Jürgen Stark
Chefvolkswirt der EZB fordert Umdenken

Nach der Krise kann es nicht so weiter gehen wie vor der Krise. Diese Meinung vertritt EZB-Volkswirt Jürgen Stark. Stark will nicht an den Grundfesten der Zentralbanken rütteln, aber er verlangt eine Revision. Bei überhitzten Märkten sollten sich die Zentralbanker "gegen den Wind lehnen".
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Die Finanzkrise ist nach Meinung des Chefvolkswirts der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, nicht spurlos an den Zentralbanken und ihrer geldpolitischen Strategie vorbei gegangen. Nur einige Grundsätze des geldpolitischen Rahmens würden die Krise überleben, sagte Stark bei einer Forschungskonferenz der EZB. In manchen Details sei dieser Rahmen aber auf eine ernsthafte Probe gestellt und zum Teil beschädigt worden. Er bedürfe der Revision.

Nicht zur Disposition steht für den EZB-Chefvolkswirt die Unabhängigkeit der Zentralbank und – zumindest im Rahmen der EU – das Verbot, Staatsschulden zu finanzieren. Unverändert gültig sei zudem die Gewährleistung von Preisstabilität und das Gebot einer transparenten Kommunikation. Diese drei Prinzipien seien durch die Krise nicht diskreditiert worden. Sie bildeten auch künftig die Grundlage für die Glaubwürdigkeit und Effizienz der Zentralbank. Die Krise habe zudem gezeigt, wie sinnvoll der breite analytische Rahmen der EZB sei, bei dem Geld und Kredit eine wichtige Rolle spielten.

Einen anderen Ansatz als bisher legten die Erfahrungen aus der Krise jedoch für die Reaktion der Zentralbanken auf Überhitzungen bei Vermögensspreisen nahe, also vor allem bei Aktien und Immobilien. Nach dem Konzept des „gegen den Wind Lehnens“ sollte die Geldpolitik in Zeiten stark steigender Vermögenspreise straffer sein als es das Preisstabilitätsziel für sich genommen erfordern würde. In Zeiten fallender Vermögenspreise könne sie dann umso lockerer sein. Auf diese Weise könne die Zentralbank mittelfristig Preisstabilität garantieren und gleichzeitig das Wachstum einer Vermögenspreisblase unter Kontrolle halten.

Früher habe man diesem Ansatz eher skeptisch gegenüber gestanden, sagte Stark. Die Erfahrungen mit der jüngsten Finanzkrise, die von scharfen Einbrüchen in der Weltwirtschaft gekennzeichnet gewesen seien, hätten aber deutlich gezeigt, dass ein ungebremstes Auf und Ab an Aktien- und Immobilienmärkten systemische Krisen auslösen und die Weltwirtschaft ernsthaft bedrohen könnten. mak

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  • Auf die letzten Ursachen der Probleme kommt leider kaum jemand zu sprechen, obwohl sie recht offensichtlich sind. in den letzten 20 Jahren wurde die Geldmenge in gigantischer Manier aufgebläht, nicht nur in den USA, sondern auch in der EURO-Zone. Das führt natürlich zu einer Entwertung des Geldvermögens. Selbst wenn ich nur 2% inflation annehme, ist mein Geld nach 35 Jahren nur noch die Hälfte wert. Die tatsächliche Entwertung ist sogar wesentlich höher, weil die inflationsrate nicht die Vermögenswerte wie Aktien, Rohstoffe und immobilien berücksichtigt. Ein weiterer Faktor sind die niedrigen Zinsen, welche mit der Geldausweitung einhergehen. Die banken sind im jetzigen System nicht auf Spareinlagen angewiesen, da sie reichlich von der Zentralbank versorgt werden und über Kreditvergabe selbt die Geldmenge ausweiten können. Das Ganze ist eine gigantische Ausbeutung zulasten der Mittelschicht und zugunsten des Finanzsystems und der politischen Stimmenkäufer.

  • Ach sollten die Superklugen Wirtschaftswissenschaftler doch zu Verstand kommen ? ? beispiel: Hier in Köln stehen Reihenweise Hotels in jüngster Zeit wurden immer mehr gebaut, mit büroimmobilien ist es das gleiche. Hier fehlt in unserer sogenannten Marktwirtschaft eine wirksame bremsmöglichkeit. Es müsste beispielsweise von einer noch zu schaffenden Einrichtung bestimmt werden können (das solch ein Projekt jetzt in der Stadt nicht gebaut werden darf, eben weil der bedarf nicht vorhanden ist) oder das die Finanzierung solch eines Objektes nur mit eigenem Kapital (oder sehr geringer Quote für eine bankenfinanzierung) realisiert werden darf. So könnte man das Risiko aus dem System nehmen oder zumindestens sehr begrenzen. Denn wenn die investiton schief geht (und es stehen hier etliche büro-Objekte seit Jahren zur Vermietung an, sie stehen also mindesten teilweise leer) verlieren nur die investoren , aber keine bank gerät in Schieflage. Ferner könnte es für die Stadtentwicklung ebenfalls vorteilhaft sein. Auch das Argument kurzfristige Arbeitsplätze in der bauzeit zieht nicht, denn wenn das funktionieren würde könnte man auch unentwegt Pyramiden bauen und hätte so immerwährende Vollbeschäftigung. SOOOOOO Nicht!
    Also ich weiß das es das in unserem System nicht gibt, aber so etwas oder etwas ähnliches wäre eben eine sinnvolle bremse.

  • Was die Nachfolgeorganisation der EZb anders als ihre Vorgängerin tun sollte:
    An einer funktionierenden mechanischen Kasse die beschriftung der bedienungstasten zu ändern, da dadurch die daneben liegenden inkasso- und bilanzbücher wieder korrekt das Zahlenwerk wiedergeben.
    EHRLiCH WÄHRT AM LÄNGSTEN !

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