IWF-Rüffel
Deutschland muss mehr in Infrastruktur investieren

Deutschland bleibt Stabilitätsanker, sagt der IWF. Die Experten mahnen Europas größte Volkswirtschaft aber zu weit mehr Geld fürs marode Verkehrsnetz. Auch die Lebensversicherer sollten stabilisiert werden.
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BerlinDer Internationale Währungsfonds (IWF) hat Deutschland zu deutlich mehr Investitionen in die Infrastruktur aufgefordert. Dies würde zusammen mit mehr Wettbewerb im Dienstleistungssektor sowie klaren Vorgaben bei der Energiewende das Wirtschaftswachstum weiter ankurbeln und den Rest der Euro-Zone unterstützen, heißt es in der am Montag vorgelegten abschließenden Erklärung des IWF zu den sogenannten Artikel-IV-Konsultationen mit Deutschland. Mit Blick auf den allgemeinen Mindestlohn mahnt der IWF, bei Erhöhungen der Lohnuntergrenzen mögliche negative Beschäftigungsauswirkungen in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit zu berücksichtigen. Der Fonds spricht sich zudem für weitere Maßnahmen zur Stabilisierung der Lebensversicherer aus. Insgesamt bescheinigt der IWF Deutschland, ein Stabilitätsanker zu bleiben.

Mehr öffentliche Investitionen vor allem in den Verkehrssektor sind aus Sicht des IWF machbar. Die von der Koalition geplanten Mehrausgaben seien zwar zu begrüßen. Sie seien angesichts des geschätzten Bedarfs aber zu gering. Der IWF spricht sich für jährlich rund 14 Milliarden Euro aus: „Weitere Investitionen bis zu jährlich 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung über vier Jahre könnten finanziert werden, ohne gegen Haushaltsregeln zu verstoßen.“ So ein Programm würde zu einem anhaltenden Wachstum führen und die Konjunktur im Rest der Euro-Zone stimulieren. Union und SPD wollen bisher fünf Milliarden Euro zusätzlich aus dem Bundeshaushalt investieren im gesamten Zeitraum bis Ende 2017.

Der IWF fordert von der Politik zugleich weitere Maßnahmen, um die unter der anhaltenden Niedrigzinsphase leidenden Lebensversicherer zu stabilisieren. Bisherige Vorgaben für höhere Reserven könnten sich als unzureichend erweisen. Ein Weg wäre eine faire Regelung zur Ausschüttung der stillen Bewertungsreserven - im Interesse der Mehrheit der Versicherten. Dies wird allerdings bereits diskutiert.

„Die deutsche Wirtschaftserholung dürfte weiter an Dynamik gewinnen und dabei den Rest der Euro-Zone übertreffen“, heißt es weiter. Die Haushaltskonsolidierung sei im Großen und Ganzen erreicht, was das Vertrauen stütze. Der private Verbrauch profitiere vom soliden Lohn-und Beschäftigungsplus. Zwar werde die Inlandsnachfrage das Wachstum stärker als in der Vergangenheit stützen. Der Rückgang beim Leistungsbilanzüberschuss werde aber voraussichtlich gering sein, ergänzt der IWF, der mehrfach die hohen Überschüsse aufgrund starker Exporte bei zugleich geringeren Importe kritisiert hatte.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " IWF-Rüffel: Deutschland muss mehr in Infrastruktur investieren"

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  • Auch ich rechne meine persönliche Inflationsrate gerne mal aus. Recht genau geht das über meine betrieblichen Kosten, da ich ja Buchhaltung betreibe. Ihre 7% dürften passen. Ich komme so auf 6%. Interessanterweise korrelliert die Kostensteigerung meiner PKV ziemlich genau mit meiner persönlichen Inflationsrate. Naja, meine PKV steigt p. a. im Schnitt um 7% ;-)
    Das Problem der Euro-Freaks ist jedoch, dass zumindest in einigen südeuropäischen Ländern inzwischen tatsächlich Deflation herrscht. Aktuell arbeite ich in Frankreich (immer noch Inflation) auch mit Italienern und Spaniern zusammen. Besonders krass sind in Spanien Preise für Dienstleistungen gefallen. Besonders unschön: Auch die Löhne sinken dort. Der Euro ist halt für diese Länder definitiv eine zu starke Währung. Für uns ist die Währung zu schwach. Konzerne jubeln darüber natürlich, weil sich bald jeder Chinese einen Porsche leisten kann, wenn es so weiter geht. Für das Deutsche Volk ist diese Entwicklung jedoch nicht vorteilhaft.

  • IWF-Rüffel Deutschland muss mehr in Infrastruktur investieren
    Von welchem Deutschland wird hier gesprochen?
    Bekommt die BRD das Geld für die Instandsetzung der Infrastruktur vom IWF?
    oder gar von der EU?
    Oder meldet sich der IWF im Auftrag der USA?
    Ich hoffe nur die in Berlin spuren sofort, und bringen alles wieder in Ordnung, bevor der IWF mit Hilfstruppen wider seine alten Standorte bezieht.

    Niemand braucht dieses Machtinstrument der USA über die Völker der Welt.

  • " Die persönliche Inflationsrate der meisten Bürger dürfte deutlich über der offiziellen in Deutschland liegen. "
    ---
    Ich hab's nachgerechnet (dazu langt ein Taschenrechner): Es sind ungefähr 7% per anno für den Kram, den man wirklich tagtäglich braucht. Die offiziellen, geschönten Zahlen, mit denen man uns den Euro als Hartwährung verlaufen will, sind ein schlechter Witz resp. erstunken und erlogen. Politiker sind nun einmal weitgehend geborene Lügner und Betrüger, da beißt die Maus keinen Faden ab.
    Wie war das 1999 mit dem CDU-Wahlplakat "Was kostet uns der Euro?"

    http://www.theintelligence.de/index.php/politik/deutschland/4804-euro-da-gab-es-doch-einmal-eine-eindeutige-erklaerung.html

    Hätte man die Deutschen seinerseits gefragt, wäre der Euro hier NIEMALS eingeführt worden. So wurde er uns nach Diktatorenmanier à la Bananenrepublik übergestülpt, um französischen Interessen zu dienen.

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/09/helmut-kohl-im-fall-des-euro-war-ich-ein-diktator/

    Liebe Redaktion, die Links ist weder "persönlich" noch "unsachlich" noch "Werbung", sondern Literaturverweise. Also nicht wieder gleich übereifrig löschen wie schon so oft! Danke!

    So oder so, eine Währung, die ständig gerettet werden muß, bei der der deutsche Bürger um sein Vermögen fürchten muß, ist keine, sondern nur bedrucktes, buntes Papier, das jederzeit per Ordre Draghi an Wert verlieren kann.
    Hinter der DM stand die geballte Wirtschaftskraft eines starken Industrielandes, dessen Waren weltwelt wegen ihrer Qualität nachgefragt wurden.
    Was steht hinter dem Euro? Länder wie Griechenland, Zypern, Malta, Portugal usw., also wirtschaftliche, unbedeutende Zwerge. Sollten die Deutschen vernünftig werden und dieses Konstrukt verlassen (resp. einen Nordeuro initiieren), wird der Euro binnen kürzester Zeit zur wertlosen Drachme oder Lira.
    Meine Meinung!

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