Jörg Asmussen: Die deutsche Allzweckwaffe

Jörg Asmussen
Die deutsche Allzweckwaffe

Jörg Asmussen hat es mit Taktik und Fachwissen vom Ministerberater zum inoffiziellen Außenminister der Europäischen Zentralbank gebracht. In Frankfurt schaltet und waltet er souverän - doch es gibt auch Kritiker.
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FrankfurtVon der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers, die die Finanzwelt zwei Tage später erschüttern wird, ist noch nicht die Rede an diesem lauen Septemberabend im Jahr 2008. Rund zwei Dutzend Journalisten sitzen mit dem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück und Bundesbankchef Axel Weber in Nizza beim Hintergrundgespräch, Thema ist der Wirtschafts- und Finanzministerrat. Es ist fast Mitternacht, als Steinbrück eine so komplexe Detailfrage gestellt bekommt, dass er passen muss: „Klären Sie das doch mit Asmussen gleich bilateral an der Bar“, sagt er.

Jörg Asmussen gilt damals als Allzweckwaffe des Ministers, einer, der die deutschen Finanzmarktgesetze nicht nur auswendig kennt, sondern jahrelang daran mitgeschrieben hat. Heute sitzt er im 34. Stock der Europäischen Zentralbank (EZB) und darf sich zu den sechs obersten Geldwächtern in Europa zählen. Seit 100 Tagen ist der 45-jährige Ökonom mit der Bilderbuchkarriere als Finanzbeamter der „Außenminister“ der EZB, zuständig für die internationalen Beziehungen der EZB bis hinauf auf die Ebene der Staats- und Regierungschefs und in den Bereich Recht.

Die Weltfinanzkrise hat Asmussen weit nach oben gespült. Und das ist sein großer Vorteil. Mit seinem Wechsel vom Bundesfinanzministerium in die Europäische Zentralbank hat Asmussen zwar absolutes Neuland betreten, doch die Themen sind geblieben. Gestern wie heute sucht er nach Lösungen gegen die Euro-Krise und zur Stabilisierung der Banken. „Ich verhandele weiter mit den gleichen Akteuren über die gleichen Themen - nur die Perspektive hat sich geändert“, sagt Asmussen.

Für eine erste Überraschung sorgt Asmussen Mitte Februar. Den Plan, dass die EZB ihre griechischen Staatsanleihen in neue Papiere mit gleicher Laufzeit und gleichen Bedingungen, aber anderen Kennnummern umtauscht, um so von einem späteren Zwangsumtausch ausgenommen zu werden, hat er zusammen mit seiner Rechts-Abteilung ausgearbeitet. Die Verhandlungen mit der griechischen Regierung hat er höchstpersönlich geführt. Die öffentliche Kritik an der Sonderrolle der EZB bei der Umschuldung Griechenlands hat den selbstbewussten Finanzexperten nicht getroffen. „Für die Notenbank ist das die beste Lösung.“

Dass Asmussen auch EZB-Chef Draghi von der Umtausch-Aktion überzeugen konnte, zeigt, wie schnell er seine Macht in der Notenbank ausgebaut hat. In der Zentralbank wird deshalb sehr genau beobachtet, was Asmussen als nächstes plant. Kritiker bemängeln seine Nähe zum Bankensektor und werfen ihm seinen Einsatz für die Deregulierung der Branche im Vorfeld der Finanzkrise vor. Einigen gilt er bereits als zu pragmatisch. „Ich finde das Wort Kompromiss nicht negativ“, kontert Asmussen im Gespräch mit dem Handelsblatt. Er sieht sich klar in der Tradition der Bundesbank, und betont das alleinige Mandat der EZB, Preisstabilität zu gewährleisten. Da müsse die EZB „völlig fest sein, da darf man auch nicht weichen.“

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Asmussen gegen Weidmann

Kommentare zu " Jörg Asmussen: Die deutsche Allzweckwaffe"

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  • Wie man einen der Hauptverantwortlichen für die Bankenkrise
    in Deutschland so hochjubeln kann, zeigt doch nur, wie gering
    die Fachkenntnisse der Redakteure sind.

  • @Rational, da muss man wirklich sehr dumm sein, um das zu glauben was du da von dir gibst. Deregulierung ist die Mutter aller Übels.

  • Fips Asmussen hat spätestens seit 2008 ordentlich dazu beigetragen, dass Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden. Reife Leistung!

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