IWH erhöht Prognose für 2011
Deutschland startet durch

Wer bietet mehr: Das IWH sagt der Wirtschaft ein Wachstum von 3,6 Prozent für dieses Jahr voraus. Die guten Zahlen vom Arbeitsmarkt tragen zur Stimmung bei, der Dax feiert. Doch ein Restrisiko bleibt.
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FrankfurtIm vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um 3,6 Prozent gewachsen, die tiefe Delle des Krisenjahrs 2009 ist längst ausgeglichen. Und im laufenden Jahr könnte Deutschlands Volkswirtschaft noch einmal um 3,6 Prozent wachsen, prognostizierte jetzt das Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Das wäre das stärkste Wirtschaftswachstum seit der Wiedervereinigung. Zum zweiten Mal in Folge.

Bislang waren die Konjunkturexperten in Halle von 3,0 Prozent ausgegangen. Auch das Gemeinschaftsgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute im März hatte diese Zahl - was bereits als zaghaft eingestuft worden war. Inzwischen, so das IWH, erlaube der sehr gute Start in das neue Jahr mit besonders starken Impulsen aus der Binnennachfrage eine großzügige Heraufsetzung der Prognose: "Die Impulse kommen dieses Jahr vor allem von den privaten Investitionen und vom privaten Konsum."

Eine weitere Unterstützung kommt vom Arbeitsmarkt. Die starke Konjunktur trug dazu bei, die Arbeitslosigkeit im April deutlich unter drei Millionen Personen zu drücken. Mit dem deutlichen Anstieg der Beschäftigung bekommt aber auch die Wirtschaft neue Impulse. Mit 2,960 Millionen Menschen waren im Mai 118.000 weniger offiziell auf Arbeitssuche als im April, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit. Das ist der niedrigste Mai-Wert sei 1992. Die Arbeitslosenquote ging um 0,3 Prozentpunkte auf 7,0 Prozent zurück. Die steigende Beschäftigung wird den inländischen Konsum weiter stützen und dem Aufschwung damit eine breitere Basis verschaffen.

Tatsächlich ist nach dem sehr großen BIP-Plus von 1,5 Prozent im ersten Quartal nicht mehr allzu viel notwendig, um ein Wachstum von dreieinhalb Prozent im Gesamtjahr zu erreichen. Tatsächlich unterstellen die Haller bei ihrer Prognose eine Wachstumsabschwächung auf 0,8 Prozent im zweiten und 0,4 Prozent im dritten Quartal. Die Frühindikatoren deuteten auf eine langsamere konjunkturelle Gangart auf hohem Niveau hin. So äußerten sich die Unternehmen zuletzt nicht mehr ganz so optimistisch.

Bei den privaten Haushalten ist die Stimmung ebenfalls etwas trüber. Dabei spielt auch die wieder stärker anziehende Inflation eine Rolle: Im Mai lag die Teuerungsrate in der Euro-Zone zwar mit 2,7 Prozent etwas niedriger als noch im Vormonat, befindet sich aber immer noch deutlich über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB). Für Sommer rechnen Experten daher mit einer weiteren Zinserhöhung auf dann 1,5 Prozent.

Aber für Deutschland sind die Zinsen nach Einschätzung der IWH-Experten sehr niedrig. Auch die Lage an den Finanzmärkten sei günstig. "Das Risiko, dass der weltweite Aufschwung durch immer höhere Rohstoffpreise abgewürgt wird, ist nach den Preiseinbrüchen Anfang Mai etwas gesunken."

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  • Die Auftragsbücher der Unternehmen sind voll, der Auftragseingang nach wie vor prächtig. Neben der Arbeitslosigkeit sind auch die Rohstoffpreise gesunken (und mit ihnen auch die Preise an den Tankstellen), die Preise für Obst und Gemüse kurzfristig in den Keller gerauscht, was die Inflation deutlich dämpft. Auf die Stimmung drückt allenfalls die durch die Medien gemachte Panik zu diversen bekannten Themen, weshalb die Menschen bei allen Umfragen "Sorge vor der Zukunft" äußern, ohne davon in irgendeiner Weise selbst betroffen zu sein. Ergo: das Wachstum wird dieses Jahr eher bei knapp 4 Prozent liegen! Ohne Medienpanik läge es allerdings bei 4,5 Prozent.

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