Janet Yellen beruhigt Finanzmärkte: Wenig Chancen für schnelle Zinsanhebungen

Janet Yellen beruhigt Finanzmärkte
Wenig Chancen für schnelle Zinsanhebungen

Fed-Chefin Janet Yellen hat in ihrer Rede vor dem Economic Club in New York betont, bei der Entscheidung über weitere Zinserhöhungen vorsichtig vorzugehen. Die moderaten Äußerungen gaben den Märkten Auftrieb.

San FranciscoEine neue Rede, eine neue Entschuldigung: Fed-Chefin Janet Yellen sieht zwar Inflation am Horizont heraufziehen und glaubt auch an weitere Zinserhöhungen. Aber die werden erst spät irgendwann und sehr langsam kommen, erklärte die mächtigste Frau der Weltfinanzmärkte am Dienstag in New York.

Angesichts der Risiken für die Weltwirtschaft werde die US-Notenbank mit großer Vorsicht agieren, so Yellen vor dem Economic Club in New York laut vorab verbreitetem Redemanuskript. In gewisser Weise seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sogar nicht mehr so vielversprechend wie im Dezember. Damals hatte die Notenbank in einem Babyschritt die Leitzinsen nach sieben Jahren erstmals um ein Viertelprozent angehoben.

Doch alle danach erwarteten Zinsschritte blieben aus. Denn immer wieder fielen, so wie auch jetzt wieder als Grund angeführt, die Wirtschaftsindikatoren „gemischt“ aus. Die New Yorker Finanzmärkte hatten die zögerliche Haltung Yellens bereits richtig vorausgeahnt.

Die Aktienindizes drehten leicht ins Plus und die Renditen für Staatsanleihen sanken. Das Open-Markt-Gremium der Fed hatte bereits Anfang des Monats auf die Probleme der Weltwirtschaft verwiesen und eine Inflationsrate, die „kurzfristig niedrig bleiben“ werde. Allerdings hatten Fed-Mitglieder zwischenzeitlich auch immer wieder Zinserhöhungen für April ins Gespräch gebracht.

Dem schob die „Taube“ Yellen nun praktisch einen Riegel vor. Indirekt gab sie auch einen Hinweis darauf, in welcher Zwickmühle sich die Fed befindet. Wachse die Wirtschaft stärker als erwartet, worauf im Moment aber nichts hindeutet, könnte sie die Zinsen stärker anheben. Sollte es Probleme geben, könne die Fed hingegen nur noch „in geringem Maße“ zusätzliche Stimulierung anbieten. Fehler in der Zinspolitik könnten demnach eine Situation heraufbeschwören, in der die Fed kaum noch handlungsfähig wäre.

Der Ausblick auf die Inflationsentwicklung ist seit Jahresende ebenfalls unsicherer geworden, was zum Teil auf Risiken für die Entwicklung der Weltwirtschaft zurückzuführen ist. Turbulenzen an den Finanzmärkten signalisieren die höhere Wahrscheinlichkeit für ein Abschwächen des Wachstums der Weltwirtschaft. Ölpreise könnten wieder fallen und der Dollar wieder stärker werden.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%