IWF lobt Deutschland Das haben wir uns verdient!

Vor nicht langer Zeit galt Deutschland als Absteiger. Vom kranken Mann Europas und „deutscher Krankheit“ war die Rede. Jetzt erklärt uns der IWF zum Musterschüler. Das Lob sollten wir genießen – und als Mahnung sehen.
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Lasst uns feiern! Aber nicht zu heftig

Es ist gar nicht so lange her, da hatten internationale Investoren für Deutschland fast nur Spott übrig. Sie sprachen von der „German Disease“, der deutschen Krankheit. Ihre Symptome waren: Arbeitslosigkeit, hohe Lohnnebenkosten, Staatsverschuldung und mangelnde Reformbereitschaft. Anfang des Jahrtausends galt Deutschland als übergewichtiger Koloss, der beim Wachstum nicht mehr mit den vitalen südeuropäischen Volkswirtschaften mithalten konnte.

Die Kritik ist inzwischen verstummt. Ausgerechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) adelt Deutschland nun als wirtschaftlichen Musterschüler. In seinem aktuellen Ausblick findet er fast nur lobende Worte. Er spricht von vorteilhaften finanziellen Bedingungen, einem stabilen Arbeitsmarkt und steigender Binnennachfrage. Und zählt Deutschland neben den USA und Großbritannien zu den Ländern, bei denen er „Aufwärtsrisiken“ sieht. Gemeint ist: Die deutsche Wirtschaft könnte noch stärker wachsen als bislang angenommen.

Zunächst einmal sollten wir kurz innehalten und das Lob genießen. Dann ist es Zeit, ein bisschen genauer hinzuschauen. Das dicke Lob zeigt zum einen den Herdentrieb der wirtschaftspolitischen Debatte. Zum anderen sind auch im Loblied des IWF ein paar kritische Untertöne versteckt. Die sollten wir ernst nehmen, damit Deutschland nicht in fünf oder zehn Jahren gleich wieder zum kranken Mann erklärt wird.

Als Gerhard Schröder am 14. März 2003 in einer Regierungserklärung die Agenda 2010 verkündete, reagierten viele Ökonomen enttäuscht. Ihr Tenor war: Die Richtung stimmt zwar, aber die Agenda kann allenfalls ein erster Schritt sein. Ökonomen wie der Chef des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, forderten eine Reform des Flächentarifvertrags. Andere eine Beschneidung der betrieblichen Mitbestimmung. Rückblickend lässt sich aber sagen: Nie war der Reformwille in Deutschland größer als in dieser Zeit.

Die Reformen hatten vor allem ein Ziel: Sie sollten die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands verbessern. Das ist eindrucksvoll gelungen. Nirgendwo in Europa sind die Lohnstückkosten in der Post-Agenda-Phase so wenig gestiegen wie in Deutschland. Doch wirtschaftliche Reformen haben oft ein Problem: Sie brauchen Zeit, bis sie wirken. Diese zeitliche Verzögerung führt leicht zu Fehlurteilen.

Nachdenkliche Töne nicht vergessen
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4 Kommentare zu "IWF lobt Deutschland: Das haben wir uns verdient!"

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  • alles erkauft auf dem rücken der schwächsten glieder der erwerbskette..... die auch nun die kosten der Energie wende härter treffen als die, die sich sowas aus dem kopf drücken und mit dem SUV zum Bio laden düsen

  • Sie sind wirklich so, wie Ihr letztes Wort beschreibt!

  • Peinlich. Deutschland verschenkt seine Waren in der Eurozone über Target2 und feiert einfältig die Schuldensozialisierung. Da muss man schon extrem dämlich sein - eben deutsch!

  • In Deutschland läuft alles perfekt, danke IWF !

    Hoffentlich steigt der Spritpreis mal wieder. Dann kann ich endlich die 700 PS meines Aventador V12 auch voll ausfahren. 378.000 € vom TG-Konto investiert und dann auf der Autobahn neben der Unterschicht mit seinen primitiven Schrottkisten im Stau zu stehen ist schon ziemlich frustrierend.

    Zumindest die linke Spur sollte Leistungsträgern mit mind. 6-stelligen Beträgen im Jahr ans FA vorbehalten bleiben, oder aber über eine Vignette (für z.B. 1.000 € im Monat) exklusiv nutzbar gemacht werden.

    Freie Fahrt für freie Bürger und ohne störende Lohnsklaven. So einfach ist das. Over and out !

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