Jobzahlen für Oktober
US-Arbeitsmarkt kommt nicht in Schwung

Die Lage am US-Arbeitsmarkt hat sich im Oktober nur leicht gebessert. Nach wie vor verharrt die Arbeitslosenzahl auf sehr hohen Niveau - und wird zum großen Problem für US-Präsident Obama im Präsidentschaftswahlkampf.
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WashingtonDer krisengeschüttelte Arbeitsmarkt in den USA kommt trotz einer leichten Belebung nicht recht in Schwung. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg im Oktober um 80.000, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Experten hatten ein Plus von 95.000 erwartet . Für einen Lichtblick sorgte hingegen die leicht auf 9,0 Prozent gesunkene Arbeitslosenquote, die auf einer separaten Haushaltsbefragung fußt. Zugleich revidierte die Regierung den Stellenaufbau im September kräftig auf 158.000 von 103.000 Stellen nach oben.

„Licht und Schatten liegen in dem aktuellen Arbeitsmarktbericht eng zusammen“, resümierte Ökonom Heinrich Bayer von der Postbank. Die Belebung sei jedoch noch lange nicht ausreichend, um in absehbarer Zeit die hohe Arbeitslosigkeit spürbar zu drücken. Der Arbeitsmarkt gilt als Achillesferse der US-Wirtschaft. Das Tempo des Jobaufbaus ist bislang viel zu niedrig, um das Heer der 13,9 Millionen arbeitslosen Amerikaner in Lohn und Brot zu bringen. Der Privatsektor schuf im Oktober zwar 104.000 neue Stellen. Doch die Rotstift-Politik der in ein Sparkorsett gepressten Regierungen in Washington und den Bundesstaaten sorgte zugleich dafür, dass 24.000 staatliche Jobs wegfielen. Die Streichorgien des Staates sorgen bereits seit geraumer Zeit dafür, dass die Belebung am Arbeitsmarkt ausgebremst wird.

Die Lösung der drängenden Probleme hat im heraufziehenden Präsidentschaftswahlkampf 2012 für Amtsinhaber Barack Obama oberste Priorität. Zuletzt hatte Notenbank-Chef Ben Bernanke die Politiker in Washington offen aufgefordert, mehr für eine Belebung des Arbeitsmarkts zu tun. Entsprechende Initiativen Obamas trafen jedoch im Kongress auf den Widerstand der oppositionellen Republikaner. Zugleich hielt sich die Zentralbank Federal Reserve (Fed) die Möglichkeit offen, der lahmenden Wirtschaft künftig mit weiteren Konjunkturspritzen auf die Beine zu helfen. Das Wachstum hatte sich im dritten Quartal auf eine aufs Jahr hochgerechnete Rate von 2,5 Prozent beschleunigt. Sie müsste jedoch dieses Wachstum in den folgenden Quartalen fortsetzen, um die Arbeitslosigkeit nachhaltig abbauen zu können.

Ökonom Harm Bandholz von Unicredit verweist zudem darauf, dass der Arbeitsplatzaufbau in den vergangenen sechs Monaten im Schnitt nur bei 90.000 Stellen lag. „Das reicht nicht einmal, um die Arbeitslosenquote zu stabilisieren.“ Wegen der noch immer großen Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung sei vorerst nicht mit einer Einstellungswelle zu rechnen. Sollte der Arbeitsmarkt weiter auf der Stelle treten, werde die der Vollbeschäftigung verpflichtete Fed wohl nervös: „Dann wäre es wahrscheinlich, dass die geldpolitische Haltung Anfang 2012 noch konjunkturstimulierender ausfällt.“ Bernanke hatte bereits durchblicken lassen, dass zusätzliche Ankäufe von mit Hypotheken besicherten Wertpapieren (MBS) eine „brauchbare Möglichkeit“ sein könnten, um dem Häusermarkt bei Bedarf stärker unter die Arme zu greifen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Jobzahlen für Oktober: US-Arbeitsmarkt kommt nicht in Schwung"

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  • Man darf gespannt sein, ob die Amerikaner es überhaupt begreifen, daß Clinton, Bush und Greenspan die eigentlichen Verursacher des Desasters sind. Aber das übersteigt wahrscheinlich ihren Horizont.

  • Die ganzen Zahlen aus USA stimmen nicht. Bernake, FED und Obama haben zwecks US-Machterhalt den Finanzmarkt extrem künstlich am Leben gehalten, den DOWJONES gepushed - das gibt für eine Weile die Illusion von Aufschwung .... bis die realen Wirtschaftsdaten deutlich machen in welcher Krise die USA tatsächlich stecken. USA hat seine Rolle als Welt- und Währungsmacht verloren, sie können das nur noch nicht einsehen. Verständlich , das braucht Zeit. Doch Veränderungsprozesse auf der Welt waren schon immer unabänderlich und das ist auch gut so.

  • Naja, was soll schon passieren, wenn man sein ganzes Geld der FED (und den vereinnahmten Banken) in den Rachen wirft und das Volk vergisst.

    Occupy Wall Street to Obama: Don't Be Big Banks' Puppet; No Immunity Deal for Crooks

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