IWF-Chefvolkswirt Blanchard „Deflationsgefahr ist real“

Manche glauben, Deflation könnte den Krisenstaaten helfen, um wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Doch Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), Olivier Blanchard, warnt vor langfristig sinkenden Preisen.
12 Kommentare
Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), Olivier Blanchard: „Deflation in Ländern wie Spanien oder Portugal ist ein zweischneidiges Schwert“ Quelle: dpa

Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), Olivier Blanchard: „Deflation in Ländern wie Spanien oder Portugal ist ein zweischneidiges Schwert“

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), Olivier Blanchard, warnt vor langfristig sinkenden Preisen in Europa. „Das Risiko der Deflation, insbesondere in der Euro-Zone, besteht definitiv “, sagte Blanchard in einem Interview mit dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). Das Argument von europäischen Ökonomen, dass Deflation den Krisenstaaten in Europa helfen würde, um wieder wettbewerbsfähiger zu werden, sieht Blanchard kritisch.

„Deflation in Ländern wie Spanien oder Portugal ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite würde es sicherlich die Wettbewerbsfähigkeit verbessern und dem Export helfen. Aber auf der anderen Seite würde es die Realzinsen und den Realwert der Schulden erhöhen, und damit die Binnennachfrage verringern“, sagte der 65-Jährige. Und er ergänzte: „Die Gefahr ist, dass der zweite Effekt den ersten dominiert, was zu niedrigerer Wirtschaftsleistung führt und weiterer Deflation. Allgemein werden längere Zeiten mit niedriger Inflation die notwendige Anpassung in der Eurozone erschweren.“

Außerdem forderte der Franko-Amerikaner die Notenbanken auf, grundsätzlich gegen Finanzmarktblasen anzukämpfen. „Sobald Preise zu stark von ihren langfristigen Mittelwerten abweichen, sollte interveniert werden. Besser das verlangsamen, was sich vielleicht später als ein gesunder Immobilienboom erweisen könnte, als eine Blase zuzulassen. Der Schaden, der durch das Platzen von Blasen entsteht, ist zu hoch.“ Der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan habe sich in seiner Einschätzung geirrt, nichts gegen spekulative Blasen unternehmen zu müssen.

  • doh
  • jmue
Startseite

12 Kommentare zu "IWF-Chefvolkswirt Blanchard: „Deflationsgefahr ist real“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • der IWF warnt schon länger vor Deflation und der Draghi sieht kaum Inflation, aber keine Gefahr der Deflation. was darf man den kasperl´n denn Glauben?

  • Sind Frankreich und Belgien auch Südländer? Und die ganze EU karrt ihr Fleisch nach Deutschland, weil es dort billiger und zu geringeren Stückkosten zerteilt werden kann von Leuten, die möglicherweise gleichzeitig noch Harz 4 beziehen? Ein schönes Vorbild!

  • Flassbeck ..., er will, das die Lohnstückkosten von Deutschland sich an den Südländern orientieren um die Handelsbilansschere zu schließen.
    Meine pers. Meinung ..., Schwachsinn. Damit bricht der deutsche Export und mittelfristig die Kaufkraft zusammen.

  • Weil wir gerade beim Zitieren sind, ich finde die Ansätze von Heiner Flassbeck recht interessant.
    Und was das Sparen betrifft, gespart wird immer an den Zukunftsinvestitionen, bzw. die Anderen sollen sparen, wie man es an der Rente mit 63 so schön erkennen kann...

  • Wie kommen Leute darauf das weniger neue schulden aufzunehmen "sparen" wäre ???

    zitat von Claus Vogt geolotico gestern artikel zur OECD

    "Dass Neokeynesianer immer und flächendeckend über eine zu schwache Nachfrage klagen, die sie mit staatlichen Konjunkturprogrammen beheben zu können glauben, liegt in der Natur des Keynesianismus. Ganz gleich, wie hoch der Staatsanteil an der Wirtschaft inzwischen auch sein mag, mehr ist aus Sicht der Neokeynesianer immer besser.

    Und wenn sich die Ergebnisse einzelner Konjunkturprogramme dann nicht so einstellen, wie bei ihrer Verabschiedung angekündigt wurde, dann soll es immer daran gelegen haben, dass die Programme nicht groß genug waren. Auf diese Weise immunisieren Neokeynesianer die von ihnen empfohlene Politik gegen eine kritische Prüfung."

    dem ist nichts hinzuzufügen

  • @ Raskinsko
    Kaputtsparen, richtig, das verdankt Europa d. deutschen Politik, versuchen Sie das dem deutschen Normalbuerger, dem es gut geht, nur dass das Reisen nach Griechenland zu teuer sei, zu verklikern. Wuensche Ihnen viel Erolg.

  • Was Deflation bewirkt, hat man in Japan gesehen. Und in den USA wird das Einkommen bald doppelt so hoch sein wie in Europa, während Europa sich kaputtspart.

  • @ mondahu Fragen?
    Ja zwei: 1. Warum ist Herr Blanchard im IWF? und Experten als Foristen im
    Handelsblatt?
    2. Jedes Land hat so seine "Eigenheiten" Die oekonomischen Bedingungen Portugals bzw. Spaniens koennen meines Wissens, bin allerdings keine "Fachkraft",
    nicht mit der deutschen verglichen werden, beide Wirtschaften haben aber eine (1 ) Waehrung, wie passt das zusammen? auch betr. Arbeitsmarkt usw.??


  • Mondahu, nur läuft das etwas anders. Die Länder bauen ihre Lohnblase ab. Das erfolgt normalerweise über eine Anpassung der Währung zur realen Wirtschaftskraft. Dadurch bleibt der Binnenmarkt intakt.
    Sinkende Kosten durch Sparen verringert die Kaufkraft, was wiederum auf den Umsatz der Firmen Auswirkung hat. Diese müssen dann weiter Arbeitskräfte abbauen und erhöhen dadurch die Arbeitslosigkeit mit weiter sinkender Kaufkraft. Der Staat hat weniger Einnahmen muss auch entlassen und entzieht der Wirtschaft Geld. Schuldenabbau wird problematischer. Siehe Griechenland. Das ist kein Weg.

    Es ist völlig egal, wie viel Liquide Mittel die Banken haben. Ist das Vertrauen in die Politik weg, fließt das Geld nicht in den realen Wirtschaftskreislauf. Durch fehlende Abwertungsmöglichkeit der Währung und fehlender Wirtschaftlichkeit, die durch Kaufkraftentzug auch nicht besser wird, und es fehlen Mittel für Innovationen, wandert das Geld dahin, wo Investitionen lukrativ sind.

    Wenn das so einfach funktionieren würde, wie sie beschreiben, wäre Griechenland schon aus dem Schneider.

  • Irgendein "Gespenst" muss der IWF doch zeichnen, mal Inflation, mal Deflation.
    Wenn im Euroraum und in Deutschland die Löhne und Gehälter und Renten im freien Fall sind, wäre es auch "normal" wenn die Preise sinken würden. Dies tun sie aber nicht. Mag sein, für einzelne Produkte, die eh niemand braucht. Die Energiepreise jedoch steigen, die Mieten in den Gebieten in denen es Arbeit gibt, steigen, Autos wurden ebenfalls nicht billiger, bei Schuhen und Textilien kann ich ebenfalls keinen Preisverfall ausmachen. Urlaub in Griechenland ist zu teuer.
    Wenn der Konsum zurückgeht so liegt das einerseits an den sinkenden Einkommen, derer die noch Bedarf haben.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%