Joseph Stiglitz US-Ökonom fordert von EZB billigeres Geld

Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz greift im Interview Europas Wirtschaftspolitik harsch an. Statt sich um Inflation zu sorgen müsse die EZB für Wachstum kämpfen - auch im Interesse der deutschen Exporteure.
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Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz verteufelt Euro-Bonds nicht. Quelle: ap

Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz verteufelt Euro-Bonds nicht.

(Foto: ap)

LindauHandelsblatt: Professor Stiglitz, sind Europas Regierungen auf dem richtigen Weg, um ihre Probleme zu lösen?
Joseph Stiglitz: Mein Eindruck ist, dass auf dem EU-Gipfel im Juli ein Beschluss gefasst wurde, den Krisenstaaten entschlossen zu helfen. Viele Details wurden zwar offengelassen, aber unter dem Strich war es eine gute Einigung. Etwas entsetzt bin ich jetzt, dass Finnland die Einigung möglicherweise entgleisen lassen kann. Mit einem vernünftigen Kompromiss ist es in Europa nicht getan - er muss ja noch durch die Parlamente gebracht werden. Das kann schwer werden..

Handelsblatt: Braucht Europa einen Plan B für eine Zeit nach dem Euro?
Stiglitz: Es wäre extrem schwierig und teuer, die Währungsunion wieder aufzulösen - auch und gerade für Deutschland. Trotzdem sollte man sich Gedanken darüber machen, wie sich der wirtschaftliche Schaden so gering wie möglich halten ließe, falls die Euro-Zone zerfällt. Vermutlich wäre es unter dem Strich besser, wenn Deutschland die Währungsunion verließe, als Griechenland aus der Union zu werfen. Eine neue griechische Währung würde massiv abwerten und die Rückzahlung der in Euro denominierten Schulden noch schwieriger machen..

Handelsblatt: Für wie hoch halten Sie denn das Risiko, dass der Euro zerbricht?
Stiglitz: Das hängt allein von den Entscheidungen der politischen Führung in Europa ab. Das Überleben des Euros ist mehr eine politische als eine ökonomische Frage. Ich glaube, dass die Politiker entschlossen sind, den Euro zu retten. Aber der politische Entscheidungsfindungsprozess in Europa macht mir Sorgen - eben weil es sehr kompliziert ist, eine gemeinsame Linie zu finden..

Handelsblatt: Schmälert die Europäische Zentralbank (EZB) Ihre Sorgen? Sind Sie mit der europäischen Geldpolitik zufrieden?
Stiglitz: Ich denke, die EZB sollte ihre beiden Zinserhöhungen rückgängig machen. Inflation ist wirklich nicht das drängendste Problem in Europa, der Kontinent befindet sich klar in einem wirtschaftlichen Abschwung. Dafür sprechen auch die jüngsten Wirtschaftsdaten aus Deutschland. Hinzu kommt, dass die Geldpolitik der EZB nicht im Gleichschritt mit der US-Notenbank ist. Die Fed hat angekündigt, die Zinsen zwei Jahre lang bei null zu lassen. Die derzeitige Geldpolitik der EZB treibt den Euro in die Höhe und schadet damit auch deutschen Exporteuren..

„Ich halte Euro-Bonds für ein gutes Instrument“
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29 Kommentare zu "Joseph Stiglitz: US-Ökonom fordert von EZB billigeres Geld"

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  • Mein Gott, Joseph!!
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    Politiker die ihre politischen Vorstellungen bisher über
    jeden ökonomischen Verstand gesetzt haben, sollen jetzt das
    Eurodesaster in den Griff bekommen? Das kann sich nur
    über einen Übersetzungsfehler handeln, denn selbst dieser
    Fuchs mit der Brille dürfte das für ein Ding der Unmöglich-
    keit halten!!

  • Mit anderen Worten: Die USA ist PLEITE, aber niemand spricht es aus !

  • Ich glaube nicht, dass die Politiker alles so fachfremd sind.

    Sie sind aus meiner Sicht Angestellte der Banken, die ihre Rolle zu spielen haben. Wie jeder gute Schauspieler, so beherrschen auch die guten Politiker ihren repäsentativen Job. Wer wirklich die Macht hat, wird bestimmt nie so dumm sein und stellt sich zur Wahl auf. *gggg* man könnte ihn ja abwählen. Warum also dieses Risiko eingehen.

    Mit ein paar öffentlichkeits-geilen Repräsentanten kann man das viel besser hin bekommen. Man sollte eben nur darauf achten, dass sie IMMER Dreck am Stecken haben. Denn nur wenn sie erpreßbar sind, kann man sie jederzeit zurückpfeilen, wenn sie aufmucken (s. Strauss-Kahn). Außerdem beherrschen die Poliker die Gabe, dass sie lügen können. Also eine Gabe, die ein BWL'er oft erst nach dem 2. - 3. Semester einigermaßen gut hin bekommt.

    Die Politiker haben eben die Aufgabe, das den Lemmigen in ihrer Sprache zu erklären, was die Machtinhaber (im Moment die Banken, früher die Schwerindustrie) gerade erreichen wollen.

    Am € haben viele Großunternehmen in Dt. bisher bestens verdient und selbst das (angebliche) aktuelle Chaos ist eine hervorragende Gelegenheit für viele, die den Begriff Volatilität und Markvolumen zu nutzen wissen.

