Japans Notenbank
Abschied von der Nulldiät

Japans Notenbank wird voraussichtlich auf der am Donnerstag beginnenden zweitägigen Sitzung ihre gut fünfjährige Nullzinspolitik beenden und den Leitzins um 25 Basispunkte anheben. Auf für die globalen Finazmärkte bedeutet der Schritt eine tiefe Zäsur.

TOKIO / FRANKFURT. Toshihiko Fukui wird geldpolitische Geschichte schreiben. Der Gouverneur der japanischen Notenbank (BoJ) dürfte am Freitag – darin sind sich fast alle Finanzmarktexperten einig – die seit über fünf Jahren andauernde Nullzinspolitik in Japan beenden. Es ist ein weiterer Schritt in Richtung geldpolitische Normalität in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft, die sich seit 1999 im ökonomischen Ausnahmezustand befindet.

Der Zinsschritt auf dann 0,25 Prozent könnte Konsequenzen haben, die weit über Japan hinausgehen, stellt er doch die globalen Finanzmärkte auf die Probe. Immerhin ist Japan derzeit die günstigste Quelle für Liquidität. Sollte diese Quelle für zinsloses Geld langsam versiegen, dürfte dies all jene Märkte belasten, in die das billige Geld bislang geflossen ist. So wurden die Aktien- und Wechselkurseinbrüche vor wenigen Wochen von Hochzinsmärkten wie der Türkei und Island von vielen Fachleuten auf die Ankündigungen aus Japan zurückgeführt, dass mit der Nullzinspolitik bald Schluss sei. „Die reichliche Liquidität, die die Bank von Japan bislang bereit gestellt hat, wurde auch genutzt, um ausländische Wertpapiere zu kaufen, zum Beispiel US-Staatsanleihen“, erläutert David Brown, Europa-Chefvolkswirt der Investmentbank Bear Stearns. „Wenn der Geldhahn zugedreht wird, kommt auf solche Märkte ein Nachfrageausfall zu.“

Jahrelang waren der japanischen Notenbank wegen der Deflation im Land die Hände gebunden. Gleichzeitig konnten Investoren, die sich in Yen verschuldeten, darauf vertrauen, dass die Notenbank sich einer starken Yen-Aufwertung durch Dollar-Käufe widersetzen würde. Mit der ersten Zinserhöhung – die allein noch nicht sehr groß und bedeutsam sein mag – geht die relative Sicherheit verloren, dass die Zinsen und der Wechselkurs auch künftig niedrig bleiben werden. Wer künftig in Japan Kredite aufnimmt, trägt jetzt ein höheres Risiko.

Die Spekulationsblase am japanischen Aktien- und Immobilienmarkt war Anfang der 90er-Jahre geplatzt und machte mit Zeitverzögerung einem Jahrzehnt der Restrukturierung, Bankenkrise und Deflation Platz. 1999 war die Bank von Japan nach stetiger Leitzinssenkung seit 1990 mit ihrem Leitzins bei null angelangt. Statt über den Zins steuerte die Notenbank die Volkswirtschaft schließlich seit 2001 nur noch über die Geldmenge und pumpte Liquidität in den Markt. Der Tagesgeldsatz blieb bei marginal über 0 Prozent, der Diskontsatz bei 0,1 Prozent.

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