Ein Deleveraging Europäischer Banken von bis zu 4500 Milliarden Dollar und damit das Versiegen von Krediten in Europas Peripherie. Im April hatte der IWF noch einen Wert von 3800 Milliarden Dollar geschätzt.

Die gute Nachricht: Die jüngsten Entscheidungen in den USA, Europa und Japan haben in Vinals Augen der Welt hat eine Atempause für die Krisenbekämpfung verschafft. „Aber unsere Bewertung ist, dass das Vertrauen noch immer sehr fragil ist und die Risiken im Vergleich zu unserem vorigem Bericht vom April gestiegen sind“, sagte Vinals. „Meine Hauptbotschaft ist, dass weitere politische Anstrengungen notwendig sind, um dauerhafte Stabilität zu erreichen.“

Das Hauptrisiko für die Weltwirtschaft bleibt in Augen des IWF derzeit Europa. „Die Kräfte der finanziellen und ökonomischen Fragmentierung zwischen dem Kern und der Peripherie haben sich vergrößert“, sagte Vinals. Vertrauensverlust und Unsicherheit ließen die grenzüberschreitenden Kapitalströme schrumpfen. Der IWF-Bericht warnt sogar, dass die Euro-Zone nun in die Phase einer Kapitalflucht eingetreten ist.

Dadurch stiegen die Finanzierungskosten für Regierungen, Banken, Unternehmen und Bürger. Eine Abwärtsspirale droht. Vinals glaubt allerdings, dass der Prozess umgekehrt werden kann. Die Europäische Zentralbank hat gehandelt und mit ihrem Aufkaufprogramm (OMT) die ärgsten Ängste der Investoren vertrieben. „Aber die Regierungen auf nationaler und auf Euro-Ebene müssen auf diese politischen Schritte aufbauen“, fordert Vinals, „der Einsatz ist hoch.“

Europas Sorgenkinder – die Banken
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34 Kommentare zu "IWF-Bericht: „Europa droht eine Abwärtsspirale“"

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  • statesman,
    und wir setzen noch einen drauf!
    Wir wählen nächstes Jahr den Totalversager Steinbrück zum Kanzler, oder besser: wir lassen ihn von den Bilderbergern wählen (kaum ein Unterschied), weil es so wunderbar ist, wenn man uns ans Messer liefert!

    Aber Steinbrück hat im Vorfeld im Wahlkreis bestimmt eine schöne, rote Krawatte an und verteilt so lieb rote Rosen! Dass er nur Müll von sich gibt, merkt der Wählerdödel nicht!

  • Richtig.
    Das sind unsere Freunde. Wer Freunde dieser Art hat, braucht keine Feinde mehr!
    Frankreich steht wirtschaftlich mittlerweile genauso schlecht da, wie Griechenland!
    Aber wir lieben sie, diese Franzosen!

  • IWF: Deutschland muss Banken in Südeuropa retten, sonst zerbricht der Euro
    Deutsche Wirtschafts Nachrichten
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/10/10/iwf-deutschland-muss-banken-in-suedeuropa-retten-sonst-zerbricht-euro/
    Der Internationale Währungsfonds macht weiter Druck: Er will schnellstmögliche Zahlungen aus dem EFSF und ESM an die südeuropäischen Banken.
    IWF in Asien: Als „Schwarzer Schwan“ getarnt, bereit zur Übernahme
    Deutsche Wirtschafts Nachrichten
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/10/09/iwf-in-asien-als-schwarzer-schwan-getarnt-bereit-zur-uebernahme/
    Wenn der IWF Europa mit Krediten helfen will, ist Vorsicht angebracht

  • Der Herr Sinn erzählt diesmal wirklich Unsinn.
    Luxemburg hat fast 20 % der deutschen Target-Forderungen. Das ist eine große Fehleinschätzung von Herrn Sinn.
    Luxemburg hat aber ein rel. striktes Bankgeheimnis und deshalb fließt ein großer Strom der (Schwarzgeld-) Kapitalflucht nach Luxemburg (€ 113 Mrd. Target2-Forderungen Lux, € 695 Mrd. BRD, Stand Sept. 2012).
    Ich möchte in diesem Zusammenhang wissen, wieviel Schwarzgeld in den Schweiz fließt. Dieser Strom wird von der SNB in € umgetauscht und in BRD, FR, BeNeLux etc. wieder angelegt.