    Nichtrs ist schlimmer, als wenn der Markt auch für die Lemmige kalkulierbar wird





  • Die Staaten werden ihren Weg gehen und gerade Gier ist eines der Hauptmotive für Leistung. Wenn die dt. Politiker geschickt wären, würden sie das Krebsgeschwühr "Wohlfahrtsstaat" endlich auf ein NN zurück schrauben und nicht jeden Leistungswilligen so verprellen, dass man eigentlich nur noch schnell Geld machen will und dann den ganzen kaputten Hartz-IV Laden verläßt.

    Warum haben wir wohl diese extreme Polit- und Staatsverdrossenheit?

    Der Mopp bestimmt, weas offiziell gemacht wird. Und alles dreht sich in diesem kaputten Land nur noch um die Bedürftigen. Wehe dem, der noch etwas leistet, der wird bestraft. Immer volles Rohr auf alle die, die (noch) Geld haben. Unser Staat ist zu eine Maschierie verkommen, wo alle abgezockt werden, die Leistung erbringen.

    Kein Wunder, dass die Leistungsträger innerlich sich von dem Staat losgesagt haben und es ihnen sch...egal ist, was mit Dt. passiert.

  • ...leider aber den falschen Ökonomen.

  • schnell vergessen it leicht gesagt.
    Aber bei unseren dummen, ungebildeten und völlig fachfremden Politikern trifft so was eben immer auf offene Ohren

  • Alles was dieser Mensch erzählt hat, traf nicht zu bzw. ein. Er ist genauso ein selbstverliebter Sozi-Keynesianer wie Krugman und Bofinger. Einfach schnell vergessen!

  • Hallo zusammen,

    jeder Autor und Leser sollte dringend folgendes Buch lesen,
    falls noch nicht geschehen:

    3-tlg.- Sammelband
    Vom Gelde, Valuta, Wàhrungsnot -
    Briefe eines Bankdirektors an seinen Sohn (Argentarius 1921,1923).
    Neuauflage 2010 vom basis-Verlag , Handewitt.

    Darin lernen sie was Geld/Gold wirklich ist, warum der Zins in einer
    ehrlichen Welt sinnvoll ist und nur politisch/religiòs missbraucht
    wird und wer gegen die Gebote Gottes verstosst , wer Schuld an dem
    Falschgelddrucken hat (auch teilweise Aktien sind betroffen) und warum
    enteignet und geràubert wird,ebenso warum ein Goldrandstandard
    jederzeit mòglich ist, etc.!

    Auch die Reperationszahlungen nach den Weltkriegen I und II wurden von der Politik und Hitler missbraucht. Ebenso von ungebildeten ÖkonomenMedien und sonstigem "braunem Gesindel" der heutigen Welt.

    Mir erscheint, daß die Welt von damals spiegelverkehrt zurückkommt.

    Herzliche Grüße,

    OK

  • Es wäre mit Sicherheit besser, die Rückkehr zu den alten Währungen. Lieber eine kurze schwere Strecke, als noch jahrelanges Gezerre um Rettungsschirme und sonstigen Mist.
    Ich sage es noch einmal: Deutschland muß ein bißchen zurück auf Anfang.
    Was hat es uns denn gebracht dieses immer Mehr, immer Höher, immer schneller etc.?
    Und das Wort Globalisierung betrachte ich mittlerweile als Drohung und Einschüchterung von uns Bürgern.
    Niemand zwingt uns giftiges Spielzueg aus China zu kaufen oder ähnliches.
    Das alles was derzeit abläuft hat mit normalem weltweiten (also globalem) Handel nichts mehr zu tun. Das ist weltweit Gier und die Deutschen sind an erstr Stelle dabei.
    Bei uns muß außerdem wieder begriffen werden, dass man eine Firma nach alten kaufm. Regeln leiten muß und nicht mit fachfremden Managern, die von einer Firma zu anderen hubbeln aber von der Branche keine Ahnugn haben. Das beste Beispiel war dieser Middelhof, erst Bücher (Bertelsmann) dann Mode (karstadt-Quelle) und ncihts richtig und dann noch in die eigene Tasche. So jemand gehört auch bei usn endlich mal in den Knast zur Abscheckung
    Und ein Maschinenbau-Unternehmen nun mal in erster Linie von einem Dipl.-Ing geleitet werden muß und nicht von einem BWLer
    Und mit Laptop,einem Handy, ein paar Controllerzahlen und hin und wieder dümmlichen PowerPoint Präsentationen kann man nun mal keinen Betrieb leiten.
    Wenn das alles mal wieder begriffen wird, wären wir schon ein Riesen-Stück weiter
    Die Firmen leben vor lauter Gier der Manager, deren Gehälter und Boni immer höher werden, von der Hand in den Mund. Am Monatsende zum Gehälter zahlenb brauchen die Bankkredite trotz enormer Umsätze. Hier stimmt eine Menge nicht

  • Wir haben doch schon längst Planwirtschaft. Wir haben ja sogar schon die befohlene Staatswirtschaft. Da hat Merkel befohlen, diees Benzin aus Getreide herzustellen,was schon zynisch und frech genug ist, Lebensmittel derart zu mißbrauchen, wenn die Firmen es nicht los bekommen, wie es ja der Fall ist, müssen sie Strafe an den Staat zahlen.
    Das muß man sich einmal vorstellen. Das ist DDR pur in seiner schönsten Form
    Es fehlen jetzt nur noch die 5Jahres-Pläne und einmal jährlich die Ehrung des besten Arbeiters
    In dieses Muster paßt der Stieglitz bestens.
    Denn was anderes will er auch nicht, wenn man ihn richtig versteht

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