Japans Premier forderte einen "New Deal"
Kan sieht Wiederaufbau als Konjunkturprogramm

Die japanische Regierung zeichnet sich kurz nach der Katastrophe durch unerschütterlichen Konjunkturoptimismus aus. Auch wenn die Wirtschaft derzeit lahm liegt, es gibt einen Wiederaufbauplan - ohne Steuererhöhungen.
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DüsseldorfDie Regierung in Tokio will den Neustart nach der Katastrophe ohne Steuererhöhungen stemmen - und versteht die Krise als Chance. Das sagte Premier Naoto Kan. Er erwarte, dass Japan nun einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben werde wie die Vereinigten Staaten unter dem „New Deal“ von Präsident Franklin Delano Roosevelt in den dreißiger Jahren.

Das Erdbeben werde schon bald durch den Wiederaufbau in den betroffenen Regionen große Nachfrage schaffen. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, forderte der Premier die Bevölkerung auf, die Wirtschaftslage weniger pessimistisch zu sehen.

Kans Prognose ist nach Einschätzung von Volkswirten nicht aus der Luft gegriffen. Sie verweisen auf den so genannten „Kobe-Effekt“. 1995 hatte ein Erdbeben in der japanischen Stadt Kobe große Schäden angerichtet, der Ökonomie kurzfristig einen Dämpfer versetzt, dann aber mit der zusätzlichen Wiederaufbau-Nachfrage die Wirtschaft angekurbelt.

Das japanische Nomura Research Institute vermutet, dass die Milliardenschäden der aktuellen Katastrophe kurzfristig massive Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben können. Aber auch die Nomura-Experten gehen davon aus, dass die Regierung mit einem umfangreichen Wiederaufbauprogramm dies mittelfristig mehr als kompensieren kann.

Auch sie argumentieren mit Kobe. 1995 waren die Industrieproduktion und das Verbrauchervertrauen nach der Katastrophe drastisch eingebrochen. Doch bereits in den folgenden Monaten stieg die Industrieproduktion wieder deutlich an. Besonders auffällig: Das Bruttoinlandsprodukt von Japan, das im vierten Quartal 1994 noch um 0,7 Prozent gesunken war, stieg im ersten Quartal 1995, gestützt von den Regierungsprogrammen um 0,8 Prozent zum Vorquartal. Diese Tendenz setze sich in abgeschwächter Form im zweiten und dritten Quartal 1995 fort.

„Letztlich waren alle anfänglichen Schätzungen viel zu pessimistisch“, schreiben die Nomura-Experten in ihrem Report. Auch im aktuellen Fall gehen sie davon aus, dass die staatlichen Wiederaufbauprogramme einen ähnlichen Effekt haben werden.

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