Jean-Claude Trichet beklagt niedriges Verbrauchervertrauen
EZB sorgt sich um Aufschwung

Die Europäische Zentralbank (EZB) überprüft ihr Szenario eines fortgesetzten moderaten Aufschwungs in der Euro-Zone. „Sollten sich unsere Erwartungen eines stärkeren Konsums der privaten Haushalte und der gesamten Inlandsnachfrage nicht erfüllen, würden wir unsere Einschätzung dementsprechend ausarbeiten“, sagte der Präsident der EZB, Jean-Claude Trichet, im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Zurzeit analysieren wir die wirtschaftlichen Daten.“

FRANKFURT. Trichet wich einer direkten Frage nach einer Zinssenkung aus. „Wir sind wachsam und aufmerksam“, sagte er. In der Vergangenheit waren „wachsam“ und „aufmerksam“ im Sprachgebrauch der EZB jedoch Schlüsselwörter, mit denen oft bevorstehende Zinsänderungen angekündigt wurden.

Der EZB-Leitzins liegt derzeit bei zwei Prozent. Vor dem Hintergrund der überwiegend als enttäuschend eingeschätzten Wirtschaftsindikatoren der letzten Wochen rechnen Marktteilnehmer damit, die EZB könnte erneut ihren Leitzins senken. Noch Anfang März hatte der EZB-Rat sein Szenario bekräftigt, dass mit einer allmählichen konjunkturellen Erholung im Euro-Raum zu rechnen sei, und deshalb den Leitzins unverändert gelassen. „Wir werden nach der nächsten Sitzung eine neue Analyse präsentieren“, sagte Trichet nun. Die nächste Sitzung des EZB-Rats findet am 1. April statt.

Der Geldmarkt hat eine Zinssenkung um einen viertel Prozentpunkt bis Juni bereits in den Terminkursen vorweggenommen. Manche Beobachter rechnen mit einem solchen Schritt schon wesentlich früher. Falls er auf der nächsten Sitzung nicht schon die Zinsen senke, werde der EZB-Rat zumindest sehr ernsthaft darüber diskutieren, analysiert Julian Callow, Europa-Chefvolkswirt der Investmentbank Barclays Capital.

Der 61-jährige Trichet steht seit November vergangenen Jahres als Nachfolger des Niederländers Wim Duisenberg an der Spitze der EZB. Er war zuvor lange Jahre Gouverneur der Banque de France und führte die französische Zentralbank in die Unabhängigkeit. Im Handelsblatt-Gespräch machte er deutlich, dass sich der EZB-Rat weder in die eine noch in die andere Richtung von Ratschlägen aus der Politik beeinflussen lassen werde. Bundeskanzler Gerhard Schröder und andere europäische Politiker hatten der EZB in den letzten Wochen eine Leitzinssenkung nahe gelegt. „Jeder weiß und kann es sehen, dass wir nicht etwas tun, weil wir dazu aufgefordert werden. Gleichzeitig sollten wir auch nichts unterlassen, nur weil wir dazu aufgefordert werden, es zu tun. Das wäre kindisch“, kommentierte Trichet die Einmischungen aus der Politik.

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