  • Ein sehr vernünftiger Beitrag!

    Deshalb wurde den Leuten ja weisgemacht, daß u.a. in Deutschland! Wasser knapp sei,daß die Luft knapp sei (CO2), daß Strom knapp sei, daß Stromnetze zu eng seien.

    All die Geschreie, die uns Ingenieuren als reine Idotie erschienen, finden den Grund in der gewollten externen Vermarktung lebenswichtiger Ressourcen.

    Man lese dazu bei Carl Barks über die Luftholsteuer: "Der goldene Helm" und den langnasigen Justizrat Wendig ("Ein Seufzer kostet einen Zehner und ein Gähnen deren zwo".

  • Abwärtsspirale, Horrorszenario für die Weltwirtschaft - hier werden die nächsten Schritte vorbereitet, um den vermeintlich noch zahlungsfähigen Ländern noch mehr Geld zu entlocken, um ein völlig marodes System noch ein paar Monate länger am Leben zu erhalten. Die "Banken-Union" ist eine freundliche Umschreibung für den Irrsinn, dass nach allen "Rettungs"-Maßnahmen des deutschen Steuerzahlers (Billionen-Risiken inklusive) nun auch noch unser halbwegs funktionierendes Einlagensicherungs-System dazu zu missbraucht werden soll, marode Zombie-Banken im Mitelmeerraum zu stützen. Und Frau Lagarde bildet sich ein, wir würden es (wieder mal) nicht merken - vermutlich hat sie auch noch Recht...

  • Die Bankenunion dient doch nur dazu,
    Geld aus Ländern und von Banken abzuzweigen, die noch welches haben.
    Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf.
    20 Jahre nach Zerfall der kommunistischen Systeme
    wird ein neues Umverteilungssystem in der EU und im Euroraum installiert.

    Gut, dass die EU so groß ist.
    Eine Mauer drumherum zu errichten, würde wohl zu teuer.
    Also, im Zweifel kann man immer ncoch flüchten, ohne um sein Leben fürchten zu müssen. Das ist das einzig Beruhigende an der EU.

  • Wen interessiert hier innerhalb der EU schon das Recht? Also, wenn die Großen einen
    Rechtsbruch nach dem anderen begehen (no-bail-out, etc) dann dürfen Sie getrost
    mit Worten die Dinge so bezeichnen, wie sie sind. Noch ist es nicht soweit, daß die EU-fantiker/-Verbrecher Demokratie und Meinungsfreiheit abgeschafft hätten. Noch.

  • Ich weis wirklich nicht warum die BRD immer noch so in den Himmel gelobt wird. Wir haben hier auf breiter Front mittlerweile ein Lohnniveau erreicht wie Angang der 70er. Dazu eine reale Inflation von gut unf gerne 10% jährlich. Gepaart mit einer enormen Arbeitslosigkeit von der nur eine Hand voll Punkte auf der Landkarte ausgenommen sind.

  • Die französische Hexerin des IWF glänzt schon seit Monaten mit Irrlichtermeldungen zur Untermauerung der Forderungen der Achse ROM-PARIS-MADRID zur Vollhaftung Deutschlands!

    Was für ein trübes Spiel "unserer Freunde"!

    Nichts beleibt unversucht, die Bankenunion wurde vor Kurzem aus dem Hut gezaubert, als neueste EU-Schlaumeieridee der Lateiner und Konsorten! Mit der Brechstange will mans erzwingen. Ich rufe auf zum absoluten Widerstand! Herr laß Hirn regnen!

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