Jobmarkt-Krise
Neuer Wirtschafts-Nobelpreisträger bedrängt Obama

Der US-Arbeitsmarkt läuft seit längerem schlecht. Im September baute die Wirtschaft den vierten Monat in Folge Stellen ab. Für den frisch gekürten Wirtschaftsnobelpreisträger Peter Diamond Grund genug, zügig gegenzusteuern – mit einem zweiten Konjunkturpaket zur Beschäftigungssicherung im öffentlichen Dienst.
  • 2

HB CAMBRIDGE. Eine solche Anstrengung auf Bundesebene wäre sehr wertvoll, sagte Diamond am Montagabend in Cambridge, wo der 70-Jährige als Wirtschaftsprofessor am renommierten Massachusetts Institute for Technologie (MIT) arbeitet. Die Regierung sollte den Bundesstaaten zur Seite springen, vor allem um Jobs im öffentlichen Dienst etwa bei Lehrern, Sozialarbeitern, Feuerwehr und Polizei zu sichern.

Das erste Konjunkturpaket in diesem Bereich sei sehr hilfreich gewesen, sagte der 70-Jährige, den Präsident Barack Obama für das Direktorium der US-Notenbank nominiert hat. Ohne diese Programme wäre die Arbeitslosigkeit deutlich höher. Die Regierung hatte hierfür im Frühjahr 2009 ein Paket im Volumen von 814 Mrd. Dollar geschnürt.

Der US-Arbeitsmarkt läuft seit längerem schlecht. Im September baute die Wirtschaft den vierten Monat in Folge Stellen ab. Die öffentliche Verwaltung ist mit 76 000 gestrichenen Posten stark betroffen gewesen, hier vor allem Beschäftigte im Lehrbetrieb. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit dürfte auch die Kongresswahlen am 2. November bestimmen.

Diamond, der am Montag zusammen mit einem US-Kollegen und einem britisch-zyprischen Forscher mit dem Wirtschaftsnobelpreis für seine Verdienste in der Arbeitsmarktforschung ausgezeichnet wurde, soll nach dem Willen Obamas bald in das Direktorium der Federal Reserve einziehen. Die Personalie hat sich wegen Widerstands aus den Reihen der Republikaner aber verzögert, die Diamond mangelnde Qualifikation für den Posten vorhielten.

Trotz seiner Unterstützung für staatliche Eingriffe in die Wirtschaft bekannte sich Diamond zur freien Marktwirtschaft. Er „glaube an die Märkte“, sagte er. „Ich glaube an den Kapitalismus.“ Die Arbeitslosigkeit in den USA werde indes nur langsam zurückgehen.

Kommentare zu " Jobmarkt-Krise: Neuer Wirtschafts-Nobelpreisträger bedrängt Obama"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ich würde gerne wissen, wem und wo die amerikanische Regierung sonst noch überall zur Seite springen sollte. Obama sollte vielleicht lieber aufpassen, dass er beim lauter zur Seite springen nicht ähnlich wie letzlich der Segway besitzer von der Klippe stürzt.

    Wir haben ein kolossales Problem in den USA. Gemeinden, Kommunen, Städte: viele davon sind pleite und können ihre Leute nicht bezahlen. Wie wollen die da noch zusätzliche Jobs schaffen, die auch noch bezahlt werden müssen?

    Das Konjunkturpaket der USA hat in erster Linie den banken geholfen, damit diese weiter boni auszahlen können und ihre systemrelevanten Mitarbeiter getrost weiter Champagner schlürfen und in die bordelle gehen können.
    Die Erfolge dieses Konjunkturpaketes auf andere beriche der Wirtschaft sind mehr als fragwürdig.

  • Und was lehrt uns das? Zweierlei:

    1. Konjunkturpakete werden in den USA zur wichtigsten Wirtschaftskraft (weil eine reale fehlt)

    2. Die sogenannte "Dienstleistungsindustrie", die zum bruttosozialprodukt je nach ihrer Ausprägung entsprechend viel beiträgt, bewirkt nur in geringem Umfang (Technologieentwicklung, technische Dienstleistungen, ingenieurwesen), keine unmittelbare (Lehre, bildung, Forschung) oder überhaupt keine tatsächliche Wertschöpfung (Staat/Verwaltung, Gesundheitswesen, Polizei, Feuerwehr, behinderten-/Altenpflege), sondern ist ein (leider notwendiger) Verlustbringer.

    Fazit: Nur tatsächlich reiche Gesellschaften/Staaten können sich umfangreiche Dienstleistungssysteme mit bezahlten Mitarbeitern leisten. Voraussetzung sind steuerlich abschöpfbare Gewinne und zumutbare Abgabenlasten, die den Leistungserbringern auferlegt werden können. Das schöne Märchen von der Dienstleistungsgesellschaft entpuppt sich auch als Propagandalüge des unfähigen Polit-Establishments, das dabei nur an neue Verschuldung und ans Gelddrucken denkt (beispiel Griechenland).

    Obama sollte den finaziellen Staatsnotstand ausrufen und alle Staastbediensteten von der Kehrfrau bis zu sich selbst (eingeschlossen alle Uniformträger!) zwangsdienstverpflichten und ihnen einen Soziallohn zahlen und eine Freifahrkarte zur Arbeit + 50 km dazulegen, aber nicht auf P. D. Grund hören.

    Als bush jr. ins Amt kam, meinte ich: "Der ist so dumm, daß er einen Krieg anzetteln wird", als Obama Präsident worde, sagte ich: "Der wird Amerika in den wirtschaftlichen Abgrund steuern." - Wir sind davon nicht weit entfernt und ich scheine recht zu haben - leider.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%