IWF-Prognose
Der Aufschwung ist da – doch für wie lange?

Der konjunkturelle Aufschwung hat zwar eingesetzt, doch die bange Frage ist, wie lange er anhalten wird. Die ökonomische Erholung könne schon bald wieder zu einem Ende kommen, warnte der Internationale Währungsfonds (IWF) am Donnerstag bei der Vorlage des Weltwirtschaftsausblicks (WEO).

ISTANBUL. "Die Politik der staatlichen Konjunkturmaßnahmen und der großen Haushaltsdefizite kann nicht endlos weitergehen", sagte Chefökonom Olivier Blanchard kurz vor Beginn des Jahrestreffens des Fonds in Istanbul. Der private Konsum und die Investitionen der Unternehmen müssten deshalb unbedingt gestärkt werden.

Allerdings sieht auch der Währungsfonds das Problem einer Überforderung der Staaten. Laut Prognose des IWF wird die Verschuldung der entwickelten Ländern 2014 auf 110 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. "Gleichzeitig aber müssen die Haushälter mit dem Problem alternder Bevölkerungen und steigender Gesundheitskosten umgehen", warnt der Fonds. Die Herausforderung bestehe darin, von den staatlichen Konjunkturspritzen umzuschalten auf den privaten Verbrauch als Motor des Aufschwungs.

Das Problem dabei: Selbst in Ländern mit einer traditionell niedrigen Sparquote wie den USA habe sich durch die Erfahrungen der Krise das Verhalten der Menschen umgekehrt. Dadurch fließe weniger Geld in den Verbrauch. "Das verheißt nichts Gutes für die Investitionen", sagte Blanchard. Umso mehr seien diese Länder deshalb auf die ausländische Nachfrage und damit Erfolge beim Export angewiesen.

Die Kunst besteht nach Ansicht des IWF nun darin, den richtigen Moment für den Ausstieg aus den Konjunkturprogrammen zu finden. Findet der "Exit" zu früh statt, könnte das die Erholung massiv stören. Wartet man indes zu lange, dann kann das vor allem in den schnell wachsenden Volkswirtschaften zu erneutem Überschießen und zu Blasen führen, heißt es in dem Bericht. Dominique Strauss-Kahn, der Managing Director des IWF, hatte in mehreren Interviews zur Besonnenheit gemahnt. Es sei zwar richtig, über Ausstiegsstrategien zu beraten, doch noch viel zu früh, um diese bereits umzusetzen, sagte er.

In seinem Ausblick auf das laufende und nächste Jahr kommt der IWF zunächst jedoch zu einer positiven Einschätzung. So wird weltweit die Industrieproduktion dieses Jahr nur um 1,1 Prozent schrumpfen gegenüber noch im Juli vorhergesagten 1,4 Prozent. Mit 3,1 Prozent weltweitem Wachstum wurde zudem die Prognose für 2010 um 0,6 Prozent nach oben korrigiert. Die USA erleben dieses Jahr einen Rückgang ihrer Wirtschaft von 3,4 Prozent, können nächstes Jahr indes mit einem Wachstum von 1,3 Prozent rechnen. Die Zahlen für Deutschland lauten minus 5,3 Prozent für 2009 und plus 0,3 Prozent für 2010. Die wahren Träger des Wachstums im nächsten Jahr sind jedoch erneut die Schwellenländer. Diese werden nach Ansicht des IWF 2010 um 5,1 Prozent wachsen. Ganz vorne dabei: China (9 Prozent), Indien (6,4), aber auch Brasilien mit 3,5 Prozent.

Seite 1:

Der Aufschwung ist da – doch für wie lange?

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%