IWF-Weltwirtschaftsausblick
IWF: „Deutschland brummt“

Die Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft haben sich nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds nochmals aufgehellt. Die Euro-Zone steuert nach IWF-Einschätzung sogar das höchste Wachstum seit sechs Jahren an.

HB BERLIN/SINGAPUR. Im Vorfeld seiner Herbst-Konferenz in Singapur sagte der Fonds am Donnerstag in seinem Weltwirtschafts-Ausblick eine globale Wachstumsrate von 5,1 Prozent in diesem und 4,9 Prozent im nächsten Jahr voraus. Das ist für beide Jahre jeweils rund ein Viertel Prozentpunkt mehr als in der IWF-Frühjahresprognose. In der Euro-Zone dürfte 2006 mit 2,4 Prozent das höchste Wachstum seit sechs Jahren erreicht werden, wobei sich die Rate 2007 auf zwei Prozent mäßigen sollte.

Beeindruckt von der Konjunkturentwicklung in Deutschland hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognose für die Bundesrepublik am Donnerstag gerade erst in einem Länderbericht kräftig angehoben. Zwei Prozent Zuwachs erwartet die Organisation für dieses Jahr, 0,7 Prozentpunkte mehr als noch im Frühjahr. Damit hat Deutschland unter den Industrieländern die Frühjahrserwartungen am weitesten übertroffen.

Für das nächste Jahr erwartet der IWf 1,3 Prozent Wachstum in Deutschland. „In Deutschland brummt es“, sagte Chefökonom Raghuram Rajan bei Vorlage des Weltwirtschaftsausblicks in Singapur. Dort findet die Jahrestagung von IWF und Weltbank mit 24 000 Teilnehmern statt. Für die Zukunft seien aber weitere Strukturreformen nötig, um das Wachstumspotenzial zu erhöhen. „Sorgt dafür, dass Hartz IV besser funktioniert, damit die Menschen mehr Anreize haben zu arbeiten“, riet Rajan. „Reduziert die Unternehmenssteuern.“

In der weltgrößten Volkswirtschaft, den USA, werde sich das Tempo von 3,4 Prozent in diesem Jahr 2007 etwas auf 2,9 Prozent verlangsamen. Wachstumsspitzenreiter unter den wichtigen Ländern werde China mit Wachstumsraten von jeweils zehn Prozent in diesem und dem nächsten Jahr bleiben.

Allerdings sieht der IWF für diese günstigen Perspektiven eine Reihe gravierender Risiken. An erster Stelle nennt er steigende Inflationsgefahren. Die kräftige Belebung könne einen noch stärkeren Leitzinsanstieg in den wichtigen Regionen der Welt nach sich ziehen als ohnehin schon erwartet. Auch der Ölpreis, der zuletzt deutlich gesunken war, könnte einen erneuten Höhenflug starten. Hinzu komme die Gefahr, dass der US-Immobilienmarkt einbreche und der US-Wirtschaft einen Schlag versetzt.

Sorge bereiteten dem Fonds darüber hinaus weiterhin die teils noch zunehmenden weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte. Abrupte Korrekturen und Anpassungen könnten zu Marktverwerfungen und hohen Kosten für die Weltwirtschaft führen. Um die globalen Ungleichgewichte wie das US-Handelsdefizit ihn geordneter Form zurückzuführen, bedürfe es abgestimmter und gemeinsamer Anstrengungen. Das gelte gerade auch in Hinblick auf die Wechselkurse, wobei der Fonds in wichtigen asiatischen Ländern wie China erneut eine Flexibilisierung anmahnt.

Die Zentralbanken werden in ihrer Zinspolitik nach Ansicht des IWF sensibel abzuwägen haben zwischen den Inflationsrisiken und den Folgen von Zinsanhebungen für das Wachstum. Besonders schwierig dürfte die Situation für die US-Notenbank angesichts einer zunehmenden Inflation bei abnehmender Wachstumsdynamik werden. Um die Inflation im Griff zu behalten, dürfte in den USA noch eine weitere Straffung der Geldpolitik nötig werden. In der Euro-Zone seien wahrscheinlich weitere Zinsanhebungen der Europäischen Zentralbank nötig, wenn sich das Wachstum wie erwartet entwickle. Noch sei der Inflationsdruck jedoch begrenzt.

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